Wandern im Altmühltal

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Der Panoramaweg durchs Altmühltal trägt seinen Namen zurecht.

Vom Teufelsfelsen zu den Zwölf Apostel - wer festes Schuhwerk besitzt und einen Rucksack kann auf dem Panoramaweg Altmühltal wandern. 210 Kilometer von der Fränkischen Alb bis zur Donau. 

Ein, zwei Schritte würden schon ausreichen. Ein kurzer Anlauf nur, dann könnten die Wanderer leicht ins Tal hinuntergleiten. Hier oben an der Jachenhausener Rampe für die Drachenflieger vereint der Altmühltal-Panoramaweg all das, was ihn auf den zehn oder elf Etappen bis zum Ziel ausmacht: Vom Teufelsfelsen aus schweift der Blick über den Main-Donau-Kanal, der die Altmühl als tagelangen windungsreichen Begleiter im letzten Drittel des Weges ablöst. Der Blick passiert den Radweg am Flussufer, weite Wacholderheiden sind zu sehen, Jurahöhen und dichte Wälder, Schlösser, Felder, Brücken und Felsformationen.

Grauer Fels und grüne Wiesen - beim Wandern an der Altmühl bieten sich solche Ausblicke regelmäßig.

Neun Tage nach den ersten Schritten in Gunzenhausen am Altmühltalsee und einen Tag vor dem Ende des Fernwanderwegs in Kelheim passiert der Pfad die Jachenhausener Rampe als Teil eines 210 Kilometer langen Wandervergnügens von der Fränkischen Alb zur Donau. Ein Geheimtipp ist der Panoramaweg zwar nicht mehr. Erst 2005 freigegeben und ein Jahr später als Qualitätsweg mit dem Gütesiegel des Deutschen Wanderverbands zertifiziert, wurde er kurz darauf bereits als “Wanderweg des Jahres“ ausgezeichnet. Aber weil sich die Nachfrage auf zehn oder elf Etappen verteilt, gibt es trotzdem Tage, an denen Wanderer den naturnahen Weg fast für sich haben. Der schmale Pfad an den Felswänden entlang oder der breite Forstweg, die schattigen Wälder und die Felder werden zur Privatsache.

Der Altmühltal-Panoramaweg führt von der Fränkischen Alb bis zur Donau.

Der Name des Panoramawegs ist zumindest auf der ersten kurzen Etappe von Gunzenhausen nach Spielberg nicht Programm: Die Altmühl zeigt sich hier nur kurz. Der Weg geht über Felder und durch kleine Waldstücke, schmale Pfade sind selten. Das Genusswandern hebt sich der Panoramaweg für spätere Tage auf, zum Auftakt gibt er Wanderern dagegen ausreichend Gelegenheit, sich an die Tücken des Gepäcks, an Rhythmus und Wetter zu gewöhnen. Vom Fuß der Burg Spielberg geht es am nächsten Tag weiter unter anderem zur Steinernen Rinne bei Wolfsbronn: Kleine Bäche entspringen dort aus Quellen mit niedriger Wassertemperatur und hohem Kalkgehalt. Dieser Kalk fällt aus, lagert sich ab, bildet einen Damm und schafft dem Bach so ein bis zu 160 Zentimeter hohes Bett. Natur pur einige Tage später auch bei den Zwölf Aposteln, einer imposanten Felsformation aus Schwammkalk in der Nähe von Eßlingen oder am Steinbruch Maxberg kurz vor Eichstätt. Der hier entdeckte versteinerte Abdruck des taubengroßen Archaepoteryx ist der einzige Fund dieses urzeitlichen Vogels in Deutschland. Während in Solnhofen der Plattenkalk weitgehend industriell abgebaut wird, können kleine und größere Hobby-Archäologen am Steinbruch von Blumenberg vor den Toren von Eichstätt noch selbst fündig werden. Im Schatten eines gewaltigen Dinosauriermodells schaufelt, bricht und schlägt, buddelt und putzt Jung und Alt nach wie vor mit der Hoffnung auf den großen Fund im Plattenkalk. Hammer und Meißel für die Suche nach den Geheimnissen eines vergangenen Zeitalters gibt es am Kiosk.

Die Altmühl im Blick: Den Qualitätswanderweg entlang des Flusses gibt es seit fünf Jahren.

Eichstätt mit der Willibaldsburg und der Fürstbischöflichen Residenz ist das kulturhistorische Aushängeschild des Wegs. Mitten in der Stadt verabschiedet sich die Bahnstrecke durch das Tal - zum Glück, denn sie begleitet die ersten Etappen auf dem Wanderweg oft lautstark und wenig romantisch. Spuren des Limes, der Nordgrenze des Römischen Reiches, sind nahe Arnsberg zu sehen. Im bildschönen Beilngries mit seiner Stadtmauer, etlichen Fachwerkhäusern und bewohnten Wachtürmen lohnt sich eine Übernachtung.

Der Weg streift dort erstmals den Main-Donau-Kanal. Er nimmt die naturbelassene Altmühl später bei Dietfurt auf und zieht am Schloss Eggersberg vorbei nach Riedenburg und Prunn. Über die längste Holzbrücke Europas erreicht der Wanderer dort die Überreste eines keltischen Ringwalls. Kilometerlang folgt der Pfad dem mehr als 2000 Jahre alten Keltenbollwerk, bis das Gelände steil abbricht: Die “Weltenburger Enge“ ist erreicht, die Stelle, an der die Donau den Fels durchbricht. Die abschließenden Kilometer in die ehemalige Wittelsbacher Residenz Kelheim mögen dem Puristen gefallen. Der Genusswanderer zieht den Abschluss im Garten der Klosterbrauerei vor. Romantisch setzt ein kleiner Kahn aufs andere Donauufer hinüber.

Die Etappen auf dem Panoramaweg sind keine Herausforderung für Konditionsbolzen. Aber sie sind ein Vergnügen für Wanderer mit festen Schuhen, einem mittelgroßen Rucksack und einem Gespür für den Blick, die Geschichte von Franken, Römern und Bajuwaren, für die Natur - und die Küche. Ob im quirligen Thermen-Städtchen Treuchtlingen oder im verträumten Pappenheim, der Heimat von Wallensteins schlagkräftiger Truppe, ob später in Eichstätt, in der Drei-Burgen-Stadt Riedenburg oder in Kelheim - immer wieder belohnt die Speisekarte zumindest den Nicht-Vegetarier für die Anstrengung des Tages. Mit Etappen zwischen 12 und etwas mehr als 25 Kilometern sollte der Weg in bequemen Tagesabschnitten zu schaffen sein.

Die beste Aussicht

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Weit ins Land schauen und den Blick schweifen lassen - überall in Deutschland gibt es diese Orte. Aussichtspunkte, wie hier am Niederrheindenkmal bei Rüdesheim. © dpa
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Panormablick der besonderen Art: Der Aussichtspunkt am ehemalige Tagebau Meuro. Viktoriahöhe an den IBA-Terrassen im südbrandenburgischen Großräschen. © dpa
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Auf der osthessischen Wasserkuppe (950 Meter) können Besucher um die stillgelegte Radarkuppel aus Zeiten des Kalten Kriegs entlang spazieren. © dpa
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Zwischen Kaub und Koblenz belohnt der Blick auf den Rhein den Wanderer für seinen mühsamen Aufstieg. © dpa
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Der Gasometer in Berlin ist begehbar. Nach 456 Stufen können Schwindelfreie den Blick auf die Haupstadt genießen. © dpa
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Herkules nennt sich dieser Punkt in Kassel. Hinfahren und dann selbst einen Blick auf Schloss Wilhelmshöhe und die Stadt werfen. © dpa
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Nach sieben Kilometer und 400 Höhenmeter konnte Bundespräsident Köhler die Landschaft der sächsischen Schweiz bei Bad Schandau und das Elbtal bewundern.  © dpa
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Das 38 Meter hohe Osephskreuz auf dem Auersberg im Südharz wurde 1896 nach den Plänen von Schinkel errichtet. © dpa
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Kriminelle Vergangenheit: Auf der Höhe bei Beerfelden (Odenwaldkreis) steht Deutschlands größter und besterhaltener Galgen. © dpa
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In Hitzacker schauen Ausflügler auf die historische Altstadt und auf die unberührte Natur der Elbuferlandschaft. © dpa
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Aussichtsturm auf dem Gipfelplateau vom Großen Feldberg im Taunus. © dpa
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Bausstellen-Fans können auf dem 32 Meter hohen BBI-Infotower das Entstehen des zukünfigen Berlin-Brandenburg-Airport in Schönefeld beobachten. © dpa
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Blick auf die Wolken und mehr bietet der Aussichtsturm im Wetterpark Offenbach. © dpa
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Der Preußische Vermerstot (486 Meter) ist die höchte Kuppe in der Region. © dpa
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Bodensee mit Alpenpanorama: Diese Aussicht bietet der Turm am Hafen in Friedrichhafen. © dpa
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Einen Blick auf den Maschsee bekommen Sommerfrischler vom Rathaus-Turm in Hannover. © dpa
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Der Zittauer Turm liegt im östlichsten Teil Deutschland, nahe der Polnischen Grenze. © dpa
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40 Meter hoch ist der Aussichtsturm im Höhenpark auf dem Stuttgarter Killesberg.  © dpa
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Der Kölner Dom ist mit 157,38 m Höhe nach dem Ulmer Münster das zweithöchste Kirchengebäude Europas sowie das dritthöchste der Welt. © dpa
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Der Hamburger Fernsehturm oder Tele-Michel ist seit 2001 leider geschlossen. © dpa
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Der Leuchturm von Hiddensee steht seit 1888 auf dem 72 Meter hohen Bakenberg im Kloster-Hochland. 102 Stufen führen Wanderer auf die Aussichtsplattform in 20 Meter Höhe.  © dpa
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Der Turm des Konstanzer Münster ist 78 Meter hoch. Besucher können bis auf 52 Meter aufsteigen. © dpa
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Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz. (368 Meter hoch) © dpa
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Der südliche Turm vom Münchner Dom ist für Besucher zugänglich. Beim Aufstieg kommt man an den sieben Glocken vorbei; drei weitere Glocken hängen im Nordturm. © dpa
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Der Panoramablick von der 200 Meter hoch gelegenen Aussichtsterrasse des Maintower gilt als ein Höhepunkt für jeden Frankfurtbesuch. © dpa
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Von der 90 Meter hohen Aussichtsplattform des Völkerschlachtdenkmals kann man bei guter Sicht die Stadt Leipzig und das angrenzende Umland überblicken. © dpa
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358 Stufen führen von der Donau hinauf zur Walhalla. Die Ruhmeshalle gilt als das Hauptwerk aller Kunstschöpfungen des bayerischen König Ludwig I. (1825-1848). © dpa

Ehrgeizigere Sportler meistern ein größeres Pensum. Genusswanderer können vor allem bei schlechtem Wetter an mehreren Stellen hinter Eichstätt auf den “FreizeitBus“ oder die Bahn ausweichen. Zwischen Ende April und Mitte Oktober verkehren auf dem Main-Donau-Kanal zwischen Dietfurt und Kelheim auch Linienschiffe. Gefällt eine bestimmte Region besonders gut, laden “Schlaufenwege“ abseits der Hauptroute zu Halbtages- oder Tagestouren ein. Der gesamte Weg ist gut markiert mit einem gelb-roten Logo auf den angenagelten oder aufgemalten Schildchen. Möglichkeiten zum Übernachten gibt es viele, auch weil das Altmühltal bei Radfahrern sehr beliebt ist. Aber Achtung: An Wochenenden und in der Saison können die Betten knapp werden.

Martin Oversohl, dpa

REISE-INFOS ZUM ALTMÜHLTAL

NATURPARK ALTMÜHLTAL: www.naturpark-altmuehltal.de

WANDERN IM ALTMÜHLTAL:www.fernwege.de/d/altmuehltal/index.html 

MEHR ÜBER DAS ALTMÜHLTAL: www.altmuehltal.de

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