Vietnam: Noch bietet die Insel Phu Quoc Idylle und Ruhe, doch man sollte bald hinfahren

Tropenparadies auf Abruf

Früher Morgen am Bai Truong, den die Fremden Long Beach nennen: Palmen wiegen sich über der Bucht, zwei Jogger genießen ihren morgendlichen Strandlauf und werfen hin und wieder einen Blick auf die Fischerboote, die mit ihrem Fang von der Nacht langsam der Insel entgegen tuckern. Wir frühstücken, die Füße im Sand, direkt am Wasser. Aus dem Hintergrund wehen sanfte Klänge an den Strand: „Another day in paradise...“

Selbst jetzt, in der Hochsaison, verlieren sich höchstens ein paar tausend Touristen auf Phu Quoc. Es ist eine Insel wie aus dem Bilderbuch, zudem überschaubar und doch groß genug, dass Abwechslung genug geboten ist: Ein idealer Ruhepol nach anstrengenden Rundreisen durch Vietman. Aber an der Idylle sollen irgendwann sehr viel mehr Touristen teilhaben. Die Regierung plant ein Badeparadies für Millionen: mit internationalem Flughafen, Nachtleben, Fünf-Sterne-Hotels und womöglich mit Wellness-Oasen in jeder Bucht. Aber das hat Zeit, angeblich sogar bis zum Jahr 2020.

Noch landen nur Turboprobmaschinen auf einem Rollfeld beim Hauptstädtchen Duong Dong. Für die Stammgäste, die Phu Quoc am liebsten für sich behalten würden, ist der Masterplan für Millionen also ein Alptraum. Nicht so für Nguyen Van Dem. Der 54-jährige Fischer träumt davon, sein Stück Strand irgendwann an eine Hotelkette zu verkaufen, großes Geld zu machen und seinen vier Kindern eine rosige Zukunft zu bieten. Bis es soweit ist, fährt er weiterhin guten Mutes jeden Abend aufs Meer hinaus.

Kaltes Bier und heiße Snacks am Puderzuckerstrand

Abstecher an die Puderzuckerstrände im Süden, an den Bai Sao und an den Bai Dam. Gerade mal eine Handvoll kleine Kneipen, auf Stelzen gebaut und mit wackligen Stühlen möbliert, bieten dort kaltes Bier und heiße Snacks an. Es sei denn, der Strom und der Generator sind gerade gemeinsam ausgefallen. Für die gut gewürzten Jumbo Prawns vom Grill würde es anderswo Preise und Sterne geben, einfach wunderbar.

Another day in paradise – diesmal in Duong Dong, der kleinen Inselmetropole. Ein Spaziergang zum Leuchtturm, der sich einen Felsen mit einem Tempelchen teilt. Danach ein Blick auf die Cao Dai-Kirche, in der – merkwürdig genug – Jesus, Buddha, Konfuzius und Mohammed, aber auch Shakespeare und Victor Hugo verehrt werden. Beim Eismann an der Ecke stehen die Schüler geduldig an, und eine Schar Schülerinnen in anmutigen weißen Schuluniformen radelt gemächlich am Markt vorbei.

Später Nachmittag. Die Entscheidung für den Abend ist getroffen. Nachher werden wir in einem kleinen Familienlokal zu Abend essen – von unserem Bungalow nur ein paar Schritte nach links. Gestern haben wir uns den Reis und frischen Fisch in einer anderen Strandbude, ein paar Meter nach rechts, schmecken lassen.

Sundowner und Bilderbuchkulisse

Und morgen? Ach was – jetzt ist jetzt, und in diesem Augenblick fällt die Sonne ins Meer. Der Himmel glüht, erst rosa, bald schon feuerrot. Das Schauspiel dauert in etwa so lange, wie die Eiswürfel in unseren Cocktail-Gläsern zum Schmelzen brauchen. Eine Art Zugabe bietet eine halbe Stunde später eine Lichterkette von einem Ende des Horizonts zum anderen, „aufgehängt“ von der Flotte der Fischerboote. Der Drink zum Sonnenuntergang heißt an diesem Abend übrigens: „Good night in paradise“ – wie passend für dieses Bilderbuchkulisse.

Von Bernd Schiller

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