Eine Hamburger Zeitreise – von der Speicherstadt über die Hafencity ans Elbufer

Nah am Wasser gebaut

G Alt und neu: Im neuen Stadtviertel Hafencity liegen alte Segelschiffe im Museumshafen. Die Elbphilharmonie (im Hintergrund) droht wegen Verzögerungen, Streitigkeiten und Kostenexplosion vom Vorzeigeobjekt zum Skandalbau zu werden. E Auch echte Speicher gibt es noch: In der Speicherstadt sind neben den traditionsreichen Handelskontoren heute auch Büros, Restaurants, Museen und Galerien zu finden. Fotos: Schiller

Später Vormittag im ältesten Teil von Hamburg direkt gegenüber der Speicherstadt. Im Restaurant Schoppenhauer genießen Kaufleute aus den benachbarten Reedereikontoren und Hafenarbeiter, Werber, Designer und Medienleute ihre Pause. „Fofftein“ heißt so eine kleine Auszeit an der Wasserkante von Hamburg: Ein Kaffee und ein kleiner Klönschnack gehören immer dazu.

Hundert Meter und ein paar Schritte nach Südwesten: Pickhuben 9. Das ist die Adresse von Hälssen & Lyon, einer Teefirma, die 1888 als erster Mieter in die gerade fertiggestellte Speicherstadt gezogen ist. Und noch immer wird hier Tee gehandelt und verkostet. Nebenan, bei Djavad Nobari am Brook 7, lädt ein Lastwagen aus dem Iran nach 7000 Kilometern Fahrt ein paar hundert Ballen feinster Teppiche ab.

Schmugglergeschichten

Bis 2004, über hundert Jahre lang, war die Speicherstadt ein großes zollfreies Lager – finanztechnisch also Ausland. Die Ware konnte auf den Böden, so heißen hier die Etagen, getrocknet, veredelt, gezählt und vermessen werden, ohne dass Zoll dafür bezahlt werden musste. Erst wenn die Kolonialwaren aus Übersee, Kaffee, Kakao, Gewürze, ins Binnenland verschifft oder verschickt wurden, fiel Zoll an. Das brachte manchen braven Arbeiter, Seemann oder Spediteur auf kreative Schmuggelideen. Die überraschendsten sind im Zollmuseum zu bestaunen.

Heute ist die Speicherstadt eine Mischung aus traditionellem Lagerbetrieb, supermodernen Büros, Galerien, Ateliers und spannenden Museen geworden. Zum Beispiel das Spicy‘s, ein Gewürzmuseum, das Maritime Museum, das Speicherstadtmuseum, das an die Arbeitswelt im Hafen von einst erinnert, und das Miniaturwunderland mit der größten Modelleisenbahn der Welt.

Zukunftsweisend

Nur ein paar Meter weiter, in der neuen Hafencity, hat die Zukunft längst begonnen: Großfirmen wie Unilever oder der Spiegel-Verlag prägen mit herausragenden Gebäuden das Quartier. Auf 157 Hektar entsteht hier Europas größtes innerstädtisches Entwicklungsprogramm – mit 6000 Wohnungen und fast 50 000 neuen Arbeitsplätzen, mit Parks, Geschäften und Promenaden. Nur die neue Elbphilharmonie, das einzigartige Konzertgebäude auf einem Hafenspeicher, kommt nicht voran.

Die Hafencity ist Magnet für Architekten aus aller Welt, aber auch Treffpunkt von hanseatischen Feinschmeckern und ihren Gästen: Von der Austernbar im Kaispeicher B über den populären Chilli Club an den Magellan-Terrassen bis hin zu Carls Brasserie am Kaiserkai und dem noblen Vlet am Sandtorkai kann vielfältig geschlemmt werden – Schiffe gucken inklusive.

Diese Option gilt auch für die eher rustikalen Kneipen und Restaurants rund um den Fischmarkt. Wie seit über 300 Jahren ist er noch immer Magnet für Touristen und Nachtschwärmer am Sonntagmorgen nach einer durchgefeierten Nacht. Tagsüber schnacken und schreien dort Aale-Dieter, Bananen-Fred und der Tulpenholländer um die Wette. Und wer abends einen Bummel über die Reeperbahn eingeplant hat, sollte sich zuvor im quirligen Portugiesenviertel unterhalb von St. Michaelis die stabile kulinarische Grundlage für eine lange Nacht auf dem Kiez holen.

Von Bernd Schiller

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