Unterwegs im Tharandter Wald – eines der schönsten Wandergebiete Sachsens

Wandern auf dem Holzweg

Zwei Sehenswürdigkeiten auf einen Blick: Die Burgruine und die Kirche von Tharandt. Fotos: tmn

Mama, wie klingt eigentlich der Wald? Diese Frage wird Kindern auf dem Sinnespfad im Tharandter Wald in Sachsen beantwortet. Dort können sie mit ihren Eltern unter anderem auf Klanghölzern und einer Stammtrommel den Wald zum Klingen bringen. Und das ist nur eine von vielen Attraktionen in dem rund 6000 Hektar großen Waldgebiet vor den Toren von Dresden. Mehr als 190 Kilometer gut ausgeschilderte Wanderwege erwarten Besucher dort.

Ziel mit Tradition

Der Tharandter Wald ist ein Ausflugsziel mit langer Tradition: Schon Kurfürst August von Sachsen ließ dort von 1554 bis 1558 eine Jagdhausanlage bauen. In der Natur, so die Hoffnung des Monarchen, würden seine Grillen, also Kummer und Sorgen, schnell verfliegen. Ob er damit Erfolg hatte, ist nicht überliefert. Immerhin trägt der um die Burg entstandene kleine Ort bis heute den Namen Grillenburg, und er ist noch immer völlig vom Wald umgeben. Später, unter der Regentschaft von Kurfürst August dem Starken, wurde das Anwesen in ein kleines Jagdschloss umgebaut.

Von seiner damaligen Bausubstanz ist nur wenig erhalten geblieben. Eine Sandsteinbrücke führt immer noch über den Gondelteich und lässt erahnen, dass die Anlage einst ein romantisches Plätzchen gewesen sein muss. Das Schloss wird derzeit renoviert und soll später die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt beherbergen.

Die Gegend rundherum lässt sich auf mehreren Walderlebnispfaden erkunden. Neben dem Sinnespfad gehört dazu auch ein Abenteuerpfad. Er verläuft ohne große Steigungen im Tal der Triebisch. Unterwegs erwartet Wanderer zum Beispiel eine „Schatzinsel“ mit Skulpturen und ein Baumstamm zum Balancieren.

Modell nachhaltiger Holzwirtschaft

Wer will, kann sich auch auf den Holzweg begeben. Er macht mit Holzsorten und ihren Eigenschaften vertraut und zeigt, wie vielfältig dieser nachwachsende Rohstoff verwendbar ist. Weil für den Bergbau, die Holzkohlegewinnung und die Residenzstadt Dresden viel Holz gebraucht wurde, war der Tharandter Wald um 1800 stark heruntergewirtschaftet.

Aus der Holznot heraus entwickelte sich das Waldgebiet geradezu zum Modellfall einer nachhaltigen Forstwirtschaft. Nimm nur so viel von der Natur, wie sie auch wieder alleine herstellt, war die Maxime von Johann Heinrich Cotta, der 1811 seine private Lehranstalt nach Tharandt verlegte. Sie wurde im Jahr 1816 zur Königlich-Sächsischen Forstakademie erhoben und ist nach St. Petersburg (1808 gegründet) die zweitälteste Forstakademie der Welt.

Seither haben über 8500 Absolventen die Einrichtung verlassen und die wegweisenden Ideen von nachhaltiger Waldbewirtschaftung in alle Teile der Welt getragen. Heute gehört die Fachrichtung Forstwissenschaften zur Technischen Universität Dresden, hat ihren Sitz aber nach wie vor direkt am Lehrobjekt, dem Forstbotanischen Garten in Tharandt.

Über 1990 Gehölze im Forstbotanischen Garten

Dieser Park wurde ebenfalls 1811 von Cotta gegründet, der als Vater der Deutschen Forstwissenschaft gilt. Die seitdem mehrfach vergrößerte Anlage umfasst heute rund 34 Hektar und ist öffentlich zugänglich. Über 1990 Gehölze sind zu sehen, 240 Arten sind in Mitteleuropa heimisch. Wer mehr über die Geschichte der Forstwissenschaften erfahren will, kann einen entsprechenden Lehrpfad entlangwandern. (tmn)

Von Detlef Berg

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