In Bad Senkelteich setzt man auf die Heilkraft des Moores

Wohltuender Matsch

Da rollt sie herein, eine Badewanne voller schwarzem, dickem Matsch. Da drin soll ich jetzt baden? Mein großer Zeh hat die Masse berührt und weigert sich. Zu dickflüssig. „Das wird schon“, ermuntert Badefrau Brigitte. Also nichts wie rein da. Es scheint fast so, als sauge der schwarze Brei mich auf. Sofort schmaddert das 42 Grad warme Schwarz überall um mich herum. Ich versuche, mich hinzulegen. Doch nur ganz langsam sinkt mein Körper in den moorigen Brei und bleibt irgendwann einfach schweben. Ganz schwerelos – und sehr faszinierend.

Moorbäder sind ein uraltes Heilmittel, schon der mittelalterliche Arzt Paracelsus hat sie gegen Gelenkschmerzen empfohlen. Nach Studien der Ruhr-Universität Bochum hat Moor hormonregulierende Wirkung und hilft sogar bei unerfülltem Kinderwunsch.

„Hebammen wussten das schon immer. Sie haben unfruchtbare Frauen früher zur Moorkur geschickt“, erzählt Ulrike Großmann. Die Inhaberin des Kurbetriebs Moorland Bad Senkelteich schwört auf die Heilkraft des Moores. Wissenschaftler bestätigen inzwischen, dass enthaltene Substanzen wie Fulvin- und Ulminsäure den Hormonhaushalt anregen.

Vor allem aber macht das Moor erst mal eins: warm. „Das ist das Heilfieber“, sagt mir Badefrau Brigitte. Mit dem Bad im Moor erhöht sich die Körpertemperatur um ein bis zwei Grad. „Das regt Kreislauf und Immunsystem an und schwemmt giftige Stoffe aus“, weiß Brigitte. 15 Minuten sind vorbei, ich muss aus der Wanne. Gar nicht so einfach.

Das Moor zieht mich wieder zurück in die Wanne. Brigitte kennt das schon und reicht mir die Hand. Wie ein Matschmonster sehe ich aus. Schnell abduschen und dann ab auf die Ruhebank. Der ganze Körper ist durchblutet, das Herz pocht angenehm und die Haut schimmert rot wie nach einer Rubbelmassage. Vor allem aber knurrt der Magen.

Zum Baden und Essen

In Bad Senkelteich gibt es Moor nicht nur zum Baden, sondern auch zum Essen, etwa Moornudeln mit Lachssoße. Davor noch Tomate-Mozarella mit Moor-Balsamico. Keine Spur torfig im Geschmack, eher sehr lecker. „Es sind auch nur Spuren von Moor enthalten. Doch die helfen dem Körper, zu entschlacken“, sagt Ulrike Großmann, die einen der ältesten Kurbetriebe Deutschlands führt.

Seit 1866 werden hier die rollenden Badewannen per Hand mit der schwarzen Pampe befüllt, die direkt aus dem trichterförmigen Talkessel gewonnen wird. Tatsächlich liegt der Kurbetrieb an einem eingestürzten, kreisrunden Krater. Als dort vor 8000 Jahren Schwefel und Wasser aufstiegen, bildete sich genau in der Mitte des Kessels ein kleines Moor mit immerhin 40 Metern Tiefe. Und damit das auch so bleibt, wird der gebrauchte Schlamm wieder zurück ins Moor gepumpt. Angst vor Krankheitsüberträgern müsse man beim Moor sowieso nicht haben, sagt Ulrike Großmann: „Es ist von Natur aus antibakteriell, erst recht, wenn es auf 42 Grad erhitzt ist.“

Ich kann ihr kaum noch zuhören, nach dem Essen überkommt mich eine große Müdigkeit. Ich lege mich auf die mit Moor angereicherte Matratze und schlafe wie ein Moor-, pardon – Murmeltier. Und die Wirkung des Moores? So entspannt und durchgewärmt habe ich mich den ganzen Winter nicht gefühlt. Und seit Tagen habe ich einfach keine kalten Füße mehr. Wunderbar.

Von Andrea Lammert

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