Unterwegs auf dem Panoramawanderweg „Liebliches Taubertal“ bei Rothenburg ob der Tauber

Wein, Wald und wandern

Mittelalterliches Stadtbild: Rothenburg ob der Tauber – dort beginnt der Panoramawanderweg.

Die Ewings aus Dallas kommen seltener. Auch die Tanakas aus Japan müssen sparen und kommen nicht mehr so oft. Herr Wang aus dem Reich der Mitte radelt lieber mit seinem neuen E-Bike durch Peking statt im ganzjährig verschneiten Weihnachtsdorf von Käthe Wohlfahrt in Rothenburg ob der Tauber ein paar Euro für Nussknacker oder Räuchermännchen in Lederhose zu investieren. Für ein Stück „Good old Germany“ aus Holz.

Werben um Touristen

Darum wirbt das mittelalterliche Städtchen wieder stärker um deutsche Touristen. Zwischen Patrizierhäusern, Wehrgängen, Türmen und Bastionen beginnt die mehrtägige Wanderung durchs „liebliche Taubertal“.

Die Tauber ist ein Nebenfluss des Mains. Dorthinein mündet sie, nachdem sie sich 130 Kilometer durch Bayern und Baden-Württemberg geschlängelt hat. Und da die grünen Hänge, dichten Wälder und üppigen Weinberge, die den Fluss einrahmen, nur maximal 400 Meter hoch sind, erhielt das Tal die Bezeichnung „lieblich“.

Durchs Burgtor geht es steil bergab zur Tauber. Vorbei an alten Wassermühlen und durch schattigen Wald verläuft die erste Route auf Tilman Riemenschneiders Spuren zunächst nach Detwang. Dort können Kunstinteressierte in der St. Peter-und-Paul-Kirche einen seiner geschnitzten Altäre bestaunen. Später in der Herrgottskirche in Creglingen einen weiteren, den Marienaltar. Die Tagesetappen sind 15 bis 25 Kilometer lang, sodass die gesamte Strecke von Rothenburg bis Wertheim in sechs Tagen zu bewältigen ist.

Die Tauber selbst bekommt der Wanderer eher selten zu sehen. Der Weg führt meist durch Wiesen, Felder, Weinberge und über bewaldete Höhenrücken mit weiten Ausblicken ins Tal. Jede Wanderung endet in einer Kleinstadt, so dass nach einigen Stunden Natur auch die Kultur nicht zu kurz kommt.

Ohne große Höhenunterschiede bewältigen zu müssen, erreicht man am nächsten Mittag Tauberrettersheim. Weikersheim mit dem gleichnamigen Schloss und Bad Mergentheim mit dem Deutschordensmuseum sind weitere Etappenziele. Unterhalb der Gamburg beginnt der letzte Streckenabschnitt. Er geht direkt am Kloster Bronnbach, einer ehemaligen Zisterzienserabtei, vorbei.

Das Endziel schon fast vor Augen, lohnt in Reicholzheim ein Abstecher zum Tauberfränkischen Bocksbeutelkeller. „Auf Muschelkalkböden werden im badischen Teil Frankens die klassischen Weißweinsorten Silvaner, Müller-Thurgau, Riesling, Bacchus und Scheurebe angebaut“, berichtet Kellermeister Joachim Krumrey während einer Weinprobe.

Burg Wertheim

Nach einer weiteren Stunde lugt die Ruine der Burg Wertheim durch die Bäume hervor. Drei Amerikanerinnen in Flipflops kommen prustend entgegen. Sie wollen nicht wandern, nur auf die Burg. Einen Blick auf „Good old Germany“ von oben werfen. Und auf die Tauber, die tief unten ihr Tal verlässt und mit dem Main verschmilzt.

Von Dagmar Krappe

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