Die Antilleninsel Dominica ist das perfekte Reiseziel für naturverbundene Individualtouristen

Urlaub bei den Sonntagskindern

Laurence Grandin ist entzückt. „Manchmal komme ich mir vor wie die Queen – immer nur winken.“ Was die Französin auf der kleinen Karibikinsel Dominica so beeindruckt, ist nichts anderes als der gelebte Alltag der Dominicaner: pure Lebensfreude. Immer am Winken, immer die Frage „Wie geht’s dir?“, immer ein aufmunterndes Wort. Laurence und ihr Mann Michel Genot finden die Insel einfach „superb“.

Die Dominicaner sind ein heiteres Völkchen. Vielleicht liegt das daran, dass sie auf einer Insel leben, die Dominica heißt – Sonntag auf lateinisch – und sie allesamt zu Sonntagskindern macht. Man kennt sich oder man lernt sich zumindest schnell kennen. „Na, hast du dein Hotel gefunden?“, fragt ein Mann am Straßenrand einen Touristen durchs Autofenster. Und als der einen Moment stutzt, schiebt der Mann nach, „du hast mich doch vor zwei Tagen nach dem Weg gefragt.“

Auf Dominica ist es nicht schwer, jemanden wiederzutreffen. Die Insel ist klein. 78 000 Menschen, davon ein Viertel in der Inselhauptstadt Roseau, leben auf der 50 Kilometer langen und maximal 25 Kilometer breiten Insel. Das ist an Einwohnerzahl und Fläche deutlich weniger als der nordhessische Werra-Meißner-Kreis. Dafür hat Dominica Sitz und Stimme in der Uno, was das Land auf internationaler Bühne immer wieder zu seinen Gunsten nutzt. So honorierten die Chinesen den Bruch Dominicas mit der Inselrepublik Taiwan mit dem Bau einer schicken 50 Kilometer langen Küstenstraße. Japan half beim Ausbau von Fischerhäfen an der Atlantikküste als Dankeschön dafür, dass Dominica sich gegen ein Walfangverbot aussprach. Aber die Beziehungen sind inzwischen abgekühlt, weil die Dominicaner mittlerweile im Whale-Watching größere Erfolgschancen sehen als im Walfang.

Touristen kommen hauptsächlich wegen der noch weitgehend intakten Natur. Aber weil die Insel sehr bergig ist und daher keinen großen Flughafen zulässt und ihre schroffen Künsten nur ab und zu und dann fast ausschließlich von lavaschwarzen Stränden unterbrochen wird, fliegt der Massentourismus an Dominica vorbei.

In den Bergen verfängt sich der Passat und regnet kräftig ab, was die Insel in ein sattes Grün taucht. Regenwald in verschiedenen Stockwerken überzieht Dominica von einem bis ans andere Ende, belebt von Kolibris und Papageien und unterbrochen allenfalls von Bananen-, Orangen- und Grapefruitplantagen. Orte im Inselinneren gibt es praktisch nicht.

Das macht Dominica zu einem reizvollen Ziel für naturverbundene Individualtouristen. Sie erkunden das Gebiet gern mit Wanderstiefeln und Rucksack, quälen sich über steile Dschungelpfade auf die Berge und duschen dafür zur Belohnung unter einem Wasserfall.

Der See kocht

Aber Hauptattraktion ist ganz zweifellos der Boiling Lake – der kochende See im Nationalpark Morne Trois Pitons. Eine brodelnde Gesteinsschicht wenige Meter unterhalb des 59 Meter tiefen Kratersees bringt das schmutzig-graue Wasser zum Siedepunkt, das blubbernd und fauchend die Dampfschwaden freisetzt. Ein überwältigendes Naturphänomen. Der nahezu runde Boiling Lake ist mit sei- nem Durchmesser von 60 Metern der zweitgrößte kochende See der Welt.

Von Dieter Salzmann

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