John Denvers Mountain-State West Virginia lockt mit Geschichte, Natur und Sport

Wild und liebenswert

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Für Wagemutige: In Süden West-Virginias können Besucher über den einen Kilometer langen Wartungssteg unter der Fahrbahn der längsten Bogenbrücke der Welt wandern, 270 Meter über dem Wildwasser des New River. Sicherungen helfen gegen den Stress. 

John Denvers Mountain-State West Virginia lockt mit Geschichte, Natur und Sport.

Unter den Füßen ist nur eine dünne Stahlplatte, und dann kommt 270 Meter nichts. Tief unten gischten millimetergroße Kajaks durchs Wildwasser des New River im US-Bundesstaat West-Virginia, doch hier oben ist das mulmige Gefühl gewichen. Schließlich ist die Brücke die einzige von nur zwei weltweit, bei der Besucher auf dem schmalen Wartungssteg unter der Fahrbahn entlangwandern dürfen, gut gesichert. Und der Erfinder des Bridge-Walk, Benjy Simpson, geht mit den Mutigen über den Steg. Seit 2010 führt er mit vier Freunden Besuchergruppen zu atemberaubenden Aussichten, während über den Köpfen Pkw und Lkw hinwegdonnern.

Findige Köpfe und Menschen mit Ideen und Mut sind nach dem Wirtschaftskollaps von 2008 in West-Virginia gefragt, das mit 1,8 Millionen Einwohnern nur dünn besiedelt ist. Die Hälfte der Einnahmen bringt der Tourismus. Darauf setzt auch Susan Webster, Bürgermeisterin in Berkeley Springs, dem ältesten Badeort Amerikas, in dessen warmen Quellen sich schon die Indianer badeten. Die vielen Bäder und Wellness-Einrichtungen des 1000-Einwohnerortes locken jährlich Zehntausende Kurgäste an und es sollen noch mehr werden. Schließlich ist Berkeley Springs eine der aktivsten Künstler-Gemeinden der USA mit vielen Galerien und Festivals. Und dazu noch mit dem Marketing-Coup, dass hier seit 23 Jahren jeweils im Februar ein internationaler Mineral- und Trinkwasser-Geschmackswettbewerb stattfindet.

Jeder fünfte Westvirginier hat deutsche Vorfahren

Von Geschichte geprägt ist auch das von einem Deutschen 1733 gegründete Harpers Ferry, wo der amerikanische Bürgerkrieg entscheidende Schlachten erlebte und der Sklaverei-Gegner John Brown gefangen und hingerichtet wurde. Viele Gebäude sind noch original erhalten, der Ort ist heute ein Nationalmonument.

Auch Orte wie Sheperdstown oder Lewisburg mit ihren Bauten aus dem 18. Jahrhundert gehören zu den ältesten Orten der USA und sind vielfach geprägt von deutschen Namen – jeder fünfte Westvirginier hat deutsche Vorfahren. Beliebt zum Übernachten sind luxuriöse Blockhütten in den Nationalparks. Bei Lewisburg kann man auch in einem der nobelsten Hotels der Welt, dem Greenbrier-Resort, übernachten (ab 99 Dollar). Unterm Hotel wurde heimlich ein 250 Meter tiefer Regierungsbunker gebaut – heute ist er zu besichtigen.

Impressionen aus West Virginia

Fotogalerie: West Virginia

Der Norden ist beliebt zum Skifahren (etwa im Canaan-Valley), zum Wandern, Fischen, Kanufahren und Mountainbiken. Sogar der längste Wanderweg der USA, der 3200 Kilometer lange Appalachian-Trail, führt vorbei.

Im Osten des Staates fahren bei Cass noch Dampfzüge Touristen die Berge hinauf und die Hauptstadt Charleston lockt mit viel Musik und Kultur. Auch wenn die Autobahn von Washington demnächst fertig ist, wird man hier beim ausdauernden Fahren über Berge und durch Täler weiterhin die John-Denver-Hymne singen: „Take me home, country roads“.

Weitere Informationen

• Reisezeit: Ganzjährig, ab November oft Wintersport möglich, beste Reisezeit Frühjahr und Herbst (Indian Summer Ende September/Anfang Oktober). Heiße Sommer.
• Anreise: Flug von Frankfurt/Main nach Charlotte/North Carolina (verschiedene Airlines, Hin- und Rückflug ab etwa 600 Dollar), dann Inlandsflug nach Washington-Dulles im Norden oder West-Virginias Hauptstadt Charleston, von dort individuell.
• Einreise: USA-Reisende ohne Visum zur Einreise müssen sich bis spätestens 72 Stunden vor Abflug über das Online-System ESTA registrieren. Die Einreise ist für deutsche Staatsangehörige mit einem maschinenlesbaren Reisepass visafrei möglich. http://usa-einreiseformular.de/
• Auskunft: Die USA haben kein zentrales Fremdenverkehrsamt, auch kein Büro in Deutschland, dafür aber die Bundesstaaten und fast alle Orte. West-Virginia Tourismus ist zu erreichen in Charleston, www.wvtourism.com
• Tipps: 
Die Dampfzüge der Cass Scenic Railroad (www.cassrailroad.com) fahren von Ende Mai bis Ende Oktober, die zwei- bis vierstündigen Fahrten kosten 18 bis 32 Dollar für Erwachsene (Kinder günstiger).
Der Bridge Day an der New River Gorge Bridge findet an jedem 3. Samstag im Oktober statt. 200 000 Besucher sehen Kletterer und Gleitschirmflieger von der Brücke starten. Brückenbegehungen (www.bridgewalk.com) sind ganzjährig möglich (69 Dollar pro Person, Anmeldung nötig).

Von Thomas Thiele

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