Wellness im Test

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Getestet und für gut befunden: Eine Wellnessbehandlung in einem ausgezeichneten Hotel lässt den Stress des Alltags verschwinden.

In unserer hektischen Zeit ist es wichtig, sich hin und wieder etwas Gutes zu tun. Das Zauberwort heißt Wellness. Für den neuen Relax Guide wurden Hotels in Deutschland getestet.

In dem Buch steht, wie man ein gutes Angebot von Augenwischerei unterscheiden kann.

Vor ein paar Jahren hat sich kein Wellnesshotel getraut, eine Kneippsche Bürstenmassage anzubieten. Wer etwas auf sich hielt, ging mit fernöstlichem Brimborium oder möglichst ausgefallenen Behandlungsmethoden auf Kundenfang. Heute sind dagegen die altbewährten Methoden des Priesters und Hydrotherapeuten wieder im Kommen, sagt Christian Werner.

Definition & Kriterien

WELLNESS: „Ohne Arzt“ – es gibt ein ganzheitliches Gesundheitskonzept ohne ärztliche Betreuung.

GESUNDHEITSHOTEL: „Arzt für Gesunde“ – die Leistungen richten sich an Gesunde und reichen von Prävention über medizinische Check-ups bis zur Therapie von Stressfolgen unter ärztlicher Aufsicht. Typische Beispiele: Mayr-Kur, Heilfasten, Ayurveda, Traditionelle chinesische Medizin (TCM).

KUR: „Arzt für chronisch Kranke“ – Dies ist ein normalerweise (mindestens) dreiwöchiger Aufenthalt für Kranke mit professioneller Diagnostik und ärztlich überwachten Therapieabläufen.

BEAUTY: Eine echte Schönheitsfarm erkennt man daran, dass alle Gäste nur zu Schönheitsbehandlungen anwesend sind und meist nur Wochenarrangements angeboten werden.

BEWERTUNG: Punkte vergeben die Tester vom Relax Guide für ruhige Lage (möglichst am Ortsrand und mit Fernblick), Sauberkeit des Hauses, Freundlichkeit der Mitarbeiter, gehobene Küche, kompetente Therapien, zeitgemäße Zimmer, kein Bus- oder Tagungstourismus, angenehme Frühstückszeiten, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

AUSSTATTUNG: Ein gutes Wellnesshotel sollte über Folgendes verfügen: Spa-Fläche von rund 30 Quadratmetern pro Zimmer, Freibecken, Hallenbad, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessgeräte, Ruheliegen (mind. 30 Prozent der Zimmeranzahl).

Er hat gerade die zehnte Auflage des „Relax Guide Deutschland 2011“ vorgestellt, des nach eigenen Angaben einzigen kritischen und unabhängigen Wellness Guides. „Die Gäste kommen zu den alten Methoden zurück“, sagt der Herausgeber, „es gibt quasi einen Rollback zu den guten Sachen.“ Die von ihm als „Nonsens-Behandlung“ bezeichneten Angebote, die keinen therapeutischen Effekt haben, aber die in den letzten Jahren immer kuriosere Blüten trieben und in Extremen wie Hautbehandlung mit Gold gipfelten, seien nicht mehr gefragt. „Das hat seinen Zenit überschritten.“ Nicht Augenwischerei zählt, sondern Qualität.

Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse nach der Auswertung der Testberichte von 1327 Hotels in Deutschland. Aber auch wenn das Niveau steigt, gibt es für Christian Werner und seine 35 Hoteltester noch viel zu bemängeln. So wird beispielsweise moniert, dass es in den deutschen Wellnesshotels viel zu wenig Liegen im Ruhebereich gibt: Im Schnitt müssen sich 15 Gäste ein Exem­plar teilen – das dann noch obendrein meist in Durchgangszonen oder im Hallenbad steht.
Wenig Gefallen fanden die Tester auch an der Preisentwicklung, die Senkung der Mehrwertsteuer komme nicht bei den Gästen an. „Die Preise sind gegenüber dem Vorjahr um 2,1 Prozent gestiegen“, sagt Christian Werner, „der gegenwärtige Preisschub zählt sogar zu den stärksten der letzten Jahre.“ Und zu bemängeln hatten die Tester auch so manchen Etikettenschwindel. Christian Werner nennt als Beispiel Medical Wellness – der neue große Trend im Gesundheitstourismus, wie vollmundig in Hotelprospekten behauptet werde.

In der Mehrzahl der Fälle fehle jedoch vor Ort das „Medical“, kritisiert Christian Werner im Relax Guide: „Es gibt dort keinen Arzt.“ Statt dessen werden gerade in solchen Häusern überdurchschnittlich oft Nonsens-Treatments wie „Schoko-Therapie“ angeboten. Rückschluss auf die Qualität des Hauses lasse auch die Motivation und Qualifikation des Personals zu. „Schlechte Massagen sind ein Indiz für schlechtes Management“, sagt Christian Werner. Er habe sogar Hotels erlebt, in denen eine angelernte Kosmetikerin und nicht eine ausgebildete Fachkraft mit diesen Aufgaben betraut wurde.

Schwerpunktthema in der Jubiläumsausgabe des Buches ist Ayurveda. Die Nachfrage nach dieser ganzheitlichen Entgiftungs- und Entschlackungsbehandlung hat in den letzten Jahren stark zugenommen und viele Menschen reisen extra nach Indien, um sich mit Originalmethoden im Stammland behandeln zu lassen. Die Tester vom Relax Guide haben darum 21 auf Ayurveda spezialisierte Kurhäuser in ganz Europa unter die Lupe genommen. Das Fazit: „Die Leistungen der Ayurvedazentren in Europa stehen jenen von Indien in nichts nach.“

Wellnessexperte Christian Werner

Generell, so Christian Werner, werde in Europa in einigen Häusern sogar mit mehr Seriosität als im Ursprungsland gearbeitet. Ein luxuriöses Ambiente oder ein hoher Preis seien aber noch lange keine Garantie für einen rundum perfekten Aufenthalt. Auch in Sachen Preis wurden erhebliche Unterschiede festgestellt: Für zehntägige Panchakarmakuren wurden Preise von rund 1500 und bis zu 3500 Euro verlangt. Da bleibt so mancher bei Altbewährtem und wählt vielleicht doch lieber die gute alte Kneippsche Bürstenmassage – die ist günstig und garantiert wirksam.

Volker Pfau

Das Buch

Relax Guide Deutschland 2011

„Relax Guide Deutschland 2011“, 280 Seiten, 17,90 Euro, Werner Medien GmbH Wien, ISBN 978-3-902115-36-2; erhältlich im Buchhandel oder im Internet unter www. relax-guide.com. Ebenfalls in Neuauflage im Handel: Relax Guide Österreich 2011 (mit 989 Hoteladressen und Golfmöglichkeiten), 17,90 Euro.

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