Unter majestätischen Segeln

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In luftigen Höhen: Wer sich traut, kann den mutigen Aufstieg zum Krähennest der Royal Clipper in Angriff nehmen.

Nichts ist leichter zu durchbrechen als die Stille, und nichts ist schwerer zu ergreifen als der Wind. Beim Auslaufen der Royal Clipper aus dem Barbadoshafen Bridgetown geschieht beides zeitgleich.

Maritimes Ambiente

Genau in jenen kostbaren Minuten, wenn sich zu den hymnischen Klängen aus „Conquest of Paradise“ die weißen Segeltücher in liturgisch anmutender Verzögerung langsam nach unten hin entfalten und sich allmählich wie rechteckige Windbacken zu wölben beginnen.

Schnell präsentiert sich die offene See nahe Barbados. Eine gute Gelegenheit, sich in der geräumigen Außenkabine wohnlich einzurichten und sodann die Treffpunkte in Augenschein zu nehmen, an denen sich das Bordleben während der bevorstehenden Reise entlang den Windward Islands entfalten soll. Allen voran der prächtig ausgestaltete Speisesaal, stilvoll eingefügt in das mehrere Decks umfassende Treppenhaus. In seinem gediegenen maritimen Ambiente erweist er sich zudem als ein exquisiter Gourmet-Tempel, der karibische Köstlichkeiten bereithält.

St. Lucia und St. Kitts

Am nächsten Morgen rasseln vor St. Lucia, dem ersten Reiseziel, unüberhörbar die schweren Ankerketten. Das Tarzan-und-Jane-Abenteuer unter tropischen Regenwald-Baldachinen wartet. Bei der Weiterreise nach Dominica mit seinem von bunten Papageien durchflatterten tropischen Morne Diablotin Nationalpark hält der nächste Morgen eine kleine Sensation bereit – neben der Royal Clipper erscheint deren kleinere Schwester Star Clipper, die nun für ein paar Stunden den Weg mit ihr teilt.

Auf der einstigen Zuckerinsel St. Kitts wird als Hauptattraktion die in britische Kolonialzeiten zurückreichende Küstenbefestigung Brimstone Hill Fortress als mustergültig restauriertes Weltkulturerbe präsentiert.

Karibisches Lebensgefühl

Ob sie sich dabei wohl auch von karibischen Klängen begeistern ließ? So wie bei der „Karibischen Nacht“ an Bord der Royal Clipper mit der Hell’s Gate Steelband. Zu laut? Sicherlich nicht. Unterstreicht doch das metallische Fortissimo nur das beschwingte karibische Lebensgefühl.

Einen Einblick in die karibische Geschichte erlangt man auf Marttinique, der heute noch französischsten aller Karibikinseln. Eine erdbebensichere Kathedrale, ein bilderbuchartiger Botanischer Garten sowie eine stilvolle Bibliothek vermögen nicht über den Skandal um Napoleons Frau Josefine hinwegzutäuschen. Sie entstammte einer dort ansässigen einflussreichen Grundbesitzerfamilie, in deren Interesse sie Napoleon überredete, die bereits abgeschaffte Sklaverei wieder einzuführen. Keine populäre Maßnahme – ihrem öffentlichen Standbild wurde mehrfach der Kopf abgeschlagen, bis der Stadtrat schließlich entschied, es kopflos zu belassen.

Ein Himmel auf Erden

Auf dem Rückweg zum Ausgangspunkt der Reise ist für die ganz Mutigen noch einmal Mastklettern angesagt. Bis hinauf ins Krähennest, von wo aus sich das illustre Leben auf dem Sonnendeck am besten beobachten lässt. Am nächsten Morgen angekommen auf Barbados, tut die Insel auf feine englische Art, was sie kann, um über den unvermeidlichen Abschied von Bord der Royal Clipper hinweg zu trösten. Was ihr mit ihren wunderbar weißen Stränden, bizarren Küstenlandschaften und stilvollen Ressorts auch weitgehend gelingt. Doch womit wäre eine Karibik-Seereise an Bord der Royal Clipper wirklich zu vergleichen? Denn ist nicht ein schwimmendes Luxushotel wie dieses schon so etwas wie ein kleines Stückchen Himmel auf Erden?

Von Dr. Bernd Kregel

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