Wie die Welt München lieben lernte

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Seit 1909 gab’s die „ Vereinigten Münchner Fremdenrundfahrten“, hier vor dem Café Luitpold mit feschen Angestellten.

Was Deutschlands größter Romancier im Jahr 1894 schrieb, kann ja nur stimmen: „München“, so der Dichter Thomas Mann in Die Buddenbrooks, „gefällt mir ganz ausnehmend. Die Luft soll sehr nervenstärkend sein. Ich trinke mit großem Vergnügen sehr viel Bier.“

Womit Mann gleich mehrere Punkte anspricht. Warum München so eine steile Tourismus-Karriere hingelegt hat?

Da ist zum einen München als Wellness-Oase: Schon 1782 bot der Wundarzt Xaver Gumppert in einer Badeanstalt an der Müllerstraße Milch-, Schwefel-, Kräuterund Mineralbäder, und seit 1807 pilgerten Wohlhabende zu einer Naturheilanstalt nah dem Dörfchen Bogenhausen. Übrigens vorwiegend Touristen aus Russland, England und den USA.

Schon damals eine Reise wert: München und sein Umland 

Lust auf Idylle: Der Ammersee mit Wörthsee und Pilsensee aus der Vogelperspektive, im Hintergrund das Wettersteingebirge. Postkarte von 1927. © Sutton Verlag
Der 1864 gegründete Zentralbahnhof brachte die Touristen in die Stadt – die Hotel- und Herbergenbranche boomte. © Sutton Verlag
Der Marienplatz um 1900. Gäste liebten die entspannte Atmosphäre und kamen „zwengs der Gaudi“ in die Stadt. © Sutton Verlag
Seit 1909 gab’s die „ Vereinigten Münchner Fremdenrundfahrten“, hier vor dem Café Luitpold mit feschen Angestellten. © Sutton Verlag
Eine Attraktion war die Fahrt mit dem Salondampfer „Bavaria“ auf dem Starnberger See. © Sutton Verlag
Vom Bahnhof Starnberg war es nicht weit zum Undosa-Wellenbad. © Sutton Verlag
MitderStandseilbahnging’sgleich vom Steg des Starnberger Sees auf die Rottmannshöhe. © Sutton Verlag
Der Ammerseedampfer Gisela (ca. 1910) © Sutton Verlag
Karl Stankiewitz: „Die Anfänge des Fremdenverkehrs in Oberbayern“ (Sutton Verlag, 144 Seiten, 108 Abbildungen, 22,95 Euro). © Sutton Verlag

Für die Seelengesundheit (oder was viele dafür halten) gab es überdies einen weiteren Grund: das Bier, das die Menschen nach München strömen ließ. Ganz vorne natürlich: die Kultur, die unter Ludwig I. in München nicht nur durch zahlreiche Prachtbauten in neuem Glanz erstrahlte.

Monumentale Straßen, Museen, Paläste – „ich will aus München eine Stadt machen, die Teutschland so zur Ehre gereichen soll, dass keiner Teutschland kennt, wenn er nicht München gesehen hat“, sagte Ludwig.

All dies und vieles mehr kann man in Die Anfänge des Fremdenverkehrs in Oberbayern nachlesen, das auch mit handfesten Zahlen aufwartet. So erfährt man, dass auf der Wiesn 1895 stattliche 120.000 Besucher gezählt wurden, dass München 1863 über 18 Kaffeehäuser verfügte und Ende des 19. Jahrhunderts der ganz geregelte Touristen- Wahnsinn kanalisiert wurde: Es entstand der Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs in München und im bayerischen Hochland.
In der Folge wurde einiges an Servicegeboten: Ein Vekehrsbuch informierte über Bett, Speis und Trank. Der Trambahnbetrieb lief ab sofort bis Mitternacht; der Hauptbahnhof, der seit 1864 die Gäste empfing, wurde mit dem Neuen Rathaus zum Informationszentrum. Was an München und Umgebung noch alles fasziniert(e), sehen Sie auf den Fotos ringsum.

M. BIEBER

DAS BUCH

Karl Stankiewitz: „Die Anfänge des Fremdenverkehrs in Oberbayern“ (Sutton Verlag, 144 Seiten, 108 Abbildungen, 22,95 Euro).

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