Moorbäder, Hormon-Yoga und Meditationswanderungen: In Bad Kohlgrub hat das Handy Sendepause

Wellness für gestresste Frauen

Heilend und entspannend: Das „Schwarze Gold“ wird in Bad Kohlgrub im Rahmen einer Moortherapie als Moorbad oder Moorpackung verabreicht. Foto: TV Wagner/ Repro Beautemps

Manchmal geht es auch ohne Männer. Beim neuen Wellprogramm „Balance für mich“ im bayerischen Bad Kohlgrub haben die Herren der Schöpfung nichts zu suchen. Das Angebot richtet sich an Frauen, die vom Alltagsstress abschalten und sich auf den eigenen Körper und Geist konzentrieren wollen. Kohlgrub in den Ammergauer Alpen ist ein perfekter Ort für dieses Vorhaben. Hier lenkt nichts ab, keine schicken Shops und das Nachtleben erst recht nicht – beides gibt’s in dem beschaulichen Kurbad nicht.

Am Anfang steht das Moorbad – sowohl für uns, sechs Frauen im Alter zwischen 40 und 50, als auch für Kohlgrubs Karriere als Kurort. Moor ist ausgesprochen vielseitig. Es soll bei unerfülltem Kinderwunsch helfen und später dann gestresste Mütter entspannen. Unsere Gruppe hat die Pubertät ihrer Kinder glücklich überstanden und hofft auf Entspannung im wohlig warmen Moor, das aussieht wie geschmolzene Zartbitterschokolade, aber wahrscheinlich nicht so schmeckt.

Eine spezielle Art des Hatha-Yoga

Ein weiterer Programmpunkt nennt sich Hormon-Yoga. Diese spezielle Art des Hatha-Yoga soll die Hormonproduktion anregen und ist für Frauen vor oder in den Wechseljahren gedacht. Trainerin Agnes (43) begreift diese Zeit des Umbruchs als Chance zum Neuanfang. Jammerschade nur, dass ausgerechnet als Agnes mit sanfter Stimme die Wellen der Schönheit heraufbeschwört, ein Handy bimmelt. „Macht nichts. Ist wahrscheinlich eh’ zu spät mit der Schönheit“, kommentiert eine Teilnehmerin mit neu gewonnener Gelassenheit.

Beim Coaching am folgenden Morgen spricht Psychotherapeutin Brigitte Ilibagisa-Krüger zunächst vom „hamsterradeln“ und von Burn-Out, das gute Chancen hat, zur Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts aufzusteigen. All’ das hat man schon mal gehört. Beim Rollenspiel wird’s dann spannend. Wie vertrete ich meine Interessen am Arbeitsplatz? Eine von uns macht den Chef, die andere probiert verschiedene Varianten aus, eine Gehaltserhöhung durchzusetzen – zuerst noch zaghaft, dann forscher und zum Schluss auf die diplomatische Art.

Wanderung zu Kraftorten

Danach geht es an die frische Luft: Mit Norbert Parucha (58), nach Piet, der das Moorbad vorbereitet hat, der zweite Mann beim Frauen-Wellness, wandern wir später auf dem „Meditationsweg Ammergauer Alpen“. Insgesamt ist der Weg 85 Kilometer lang, er führt zu 15 Stationen, darunter Kirchen und Kraftplätze. Uns reichen die 13 Kilometer von Bad Kohlgrub nach Oberammergau. Und natürlich geht’s nicht ums Wandern allein. Sondern darum, die innere Ruhe zu finden. „Nehmt die Dinge einfach mal bewusst wahr, den Baum zum Beispiel. Denkt nicht ständig daran, was ihr nächste Woche erledigen müsst!“ Zwischendurch zitiert der Wanderführer Sinnsprüche von Laotse und ein Gedicht von Rilke. Oder er fordert zu bewusstem Schweigen auf – was einer Frauengruppe naturgemäß schwer fällt.

„Lebt im Hier und Jetzt“, gibt uns Norbert mit auf den Weg. Eine Botschaft, die hoffentlich nicht verstummt, sobald man das nächste Mal die Mailbox abhört.

Von Gabriele Beautemps

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