Winterreise

Eine Fahrt mit der Trassibirischen Eisenbahn

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Mit dem Zug durch endlose weiße Weiten: Auf der 6349 Kilometer langen Strecke von Moskau nach Ulan Bator haben Reisende bleibende Eindrücke vom sibirischen Winter. 

Schneemassen und klirrende Kälte in der Heimat von Väterchen Frost: Eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn ist im Winter ein ganz besonderes Erlebnis.

Aus den Nüstern der drei Pferde quillt weißer Dampf. Der Kutscher, hat Mühe, die Tiere zu halten. Väterchen Frost zwickt in Nasen und Wangen. 20 Grad unter Null. Dann geht sie los, die Troikafahrt durch die Winterwelt des Freilichtmuseums Talci, unweit des Baikalsees. So soll Winter ein. Ein Grund für die Touristen aus Deutschland, die Reise ins ferne Sibirien zu unternehmen: Russland zu entdecken, wie man es aus alten Märchen kennt. 

Doch Talci ist nicht die erste Station der Tour. Bereits vor fünf Tagen in Moskau gab es die erste Begegnung mit dem russischen Winter. Dass der nächtliche Rote Platz dabei nur eines von zahlreichen Besichtigungszielen war, versteht sich von selbst. Nun hätten sie zwar schon fünf Stunden später in Irkutsk landen können, doch die Wahl viel auf eine andere Art des Reisens: Gemütliche Sonderzugwagen, angehängt an Regelzüge, sind das Mittel der Wahl auf dem langen Weg nach Sibirien. Zwischenstopps – etwa in Jekaterinburg und Nowosibirsk – sorgen dabei ebenso für Abwechslung wie spannende Vorträge an Bord und – nicht zu vergessen – eine Wodka- und Kaviarprobe. 

Die ersten Tropfen für den See 

Doch nun, am sagenumwogenen Baikal, hat das Wintermärchen erst so richtig begonnen. Noch bevor das tiefverschneite Talci zu einer Reise in die sibirische Vergangenheit wurde, waren zwei Tage am Baikalsee eingeplant. Mit einem Luftkissenboot ging es über die unendlich scheinende Eisdecke bis dorthin, wo die Angara, der einzige Abfluss des Sees, ihren Anfang nimmt. Deren Fließgeschwindigkeit sorgt dafür, dass an einer scharfen Grenze plötzlich Schluss ist mit dem blendenden Eis. Bei der Eiswanderung darf ein Begrüßungsschluck für den Tag am Baikal nicht fehlen. 

Wichtig: Die ersten Tropfen aufs Eis geben. Der Baikal verzichtet ungern auf seinen Anteil. Zwar versteckt er seine mächtigen Dimensionen im Winter unter einer festen Eisdecke, doch allein schon die Zahlen sprechen für sich. 636 Kilometer lang ist er, seine maximale Wassertiefe beträgt 1637 Meter. Beliebt bei Anglern – und Feinschmeckern – ist im Sommer wie im Winter der Omul, eine Lachsart. Frisch geräuchert, noch warm aus dem Ofen, wird er auf dem Markt angeboten. 

Eine Fahrt mit der Trassibirischen Eisenbahn

Fast entwöhnt vom gleichmäßigen Rattern des Zuges starten die Reisenden auf den letzten Abschnitt der insgesamt 6349 Kilometer langen Strecke nach Ulan Bator. Viel Schnee ist nicht typisch für die Mongolei. Das Klima ist zu kontinental. So ist es eine nur leicht „betupfte“ Landschaft, die am Zugfenster vorbei zieht. Dafür sieht es klirrend kalt aus. In der mongolischen Hauptstadt heißt es Abschied nehmen vom rollenden Hotel. Der letzte Tag des Wintermärchens führt in die Mongolische Schweiz. Sie lebt von der Weite des Blicks und der Ruhe der Landschaft. Man ist versucht, die Kälte zu vergessen. Besonderes beim Besuch einer Hirtenfamilie in ihrer Winterjurte. Spannend, was Batchylkun über ihre Familie und ihren Alltag zu erzählen hat. Der abschließende Abstecher zum großen Dschingis Khan wird nur noch zu einer attraktiven Randnotiz einer überwältigenden Reise. Mit 40 Metern Höhe ist es das größte Reiterstandbild der Welt. Ein Fahrstuhl bringt die Gäste hinauf in die Mähne des Pferdes. Auge in Auge mit dem großen Dschingis Khan. Abschied vom Winter im Osten.

Von Axel Scheibe


Service: Winterreise mit der Transsib

• Allgemeine Auskünfte findet man am besten im Internet unter www.russland.tourismus.de und www.russlandinfo.de.
• Veranstalter: Lernidee Erlebnisreisen, Kurfürstenstraße 112, 10787 Berlin, T 0 30 / 7 86 00 00, www.lernidee.de. Die vorgestellte Reise wird in jedem Winter zu zwei Terminen angeboten. Sie kostet, je nach Abteilkategorie, ab 3840 Euro. Die nächste Reise staretet am 24. Februar 2017.
• Anreise: Wer individuell anreisen möchte, kann auf verschiedene Fluggesellschaften zurückgreifen. Optimal sind Gabelverbindungen von Lufthansa. Die Flugpreise schwanken sehr stark und beginnen bei rund 900 Euro.
• Übernachtung: Übernachtet wird während der Zugreise in den gebuchten Abteilen an Bord und in den ebenfalls zur Reise gebuchten Hotels. Eine Hotelübernachtungen in Moskau und zwei in Ulan Bator gehören zur gebuchten Reise bereits dazu. Wer seinen Aufenthalt vor oder nach der Reise weiter verlängern möchte, dem seien folgende Hotels empfohlen. In Moskau zum Beispiel das Holiday Inn Lesnaya und in Ulan Bator das Hotel Bayangol. Beide Hotels können auch über den Veranstalter gebucht werden.



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