Wenn im Januar die Mallorquiner fast unter sich sind, feiern sie ausgelassene Feste

Teuflische Bräuche

Ausgelassene Stimmung: Bei verschiedenen Festen wird auf Mallorca der Winter vertrieben. Palma feiert am 20. Januar mit kollektivem Grillen seinen Schutzpatron (links). Bei der Tiersegnung in Pollenca spielen Schäfer auf ihren traditionellen Instrumenten und in Sa Pobla machen jede Menge Teufel die Gassen unsicher. Fotos: Haafke

In allen Inselgemeinden wird am 17. Januar das Fest zu Ehren von Sankt Antonius, dem Schutzheiligen der Tiere und der Bauern, gefeiert. Am Vorabend treiben die bösen Geister ihr Unwesen: Teufel und grotesk Maskierte ziehen lautstark durch die Straßen und Gassen, in denen vielerorts kleine Scheiterhaufen aufgeschichtet worden sind. Die größte Veranstaltung dieser Art findet in Sa Pobla, im Norden Mallorcas, statt.

Schwellköpfe nehmen die Honoratioren auf die Schippe

Freundlich dreinblickende Satansfiguren und Schwellköpfe – überdimensionale Köpfe, die Persönlichkeiten des Ortes und der Region karikieren – ziehen in einem großen Korso über den Marktplatz hinüber zur Kirche. Dort bittet man um den Beistand des heiligen Antonius zur Vertreibung böser Mächte und der Winterkälte. Mit einem anschließenden, gigantischen Feuerwerk wird die Ankunft des Schutzpatrons angekündigt, der danach seine gebührende Begrüßung erfährt. Das ganze Dorf ist zu nächtlicher Stunde noch auf den Beinen. An den inzwischen entfachten Scheiterhaufen werden kleine, nachbarschaftlich kommunikative Grillfeste mit Musik und Tanz veranstaltet.

In Pollença, dem Wallfahrtsort mit der Kalvarientreppe, die exakt 365 Stufen zählt, beginnt der Feiertag mit der Colcada i Beneides, der traditionellen Tiersegnung. Das endlose Defilé führt der Schäfer mit seiner blökenden Herde an, begleitet von Flötenklängen und einem urigen, dudelsackähnlichen Instrument, der Gaita. Es folgen Hunde, Katzen, jegliches Hausgetier vom Meerschweinchen über Frosch und Goldfisch bis hin zur Schlange. Sie alle bekommen einige Spritzer geweihten Wassers ab, was zuweilen, vor allem bei den Vierbeinern, für gewisse Schreckreaktionen und Unruhe sorgt.

Auf dem Berg gibt es salzige Sardinen und reichlich Wein

Danach macht sich das ganze Dorf auf den langen Weg hinauf in die Berge, um dort ausgiebig während einer riesigen Party bei salzigen Sardinen vom Grill und Tomatenbrot mit Olivenöl und natürlich reichlich Wein eine treffliche Stärkung zu erfahren. Hier oben wird auch El Pino entgegen genommen. Ein zwanzig Meter hoher, glatt geschälter Kiefernstamm, den die Dorfbewohner nach Beendigung des rauschenden Volksgrillens hinunter in den Ort bringen.

In der Inselhauptstadt Palma feiert man am 20. Januar ein Fest zu Ehren des Schutzpatrons St. Sebastin. Das eigentliche Fest beginnt allerdings bereits am Vorabend, wenn auf der Plaça Major ein riesiger Scheiterhaufen entfacht wird. Übergroße Figuren mit Schwellköpfen tanzen ausgelassen im Feuerschein, begleitet von diversen Teufeln und allerlei weiteren Figuren. Währenddessen wird der Hauptplatz zum großen Grillzentrum. Dort bereiten die Menschen ihren mitgebrachten Fisch oder ihre Fleisch- und Wurstwaren über der Feuersglut zu um sie danach genussvoll zu verspeisen.

Im Anschluss daran gibt es in der gesamten Stadt auf verschiedenen Bühnen Konzerte. Bis tief in die Nacht spielen die Gruppen ohne Unterlass vor begeistertem Publikum, das gemütlich von einer Bühne zur nächsten schlendert ohne wirklich ein Ende zu finden. Schließlich ist der nächste Tag ja ein Feiertag.

Von Udo Haafke

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