Schnelle Bahnen im Minutentakt: In Bad Wilhelmshöhe starten viele Kasseler ihre Reisen

Blickfang und Schutz zugleich: Das riesige Dach dominiert den IC-Bahnhof Wilhelmshöhe. Auch die Fahrgäste der Straßenbahn können hier trockenen Fußes umsteigen. Fotos: Camrath

Kassel. Der IC-Bahnhof in Bad Wilhelmshöhe ist ein rauchfreier Bahnhof. So propagiert es der Betreiber, die Deutsche Bahn, zumindest an den Eingängen.

Umso verwunderlicher ist es, dass die Besucher schon beim Betreten durch graue Qualmwolken gehen müssen. Viele Raucher frönen an den zahlreich aufgestellten, großformatigen Aschenbechern ihrem Laster. Über dem Bahnhofsvorplatz prangt ein imposantes Dach. Wer mit der Straßenbahn, dem Bus oder den wartenden Taxen weiterfahren will, der steht darum stets im Trockenen. Grundsätzlich finden die Wartenden hier alles, was sie für ihre Weiterreise begehren.

Im Inneren empfängt der Bahnhof seine Besucher mit einer Rückansicht. Ein „Service Point“ muss erst umrundet werden, bevor man richtig angekommen ist.

Auf dem Boden liegt Papier, an der Decke und von den abgenutzten Lautsprechern an den Wänden hängen verstaubte Spinnweben. Ein Blick hinter die spärlich vorhandenen Sitzmöglichkeiten fördert leere Joghurtbecher, Kaffeeflecken und noch mehr Staub zu Tage. Vereinzelt finden sich Fallen mit Rattengift, kaum vor neugierigen Kinderhänden geschützt. Mülleimer gibt es zur Genüge. Das ändert jedoch nichts am unsauberen Eindruck, den der Bahnhof bei seinen Besuchern hinterlässt.

Über 100 Schließfächer (je nach Größe 1,50 bis 3 Euro pro Tag), ein Briefkasten, mehrere Telefonanlagen sowie Toiletten (50 Cent) verteilen sich im zugigen Bahnhof zwischen Zeitschriftenladen, Asia-Imbiss und McDonalds-Filiale. Ein Geldautomat, mehrere Fotostationen, ein Geschenke-Laden und die Tourismus-Info komplettieren das Angebot.

Nah- und Fernverkehr

Neben dem „Service Point“, der von 6 bis 22.30 Uhr geöffnet hat, geben zahlreich aushängende Pläne und große elektronische Tafeln Informationen über Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Fern- und Regionalzüge. Um 4.06 Uhr fährt werktags der erste Zug, ein Regionalexpress nach Frankfurt. Ein ICE nach Hannover bietet sonntags um 23.56 Uhr die letzte Möglichkeit, den Bahnhof zu verlassen.

Unter der Woche ist bereits um 23.15 Uhr mit einem Cantus nach Bebra Schluss. Mit dem ICE nach Hamburg, München, Düsseldorf oder in die Schweiz? Vom Bahnhof Wilhelmshöhe ist das seit 1991 kein Problem mehr. Auch Regiotrams transportieren die Fahrgäste weiter.

Lange Wege: Zu den Gleisen führen weitläufige Betonrampen, die Treppen wirken düster und wenig einladend. Fahrstühle zu den Bahnsteigen verstecken sich zwischen ungewöhnlicher Architektur.

Knapp 400 Parkplätze stehen für Pkw bereit (1,50 Euro pro Stunde, 18 Euro pro Tag). Für Fahrräder bleibt da kaum Platz. Rund um den Bahnhof verteilen sich einige Abstellmöglichkeiten, die Priorität liegt aber auf Autos. Das spiegelt sich auch in den Mietfahrrädern wider, die versteckt auf der Rückseite des Bahnhofs ein einsames Dasein fristen. Fahrkarten können an zehn Automaten mit Bargeld und Karte bezahlt werden. Auch im Reisezentrum des IC-Bahnhofs Wilhelmshöhe, das montags bis freitags von 7 bis 20, samstags von 8 bis 20 und sonn- und feiertags von 9 bis 20 Uhr geöffnet hat, gibt es Tickets.

Hintergrund: Der Bahnhof Wilhelmshöhe

Am 29. Dezember 1849 wurde der Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe in Betrieb genommen. Nach langjährigen Diskussionen begann man 1981 mit dem Bau des neuen IC-Bahnhofes Wilhelmshöhe. Zehn Jahre später wurde dieser eingeweiht. Er war wegen seiner Lage an der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke Hannover-Würzburg Gastgeber der ICE-Eröffnungsveranstaltung, bei der Bundespräsident Richard von Weizsäcker den Hochgeschwindigkeitsverkehr in Deutschland einweihte.

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