Im norwegischen Trondheim wurde der Aquavit erfunden – und noch heute genossen

Das Wasser des Lebens

Kleine Bar und große Auswahl: Bei Asmund Holm gibt es 68 verschiedene Sorten Aquavit. Foto: Jelinek

In Norwegen ist es im Winter meistens bitterkalt. Und bei der anhaltenden Dunkelheit kann so manchem auch die Lebensfreude abhanden kommen. Das geht den Trondheimern wahrscheinlich nicht anders, als allen anderen Norwegern.

Doch die Trondheimer haben einen Vorteil: Sie haben das Wasser des Lebens. Denn so wird der Aquavit, der goldgelbe hochprozentige Kümmelschnaps, bezeichnet: „aqua vitae“. Der berühmteste – und Insider sagen auch der beste – Aquavit, der Linie Aquavit  wurde nämlich in Trondheim erfunden.

Im Jahr 1805 belud der Kaufmann Jørgen B. Lysholm  in Trondheim das norwegische Segelschiff „Trondhiems Prøve“ mit Schnaps, Trockenfisch und weiteren Waren und schickte es auf eine weite Reise, um andere Waren dafür einzutauschen. In Jakarta in Indonesien wurden viele der Waren getauscht, aber den Schnaps wollte niemand haben. Also ging er wieder mit auf die Heimreise.

Trondheim im Winter: Impressionen aus Norwegens Stadt des Aquavit

Ein großes Glück, wie sich bald herausstellen sollte. Im Jahr 1807 war das Schiff zurück in Trondheim. Und dort entdeckte man, dass der Aquavit bei seiner zweimaligen Fahrt über den Äquator einen Reifungsprozess durchlaufen hatte und einen komplexeren, runderen – und vor allem besseren – Geschmack hatte als vor der Reise. Die Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit, die salzige Seeluft, das ständige Wogen der Ozeane und die lange Lagerung in gebrauchten Sherry-Eichenholzfässern  hatten ganz offenbar einen ausgesprochen positiven Einfluss auf das hochprozentige Getränk. Ein Markenzeichen war geboren, dass sich noch heute großer Beliebtheit erfreut. Der Linie Aquavit war erfunden. Heute reifen jederzeit mehr als 1000 Fässer Linie Aquavit als Deckladung auf See. Jede Linie Aquavit-Flasche weist auf der Innenseite des Vorderetiketts Details der viermonatigen Reise um die Welt sowie die Abfahrts- und Ankunftsdaten aus. Jeder Schluck bringt so die Erinnerungen an die Seereise zurück.

Dem Geheimnis auf der Spur

Um dieses Geschmackserlebnis zu testen, sollten Trondheim-Besucher einen Abstecher in die Norsk Aquavit Bar Nr.1  machen. Asmund Holm bietet dort 68 verschiedene Sorten des mindestens 37,5 Volumenprozent Alkohol enthaltenden Schnapses an. Der Wirt, der nach eigenen Angaben Norwegens kleinste Bar betreibt – auf 25 Quadratmetern gibt es gerade einmal 30 Plätze – hat sich das Ziel gesetzt, sämtliche in Norwegen produzierten Aquavitsorten auf der Getränkekarte zu haben. Besser als bei Asmund Holm kommt man den Geheimnissen des norwegischen Nationalgetränkes nicht auf die Spur. Nur über den Heimweg ins Hotel sollte man sich schon vorher Gedanken gemacht haben.

Weitere Informationen

Anreise: Norwegian fliegt das ganze Jahr über donnerstags und sonntags direkt von Berlin nach Trondheim. KLM fliegt drei Mal täglich von Amsterdam nach Trondheim. Lufthansa/SAS fliegt von mehreren deutschen Flughäfen täglich via Kopenhagen oder Oslo nach Trondheim.
Übernachten: Roros Hotell, DZ 160 bis 185 Euro inklusive Frühstück, www.roroshotell.no Vauldalen Fjellhotel, DZ um 120 Euro inklusive Frühstück www.vauldalenfjellhotel.no
Tipp: Schlittenhundetour
Die Ketil Reitan bietet in Røros Hundenschlittentouren an. Die Halbtagestouren kosten rund 155 Euro. www.huskytour.no

Weitere Auskünfte:
www.de.trondelag.com
www.visitnorway.com/de
www.visittrondheim.no
www.roros.no

Von Hubert Jelink

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