Die Inselgruppe der Seychellen hat sich ihren ursprünglichen Charme und ihre Geheimnisse bewahrt

Die Wasserwelt duftet nach Zimt

Typisch: Türkisfarbenes Meer und Granitfelsen prägen auch den Strand Anse Intendance auf der Insel Mahé mit dem Banyan Tree Resort im Hintergrund. Foto: nh

Als Daniel Jessy aus dem Augenwinkel etwas Winziges hüpfen sieht, ist seine Chefin dem Geheimnis der Seychellen wieder ein Stückchen näher gekommen. Ihr Waldarbeiter hat im Kokospalmenhain einen bisher unbekannten Frosch entdeckt. Für Frauke Fleischer-Dogley, Leiterin der Seychelles Islands Foundation, ein neuer Beweis für die Einzigartigkeit der Inselpopulation.

Draußen im Indischen Ozean – inmitten des tiefen Blaus aus Meer und Himmel – liegt das Archipel: 115 Inseln aus Granit und Koralle. Viele Pflanzen und Tiere gibt es nur dort. Vor allem einen Baum, der seit Jahrhunderten für große Augen sorgt: Die Coco de Mer. Die Kokospalmenart ist begehrt für ihre Samen, deren Form an das weibliche Becken erinnert. Die XL-Kugeln können 17 Kilo wiegen. Und sind so selten, dass die Unesco ihr Wachstumszentrum, das Vallée de Mai auf der Insel Praslin, zum Weltnaturerbe erklärt hat. Besucher können auf einem Wanderpfad das Dickicht aus Palmwedeln erkunden.

„Nimm die Geschwindigkeit raus“, steht auf den Verkehrsschildern – und das könnte das Motto für Urlauber sein, die den Tropenzauber entdecken wollen. Wenn vor Sonnenaufgang am Strand Anse Intendance der Himmel pastellig mit dem weißen Sand verschwimmt, wirken die korallenfarbenen Hibiskusblüten am Ufer wie Wecksignale. Auf den Seychellen verschmelzen afrikanische, indische und europäische Kulturen. Wie in der Hauptstadt Victoria. Auf dem Markt kann man sich mit Zimtrinde versorgen, Kokosöl kaufen und dem rastabezopften Mangohändler zusehen, der zu dröhnender Reggae-Musik hinter seinem Stand tanzt. Um 17 Uhr ist das öffentliche Leben vorbei – alle streben an die Strände.

Traumstrände und Tropenzauber

Dass dort, an den Traumstränden der Seychellen, die Bacardi-Werbung gedreht wurde, wundert nicht. Die Inseln sind Bilderbuchschönheiten. Ihre sandigen Küstenlinien sind so leer, dass Schildkröten dort brüten. Doch der Tropenzauber vertieft sich erst im genauen Schauen und Spüren. Das kann man von Maler Michael Adams lernen, der in seinen Bildern winzige Details aufgeschossener Bambushölzer aufpinselt, den Mikrokosmos seines Blicks zum Makrokosmos des Lebens erweitert. Für den 74-Jährigen sind die Seychellen das Zentrum der Wasserwelt. Sie blieben übrig, als der Urkontinent Gondwana auseinanderbrach und die heutigen Kontinente entstanden. Ein mythischer, urzeitlicher Ort. Und längst nicht von Touristen überrannt.

Wer auf der charmanten Miniinsel La Digue mit der kleinen Fähre ankommt, mietet ein Fahrrad und radelt auf Sandpisten zum berühmten Strand Anse Source d’Argent. Der sieht aus, wie Fototapetendesigner es sich wünschen. Bronzefarbene Granitfelsen liegen halb im seichten Wasser, ein Verkäufer bietet frisch aufgeschlagene Kokosnüsse feil. Im kleinen Strandcafé grillt man mittags einen Fisch zu scharfem Papayasalat.

Und es ist wenig los. Die Touristen sind wichtige Einnahmequelle, aber die Lufthoheit haben sie nicht. Es gibt keinerlei Massenabfertigung. Familiäre Gästehäuser und elegante Resorts dominieren nie die ursprüngliche Schönheit dieses Zentrums der Wasserwelt.

Von Bettina Fraschke

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