Eine neue Seilbahn schafft in Fieberbrunn die Voraussetzung für die Anbindung an das Skigebiet von Saalbach-Hinterglemm

Fit für die Zukunft

An diesem Pin kommt keiner vorbei. Sechs mächtige Meter hoch reckt sich das gelbe Kunststoff-Monstrum in den stahlblauen Tiroler Himmel und konkurriert als Blick-Magnet mit der feinzackigen Gipfelkette der Hohen Tauern am Horizont. Als Marketing-Gag soll der gelbe Mega-Pin unweit der Hochhörndler Hütte den Slogan versinnbildlichen, mit dem Fieberbrunn seit Jahren wirbt: das bestversteckte Skigebiet der Alpen.

Nun könnte es sein, dass Pin und Slogan bald ausgedient haben. Mit dem Bau der Zehner-Gondelbahn Reckmoos Nord hat das kleine Skigebiet nicht nur einen technischen Quantensprung vollzogen, sondern auch die Tür weit aufgemacht für den seit Jahren erträumten Zusammenschluss mit dem großen Nachbarn Saalbach-Hinterglemm.

Expo-Lift zog von Hannover nach Fieberbrunn um

Und große Nachbarn hat Fieberbrunn wahrlich genug. Saalbach auf der einen, das mondäne Kitzbühel und die riesige Skiwelt Wilder Kaiser auf der anderen Seite. Trotzdem hat sich das sympathische Dorf zwischen Wildseeloder und den Steinbergen von Lofer und Leogang prächtig behaupten können. Mehr noch. In technischer Hinsicht haben es die Bergbahnen in den vergangenen Jahren immer wieder verstanden, die Fachwelt aufhorchen zu lassen. Zum Beispiel beim Kauf des Hannoveraner Expo-Lifts. Die knallgelben Gondeln, die vor elf Jahren über die Weltausstellung surrten, bringen heute die Skifahrer hinauf zum Doischberg. Eine Vorreiterrolle übernahmen die Bergbahnen Fieberbrunn bei der Präparierung der gut 40 Abfahrtskilometer mit GPS-Hilfe. Das Satellitensignal zeigt dem Pistenraupenfahrer zentimetergenau, an welcher Stelle noch zu wenig vom begehrten kalten Weiß liegt. Und jetzt setzt „Reckmoos Nord“ neue Maßstäbe.

Gut neun Millionen Euro haben die Fieberbrunner investiert, um ihr größtes Handicap endlich verschwinden zu lassen. 30 Jahre hatte der alte Zweiersessellift auf den Stahlseilen und nicht wenige Skifahrer haben unter dem Technik-Fossil während der eisigen 17-Minuten-Fahrt gelitten. Alles Geschichte: Mit viel Komfort geht es jetzt hinauf zu den Traumpisten unterhalb der „Henne“.

Dabei ist „Reckmoos Nord“ mehr als nur ein Lift. Die 1,8 Kilometer lange Gondelbahn ist die Hauptschlagader des Skigebiets. Nur sie verbindet das Arreal um Lärchfilzkogel und Doischberg mit dem Höhengebiet rund um die Hochhörndler Hütte.

Beheizte Gondeln mit Rundum-Sicht

Angesichts der Bedeutung der Anlage sollte es auch etwas Besonderes sein. Mit Toni Fliri wurde ein einheimischer Architekt engagiert, der Tal-, Mittel- und Bergstation möglichst dezent und den Auflagen des Naturschutzes entsprechend in die Landschaft integrierte. Die 56 Gondeln selbst bieten ihren zehn Gästen aufgrund der extrahohen Bauweise und deckenhohen Rundum-Verglasung eine perfekte Sicht auf das Panorama. Und ins Frieren kommt auf der jetzt nur noch sechs Minuten dauernden Fahrt auch niemand mehr. Alle Sitze sind beheizt. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt Niederwieser mit Blick auf den anvisierten Zusammenschluss mit Saalbach-Hinterglemm. „In den nächsten zwei, drei Jahren wäre der wünschenswert. Ob wir wirklich zusammenkommen, werden die Gespräche mit den Nachbarn zeigen“. Nur ein Lift müsste noch gebaut werden, dann wäre Fieberbrunn im Kreis der Mega-Skiarenen.

Von den Plänen ist allerdings nicht jeder begeistert. „Jetzt sind wir ein kleines, feines Gebiet mit Familienklientel“, sagt Angela Fürhaupter, die Wirtin des Berggasthofs Wildalpgatterl und fürchtet: „Im Fall des Zusammenschlusses würde die Masse regieren“. Mal sehen: Vielleicht hat der gelbe Mega-Pin oben am Ausstieg der neuen Reckmoos-Nord-Bahn ja doch noch nicht so schnell ausgedient.

Von Stefan Gruber

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