In der Nähe von Regensburg liegt, versteckt an der Donau, eines der kleinsten Weinbaugebiete Deutschlands

Weingenuss im Biertrinkerland

Wer denkt schon an Wein, wenn von der Oberpfalz die Rede ist. Gersten- statt Rebsaft verbindet man mit dieser Region. Doch in einem kleinen Winkel stemmt man sich gegen die Vormacht des Bieres. Vor den Toren Regensburgs kann der Weinfreund eines der ältesten Anbaugebiete entdecken. Eines, das von sich behauptet, das kleinste im Land zu sein.

„Groß ist beim Regensburger Landwein nur die Vergangenheit“, weiß Theodor Häuß-ler. Der Weinkenner und Autor führt aus, dass es keine Winzergenossenschaften, keine Flurbereinigung und noch nicht einmal eine Weinkönigin gebe. „Dafür kennen wir aber auch keine Absatzproble-me.“ Der Baierwein, so die alte Bezeichnung, wird ausschließlich in seiner Heimat getrunken. In den Weinstuben in den Winzerdörfern Bach und Kruckenberg, die direkt am Donau-Radweg liegen, kann man den herben und trockenen Tropfen probieren.

Der Regensburger Landwein hat eine lange, wechselhafte Geschichte. „Heute sind wir froh, dass er wieder neue Freunde findet“, verrät Häußler. Urkundlich erwähnt wurde der Baierwein erstmalig im Jahr 1271. Am Hof in München war er lange erste Wahl. Klimatische Veränderungen und zunehmende Konkurrenz sorgten dafür, dass die Anbaufläche kontinuierlich zurückgegangen ist.

Heute wird mit steigender Tendenz auf rund vier Hektar – meist steile Lagen, in denen von Hand geerntet werden muss – vorrangig Müller-Thurgau angebaut. Theodor Häußler resümiert: „Es ist dem Durchhaltewillen von wenigen Winzern zu verdanken, dass bei uns die Weinkultur wieder lebendig ist.“

Die Weinberge verstecken sich geradezu an den bewaldeten Hügeln. Wer auf einem Ausflugsboot auf der Donau von Regensburg bis Bach schippert oder am Fluss entlang radelt, muss schon sehr genau hinschauen, um die Rebstöcke zu entdecken. Gegen den Hingucker der expo-niert liegenden Walhalla hat der Wein wenig Chancen. Auch an der Stelle, wo sich seit 1842 die strahlend weiße Ruhmeshalle erhebt, wuchs früher der Wein.

Nur wenige Minuten sind es von dort mit dem Rad zum Baierwein-Museum, das in einem Presshaus aus dem 14. Jahrhundert seine Sammlung zeigt. Das Museum liegt am Fuße eines eigenen Weinbergs. „Wir experimentieren auch mit neuen Sorten“, erzählt Hobbywinzer Häußler. „Die Qualitätsbemühungen haben zu Ergebnissen ge-führt, zu denen der Begriff Landwein oft nicht recht passen will.“

Eine Brotzeit schmeckt auch mit Weinbegleitung – entweder am Museum, wo man inmitten der Reben rastet, oder auf einer Terrasse eines rustikalen Weinlokals mit Blick über die Donau. Danach bricht man zu einem Uferspaziergang auf oder radelt auf der so genannten Weinroute durch die stillen Nachbardörfer zum Schloss Wörth.

Zurück in Regensburg wird man beim Bummel durch die Gassen der Altstadt kaum noch mit der Vergangenheit als Weinstadt konfrontiert. Nur der Name der Donaupro-menade unweit der berühmten Steinernen Brücke, der Weinlände, zeigt an, dass hier einst Weinfässer verladen wurden. Und die nahe Weingasse verrät, über welchen Weg der Wein in die Stadt gekommen ist. Aber seit 1993 hat Regensburg wieder einen eigenen Weinberg – und der liegt passend im Ortsteil Winzer.

Von Ulrich Traub

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