Die Wachau im Herbst

Die Wachau im Herbst: Farben- und Federspiel

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Wirkt wie ein majestätischer Bewacher des Wachau-Tals: das Stift Melk.

Die Farbpalette der Wachau ist vielfältig. Mit der Farbe Gelb verbindet man zunächst die berühmte Marille und dann vielleicht auch eine Tönung des Weinlaubs oder das fahle Licht der Laternen, das die cremigen Fassaden in Szene setzt.

Seit Neuestem kann man bei Gelb nun an den Safran denken, der in dieser klimatisch begünstigten Genießerregion an der Donau seit ein paar Jahren erfolgreich rekultiviert wird.

Macht man sich im romantischen Örtchen Dürnstein auf den Welterbesteig, um die von der Unesco als Kulturerbe anerkannte Landschaft wandernd zu entdecken, steht man schon nach wenigen Schritten vor dem Schaubeet von Bernhard Kaar. Der Botaniker und Ökologe warf seinen Job im Landwirtschaftsministerium hin, um sich dem Safran zu widmen. Damit hat er eine vor über hundert Jahren in der Wachau unterbrochene Tradition wieder aufgenommen.

Hat die Safran-Tradition in der Wachau wiederbelebt: Bernhard Kaar.

„Von der Mitte des 13. bis weit ins 19. Jahrhundert wurde hier Safran angepflanzt“, erklärt Kaar. Er galt als der beste in Europa, sei dann aber in Vergessenheit geraten. „Beim Anbau orientieren wir uns an historischen Studien und verzichten etwa auf künstliche Be-wässerung“, sagt der Botaniker, der im benachbarten Stift Melk auf Schriften über den Safran gestoßen ist. Mit seiner Partnerin betreibt Kaar auch die Wachauer Safran-Manufaktur in Unterloiben bei Dürnstein. Hier findet die Trockung der Safranfäden statt, von der die Qualität abhängt. Im Oktober und November verbringt Kaar die meiste Zeit auf seinen Beeten. Er pachtet kleine Parzellen, auf denen wegen der steilen Lagen der Weinbau eingestellt worden ist. „Wo Wein wächst, gedeiht auch der Safrankrokus“, sagt Kaar. Die Ernte wird von Hand ausgeführt. Vorsichtig löst Kaar die drei orangeroten Fäden aus der Blüte – der Rohstoff für das teuerste Gewürz der Welt.

Oberhalb des Ortes Dürstein liegt die gleichnamige Festung an einem malerischen Hang. Vielleicht hat ja Richard Löwenherz, der hier im Kerker schmorte, den Safran von einem Kreuzzug mit an die Donau gebracht. Wer weiß. Sicher ist, dass es für Feinschmecker nun einen Grund mehr gibt, die Wachau zu besuchen.

Ragt über der schimmernden Wachau auf: der Dürsteiner Kirchturm.

Den Ideen der Slow-Food-Bewegung, die für das traditionelle Lebensmittelhandwerk und die Bewahrung regionaler Geschmacksvielfalt eintritt, steht Bernhard Kaar nahe. Die Herbstwanderung auf dem Welterbesteig verträgt sich gut mit dieser Philosophie. 14 Etappen führen in jeden Winkel der vom Wein geprägten Region. Städtchen wie Spitz und Weißenkirchen mit ihren Ortskernen aus Renaissance und Barock, die alten Lesehöfe, wo früher Wein gekeltert wurde und heute einige der besten Restaurants ihr stilvolles Domizil haben, sowie die vielen Heurigenlokale liefern überzeugende Argumente für genussvolle und regionaltypische Pausen.

In Herbstfarben getauchte Weinlagen, die harmonische Hügellandschaft, vom Licht verwöhnte Panoramawege, stille Waldpfade und mittendrin die gemächlich Richtung Wien strömende Donau, die hier noch in ihrem natürlichen Bett fließen kann: Kaum eine Region macht Entspannung so leicht wie die von den majestätischen Stiften Melk und Göttweig eingerahmte Wachau. Darauf stößt man gerne mit Federspiel an – den fruchtigen Weißweinen der Wachau.

Von Ulrich Traub

Information: Region Wachau

Kontakt

Donau-Niederösterreich-Tourismus, Telefon: 0043 / 2713 – 300 60 60, Internet: www.donau.com

Stichwort: Safran

Die Wachauer Safran Manufaktur liegt in Unterloiben bei Dürnstein. Erntezeit ist im Oktober und November. Es werden auch Safran-Führungen angeboten. Infos im Internet: www.crocus-austriacus.at E-Mail: info@crocus-austriacus.at

Unterkunft

Hotel Garni Weinberghof in Spitz, mit eigenem Weinbau und Heurigen; ab vier Nächten DZ mit Frühstück 82 Euro. Telefon: 0043 /2713 – 2939. Internet: www.weingut-lagler.at

Restaurants in ehemaligen Lesehöfen

Florianihof in Wösendorf, Holzapfels Prandtauerhof in Joching, Kartäuserhof in Weißenkirchen

Heurige

Über die Heurigenlokale informiert der Heurigenkalender, der beim Tourismusbüro bestellt werden kann.

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