Trend: Schule Schwänzen für den Urlaub

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Eltern verlängern gerne die Sommerferien um Geld zu sparen.

Eltern mit Schulkindern kennen das Problem: Einen Tag vor oder nach den Ferien gibt's Flüge um einiges billiger. Die Versuchung ist groß, den Urlaub selbständig zu verlängern. Doch ein Bußgeld droht.

Wenn in Niedersachsen die Schule Anfang August wieder losgeht, werden viele Kinder noch mit ihren Familien am Meer oder in den Bergen sein. Flunker-Ferien nennt sich das Phänomen an Anfang und Ende von Schulferien: Tausende Eltern lassen ihre Kinder kurzerhand blau machen und erfinden eine Entschuldigung - meist, weil sie sonst auf das Urlaubsschnäppchen in der günstigeren Reisesaison verzichten müssten. Nach den Worten von Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), ist “schummelfrei“ in den vergangenen Jahren fast schon eine Art Volkssport geworden. “Das Problem hat eher zugenommen“, sagt er.

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Was für viele Eltern eine Lappalie ist und harmlos klingt, kann jedoch jede Menge Ärger nach sich ziehen. Und richtig teuer werden. 2008 hatte die Polizei in einer aufsehenerregenden Aktion am Nürnberger Flughafen etwa 100 Familien abgepasst, die gerade aus dem Urlaub kamen und die Schulferien “hinausgeschoben“ hatten - teilweise um bis zu zehn Tage. Die Ertappten wurden mit bis zu mehr als 1.000 Euro Bußgeld zur Kasse gebeten. Ob die Polizei in diesem Sommer wieder ein Exempel statuieren und Nachahmer abschrecken will, wird sich zeigen.

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Knausern mit Freistellung

Die Bezirksregierungen in Nordrhein-Westfalen, wo vor knapp einer Woche die Ferien begannen, kassierten in diesem Jahr schon so manche Väter und Mütter konsequent ab, wie das Düsseldorfer Schulministerium berichtete. Viele Lehrer schauen jetzt genauer hin und ziehen notfalls die Reißleine. “Die Schulen sind zunehmend sensibel“, sagt Beckmann. Obwohl der Verwaltungsaufwand am Ende groß sei, achteten mehr und mehr Lehrer darauf, dass die Klassen rund um die Ferien auch vollzählig seien. In Deutschland besteht Schulpflicht.

Lehrer sind gehalten, gerade in den Tagen vor und nach den Ferien, sparsam zu sein mit Freistellungen. Nur in begründeten Ausnahmefällen wie runden Geburtstagen von Großeltern oder Todesfällen gibt es frei. Werden die Kinder krank, müssen die Eltern das mit Attest nachweisen. Eigenmächtiges Freinehmen in den Tagen vor und nach den Ferien kann mit einem Ordnungsgeld geahndet werden. Je nach Bundesland macht die mögliche Strafe mehrere hundert Euro pro Kind aus, in Rheinland-Pfalz schlimmstenfalls bis zu 1.500 Euro pro Fall, wie Bildungsministeriumssprecher Wolf-Jürgen Karle erläutert. In Bayern sehe das Schulgesetz nach Angaben des Kultusministeriums bis zu 1.000 Euro Geldstrafe vor. Es könne nicht sein, dass Eltern auf der einen Seite Unterrichtsaufall beklagten, andererseits aber ihren Kindern ein schlechtes Vorbild seien, sagt Ministeriumssprecher Ludwig Unger.

Nicht so eng sehen?

Kämen Schulen einer Mogelei auf die Schliche, werde in der Regel nicht gleich ein Bußgeld verhängt, betont Karle. Normalerweise würden Eltern und Kind erst einmal verwarnt, eventuell gebe es einen Eintrag ins Zeugnis. Erst im Wiederholungsfall alarmiere der Rektor die Schul- und Ordnungsämter. Und dann erst werden die Bußgelder verhängt. Es seien zunehmend deutsche Eltern, die eigenmächtig die Schulferien verlängerten, um zu sparen oder die Urlaubszeiten von Papa und Mama unter einen Hut zu kriegen, sagt VBE-Chef Beckmann. Früher habe man eher Migrantenfamilien nachgesagt, die offiziellen Ferienzeiten nicht ganz so eng zu sehen. Schließlich sei die ganze Familie gleich für mehrere Wochen in die zweite Heimat gefahren. “Das ist überholt“, erklärt Beckmann.

dpa

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