Tiere mit nach Hause bringen

Urlaub: Verliebt in eine Katze

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Nimm mich mit - bei so einem unwiderstehlichen Blick - wer kann da schon "Nein!" sagen.

Hunde und Katzen aus dem Ausland nach Deutschland einführen: Von Impfpass bis Tollwutantikörpertest - Was ist dabei zu beachten?

Zurück nach Deutschland mit einem Hund - das hätte sich Julia Lehmann nicht träumen lassen. Zwei Semester studierte die Leipzigerin in Griechenlands Metropole Athen. Gegen Ende ihres Aufenthalts im Sommer 2009 stieß sie in einem Heim für pflegebedürftige Straßentiere im Stadtteil Nea Philadelphia auf die Mischlingshündin Kikitsa. Zwangsläufig kam die Frage auf, die sich viele Bundesbürger stellen, nachdem sie sich im Urlaub in einen Hund oder eine Katze verguckt haben.

Wie bringt man Hunde und Katzen mit nach Deutschland?

Rechtsgrundlage für die Einfuhr von Haustieren in Länder der Europäischen Union ist die Verordnung Nummer 998/2003 über die “Veterinärbedingungen für die Verbringung von Heimtieren zu anderen als zu Handelszwecken“. Darauf verweist Mareike Enderle vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in Bonn.

Die Vorschriften gelten dabei für Hund und Katze gleichermaßen. Zu beachten ist der ehemaligen Erasmus-Studentin Julia Lehmann zufolge allerdings: “Die Einreisebestimmungen sind je nach Herkunftsland des Tieres unterschiedlich.“

Tiere mit nach Hause bringen: Wie sehen die Regelungen konkret aus?

 “Mindestens 30 Tage vor der Abreise müssen die Tiere gegen Tollwut geimpft worden sein“, erklärt Elke Deininger von der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes. Die Impfung darf nicht älter als 12 Monate sein. Julia Lehmann erfuhr im Tierheim, dass ihre Hündin bereits eine gültige Tollwutimpfung hatte. Bei einem offiziell anerkannten Tierarzt ließ sie sich diese schriftlich bestätigen.

Gehört das Urlaubsland nicht zur EU, gelten die Einfuhrregelungen für sogenannte Drittländer. Hier unterscheidet der Gesetzgeber zwischen gelisteten und nicht gelisteten Ländern. “Gelistete gelten als tollwutfrei oder als nicht gefährdet“, erklärt Elke Deininger. “Die Bedingungen für die Einreise aus gelisteten Drittländern sind etwa so wie für die Einreise aus EU-Mitgliedsstaaten“, so das BMLEV.

Einreise aus einem Drittland

Tollwutantikörpertest 30 Tage nach der Impfung

Für die Identifikation Kennzeichnungsnummer

Papiere durch einen Amtsarzt

Internationaler Impfpass

Bei der Einfuhr aus einem nicht gelisteten Drittland brauchen Tierhalter Geduld: Der Vierbeiner benötigt einen Tollwutantikörpertest aus einem von der EU zugelassenen Labor. “Die Blutprobe darf frühestens 30 Tage nach der Tollwutimpfung entnommen werden“, sagt Veterinärmedizinerin Deininger. Vom Bluttest bis zur Ausreise ist zudem eine Wartefrist von drei Monaten einzuhalten. Die Prozedur dauert somit insgesamt mindestens vier Monate.

Woher auch immer es stammt: Jedes Tier benötigt zur Identifikation eine Kennzeichnungsnummer. Sie wird mit einen Mikrochip eingesetzt. Noch bis zum 2. Juli 2011 ist alternativ auch eine Tätowierung zur Kennzeichnung zulässig. Julia Lehmann erbat die Registrierung ihrer Hündin Kikitsa beim zuständigen Amtsarzt in Griechenland und ließ einen Chip einsetzen.

Die Daten des Hundes oder der Katze sind in einen Heimtierausweis einzutragen. Reisende erhalten ihn innerhalb der EU bei autorisierten Tierärzten. Wer keinen dieser Veterinäre ausfindig machen kann, dem rät Mareike Enderle, sich am Urlaubsort bei der Stadtverwaltung zu erkundigen. Ist das Tier etwas älter und hat einen internationalen Impfpass, ist dieser bis zur nächsten Auffrischungsimpfung gültig. Anschließend ist er gegen einen Heimtierausweis auszutauschen.

Stehen die Halter ohne die genannten Papiere beim deutschen Zoll, drohen laut BMLEV Sanktionen. Die Vierbeiner können in Quarantäne genommen, zurückgeschickt oder sogar getötet werden. Versteckt ein Halter das Tier im Auto an der Grenze, drohen ihm Bußgelder in Höhe von bis zu 25 000 Euro, wenn er gegen die Tierseuchenschutzverordnung verstößt.

Julia Lehmann entschied sich nach dem Erledigen der Formalitäten für das Flugzeug als Transportmittel. Hündin Kikitsa flog in einer Box mit. “Die Tiere sollten in der Transportbox aufstehen können, einen geraden Stand haben und sich komplett hinlegen können“, sagt Elke Deininger.

Zu beachten ist dabei allerdings: Jede Fluggesellschaft regelt den Transport anders. Manchmal dürfen die Tiere mit in der Kabine reisen, manchmal nur in Tierboxen im Gepäckraum. In jedem Fall rät Deininger den Haltern davon ab, den angespannten Tieren ein Beruhigungsmittel zu verabreichen.

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Egal in welchem Land eine Katze oder ein Hund so herzzerreißend dreinblickt, dass man den Vierbeiner spontan mitnehmen möchte: Der Entschluss dafür sollte kein Schnellschuss sein. Denn ob aus dem Tierheim oder von der Straße, nicht jeder Findling eignet sich als Haustier.

Urlauber sollten beachten, dass ihre neuen Lieblinge vielleicht gar nicht so lieb sind wie gedacht. “Manche Tiere können aufgrund von Vorerfahrungen auch ängstlich reagieren, Streuner haben oft nur ein lockeres Verhältnis zu Menschen“, gibt Veterinärin Elke Deininger zu bedenken. Wenn aber ein tierlieber Besitzer wie Julia Lehmann schon länger mit einem Vierbeiner zusammengelebt hat und dann alle Hürden für die Überführung auf sich nimmt, kann sich der Schützling auf ein neues Zuhause in Deutschland freuen.

20 kuriose Tier-Urteile

Ist in einem Mietshaus das Halten von Kleintieren erlaubt, darf der Vermieter einer Mieterin nicht untersagen, ein Hausschwein zu halten, wenn sich andere Mieter dadurch nicht gestört fühlen - beschloss das Amtsgericht Berlin-Köpenick (Az. 17 C 88/00). © dpa
Dem Halter einer Katze kann es nicht zugemutet werden, sein Tier in einer Einfamilienhausgegend zu bestimmten Zeiten einzusperren. Auch dann nicht, wenn eine Anwohnerin Angst um das Leben ihrer freilaufenden Meerschweinchen hat. In einer solchen Wohngegend ist es üblich, dass Katzen frei herumlaufen. Für Meerschweinchen gilt dies nicht, entschied das Amtsgericht Köln (Az. 134 C 281/00). © dpa
Hält der Besitzer einer Eigentumswohnung in einem Terrarium 30 Giftschlangen, sechs Pfeilgiftfrösche sowie einige Echsen, stellt die Tierhaltung „keinen ordnungsgemäßen Gebrauch des Eigentums dar.“ Nach dem Urteil des Oberlandesgericht Karlsruhe bestünde immer die Gefahr, dass die Tiere durch eine Unachtsamkeit entweichen könnten. Dies könne ein Gefühl der Unsicherheit und des Bedrohtseins bei den übrigen Eigentümern hervorrufen könnte. Die Tiere müssen abgeschafft werden (Az. 14 Wx 51/03). © dpa
Ein Jogger, der sich einem nicht angeleinten Hund nähert, muss sein Tempo verringern. Behält er sein Tempo bei und stürzt über den Hund, kann für den entstandenen Schaden die Tierhalterhaftpflichtversicherung des Hundehalters nicht zu 100, sondern nur zu 70 Prozent herangezogen werden. So urteilte das Oberlandesgericht Koblenz. Wenn ein Jogger über einen Hund joggt, trifft den Sportler eine Mitschuld (Az. 5 U 27/03). © dpa
Lässt ein Vermieter die Fugen zwischen den Badezimmerkacheln erneuern und wird dabei so viel Schmutz aufgewirbelt, dass der Papagei des Mieters an der Staubentwicklung erstickt, muss der Wohnungseigentümer keinen Schadenersatz für das verendete Tier leisten. Dies beschloss das Landgericht Lüneburg. Dass bei den Arbeiten Staub und Dreck entstehen, hätte dem Mieter bewusst sein müssen (Az. 6 S 134/02). © dpa
Bremst ein Autofahrer innerhalb einer Ortschaft stark ab, weil ihm eine Katze vor das Auto läuft, und fährt ihm ein anderer Wagen hinten auf, muss die Kfz-Haftpflichtversicherung des Auffahrenden den Schaden bezahlen. Der Vorwurf, der Vordermann hätte den Unfall verschuldet, weil es grob fahrlässig sei, für ein Kleintier zu bremsen, stimmt nach Ansicht des Landgerichts Paderborn so nicht (Az. 5 S 181/00). © dpa
Läuft ein Pferd eines gewerblichen Tierhalters vom Hof und verursacht auf einer nahe liegenden Straße einen Unfall, hat der Halter den Schaden zu ersetzen. Das muss er auch, wenn das Pferd nur deshalb ausreißen konnte, weil ein Unbekannter die Tore geöffnet hatte. Der Hofbesitzer hätte das Öffnen durch Verschließen der Tore vermeiden können, begründete das Oberlandesgericht Nürnberg seine Entscheidung (Az. 9 U 3987/03). © dpa
Verkauft ein Pferdezüchter im Frühjahr ein Pferd, bei dem sich erst im Sommer herausstellt, dass es unter einer Allergie leidet, die in den Sommermonaten von Mücken ausgelöst wird, kann der Käufer das Tier zurückgeben. Der "Mangel" ist innerhalb von sechs Monaten aufgetreten und legt deshalb die Vermutung nahe, dass das Pferd schon bei der Übergabe krank war, beschloss der Bundesgerichtshof (Az. VIII ZR 173/05). © dpa
Hält ein Nachbar eine Katze, die während ihrer Ausflüge auch den Garten des Nachbarn mit Kot verschmutzt, ist dies vom Betroffenen zu dulden. Das gilt selbst, wenn von den Beschmutzungen Spielgeräte eines Kindes betroffen sind. Nicht hinnehmen muss der Nachbar jedoch die Kotablagerungen von mehreren Tieren entschied das Amtsgericht Neu-Ulm (Az. 2 C 47/98). © dpa
Das Halten eines Mini-Schweins in einer Mietwohnung darf nicht verboten werden. Ist das Schwein jedoch so leicht in Panik zu versetzen, dass es schnell aggressiv wird und schon mehrfach Menschen verletzt hat, muss der Mieter es wieder abschaffen, wie das Landgericht München I entschied (Az. 31 S 20796/04). © dpa
Der Halter eines Huskys muss mit seinem Hund nicht zum Wesenstest, wenn das Tier von einem Nachbarn beschuldigt wird, zwei Kaninchen und zwei Meerschweinchen totgebissen zu haben. Ein Wesenstest ist nach Ansicht der Richter eines Verwaltungsgerichtes in Mainz nur dann anzuordnen, wenn die Charaktereigenschaft des Hundes geprüft werden soll, nicht jedoch, um aufzuklären, ob ein Husky die Haustiere des Nachbarn totgebissen haben könnte (Az. 1 L 250/05). © dpa
Bei Warmblut-Reitpferden stellen "sklerotische Veränderungen der Wirbelsäule", also Fehlstellungen des Skelettes, im Regelfall keinen Sachmangel dar, der zur Rückgabe des Pferdes berechtigt. Das Oberlandesgericht Celle stellte fest, dass die Mehrzahl von Warmblütern über eine lädierte Wirbelsäule verfüge, ohne dass dies Beschwerden hervorrufe. Ein mangelfreies Tier hielten die Richter für nicht existent (Az. 7 U 252/05). © dpa
Bricht ein Hund aus einem Auto aus und verursacht einen Schaden, muss dafür nicht der Autoversicherer sondern die Tierhalterhaftpflicht aufkommen. Dies legte das Oberlandesgericht Karlsruhe fest. Die Entscheidung beruhte auf folgendem Fall: Ein Hund hatte die elektrischen Fensterheber des Wagens betätigt, im Anschluss brach er aus dem Auto aus und biss ein Pferd. Der Hundehalter habe eine Sorgfaltspflicht verletzt, wenn es dem Hund möglich war, die Fenster zu öffnen, begründete das Gericht den Urteilsspruch (Az. 12 U 133/06). © dpa
Der Fall: Ein Fahrradfahrer stürzt, weil in der Dämmerung eine Katze seinen Weg kreuzt. Das Urteil: Anhand mehrerer vom Richter vorgelegter Fotos muss der Radler die Katze eindeutig identifizieren können. Kann er das nicht, darf er weder Schadenersatz noch Schmerzensgeld von der in Verdacht stehenden Katzenliebhaberin verlangen. Dies beschloss das Landgericht Osnabrück (Az. 2 O 33/04). © dpa
Entwendet der Hund eines Hausbesitzers das Gebiss eines Gastes aus dem Badezimmer und verbuddelt es im Garten, muss die Tierhalterhaftpflichtversicherung des Hundehalters die Prothese ersetzen. Das Landgericht Hannover entschied, dass sie dies auch muss, wenn das Gebiss trotz intensiver Suche nicht auffindbar ist (Az. 18 S 86/04). © dpa
Kommt es bei einem Zusammentreffen von mehreren Hunden zu einer Massenbalgerei und wird einer der Besitzer bei dem Versuch verletzt, die Tiere zu trennen, haften alle Hundehalter zu gleichen Teilen für den Schaden. Falls vorhanden, springt die Tierhalterhaftpflichtversicherung ein. Dabei kommt es nicht darauf an, welcher Hund den Schaden verursacht hat, so das Landgericht Mainz (Az. 3 S 8/04). © dpa
Der Besitzer eines Rauhaardackels hatte seinen Vierbeiner über eine Jagdhaftpflichtversicherung abgesichert. Die kommt nach ihren Bedingungen auch für private Haftpflichtfälle auf, wenn der Hund noch "jagdlich brauchbar" ist. So muss die Versicherung auch dann zahlen, wenn der Dackel aufgrund von Altersschwäche und einer Hinterhandlähmung nicht mehr am Jagdbetrieb teilnehmen kann. Das Landgericht Mannheim hielt es für entscheidend, dass der Hund trotz seiner altersbedingten Gebrechen noch über charakterliche Jagdeigenschaften verfüge (Az. 1 S 176/05). © dpa
Eine Klausel im Mietvertrag, nach der "die Haltung jeglicher Tiere genehmigungspflichtig" ist, braucht nicht beachtet zu werden. Denn streng genommen bedeutet sie, dass der Mieter für jeden Goldfisch im Glas, jede Eidechse im Terrarium oder jeden Kanarienvogel eine Genehmigung des Vermieters einholen müsste - wie das Amtsgericht Köln in der Urteilsbegründung ausführte. Da die gesamte Klausel unwirksam ist, gilt das Verbot nicht. Der Mieter darf deshalb jedes Tier, z. B. auch einen Hund, halten (Az. 213 C 369/96). © dpa
Spinnenliebhaber, die sich ein Terrarium mit Vogelspinnen anlegen wollen, brauchen dafür keine Genehmigung der Behörden einzuholen. „Das Gift der Vogelspinne ist nicht gefährlicher als das einer Biene“, befand das Verwaltungsgericht Ansbach (Az. 5 K 682/97). © dpa
Macht eine Frau, die ein Pferd kaufen will, vorab einen Probeausritt und stürzt schwer, kann der Eigentümer des Pferdes auch dann zu Schmerzensgeld- und Schadenersatzzahlung verpflichtet sein,wenn sich die Frau "freiwillig und mit Einverständnis des Besitzers" auf das Pferd gesetzt hat. Die Tierhalterhaftpflicht umfasst auch solche Fälle, stellte das Landgericht Itzehoe fest (Az. 3 O 262/00). © dpa

Thomas Schörner, dpa

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