Hausbooturlaub im Weichselwerder im Norden Polens

Auf Zick-Zack-Kurs

In Wartestellung: Die Natalia wartet vor der Schleuse Przegalina auf die Einfahrt. Foto: Axel Baumann

Sanfte Wellen umspielen Natalias schneeweißen, über acht Meter langen Körper und schaukeln ihn leicht hin und her. Eine Woche lang wird sie mit unerfahrenen Skippern im Weichselwerder im Norden Polens unterwegs sein. Sich in die Hände von zwei Menschen begeben, die gerade noch wissen, wo Backbord und Steuerbord ist, aber ansonsten keinerlei nautische Kenntnisse haben. Einen Führerschein benötigt man nicht, um das 12 PS starke Hausboot zu steuern.

Um ein erstes Fahrgefühl zu bekommen, ein bisschen über Schifffahrtzeichen zu erfahren, Knoten für das Anlegemanöver zu üben, dafür ist Lukasz Krajewski da. Vier Stunden lang dauert das Training auf der Mottlau im Hafen von Danzig. Dann nimmt Natalia Kurs auf die Weichsel. Sie gehört zur Flotte von sieben Motorjachten, auf denen der 35-Jährige einwöchige Touren auf der Weichsel zwischen Danzig und Krakau oder durchs Zulawy Wislane (Weichselwerder) anbietet. Wer nicht selbst steuern möchte, kann auch einen Skipper mieten.

Mit Fingerspitzengefühl

Nach drei Stunden ist die erste Schleuse Przegalina erreicht. Da Natalia das einzige Boot in der Kammer ist, gibt es ausreichend Platz. Doch ein Schiff reagiert träger als ein Auto. Wenn dann noch Windböen aufkommen, ist Fingerspitzengefühl erforderlich, damit Natalia nicht zu unsanft an die Schleusenwand gedrückt wird. Noch sechs Mal wird sich dieses Abenteuer wiederholen.

Mit zehn Stunden Kilometern tuckert Natalia weiter auf der Nogat, einem Seitenarm der Weichsel, der ins frische Haff mündet. Einsame rote Backsteingehöfte lugen hinter Kastanienbäumen und betörend duftenden Fliederbüschen hervor. Gelbe Wasserlilien entfalten ihre Blüten im Sonnenschein. Ein paar Angler versuchen ihr Glück.

Ritterburg und Forellen

An Backbord taucht sie auf, die Marienburg, das Schloss des Deutschen Ritterordens in Malbork. Mindestens zwei Stunden dauert die Führung durch die größte Backsteinburg Europas. Nach reichlich Geschichtszahlen, Ritternamen und Schlachten wird es Zeit, den Abend kulinarisch ausklingen zu lassen. Zuerst kann man fangfrische Forelle und Zander im Restaurant „U flisaka“ am gegenüber liegenden Ufer genießen, dann den Sonnenuntergang und schließlich den Blick auf die illuminierte Burganlage.

Am nächsten Tag geht es stromabwärts „auf dem letzten wilden Fluss Europas“, wie Lukasz Krajewski bei der Einweisung in Danzig betonte. Viele Sandbänke machen das Navigieren komplizierter. Natalia muss die Weichsel im Zick-Zack befahren. Markierungen am Ufer zeigen an, wann man die Seite zu wechseln hat.

Die Tore der Schleuse Przegalina sind weit geöffnet. Nach einer Woche Skipper auf Zeit ist es fast ein Kinderspiel ein- und auszufahren. Schon kommen die Kräne der Danziger Werften in Sicht. Ein letzter Knoten und Natalia liegt nach 200 Kilometern Mini-Kreuzfahrt wieder fest vertäut am Bootssteg – ganz zufrieden mit ihren beiden „Freizeitkapitänen“.

Von Dagmar Krappe

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