Bilbao lebt vom Guggenheim-Effekt, hat aber noch viel mehr zu bieten, als das berühmte Museum

Auf dem Weg zurück ins Licht

Bilbao hat viel zu bieten: Zum Beispiel das berühmte Guggenheim-Museum (oben) oder das Café Bilbao, in dem Mikel Echarri (rechts) köstliche Pintxos und Wein serviert. Fotos: Rohm

Früher legten an dieser Stelle die Bananenfrachter von den Kanarischen Inseln an. Nebenan befand sich ein dreckiger Containerhafen und entlang des Flusses rumpelten Kohle- und Erzzüge“, erzählt Taxifahrer Maurizio Sanchez. Wie alle Bilbaínos ist er froh über die Wende, die seine Stadt vollführt hat. „Mit dem Guggenheim haben sie uns das Licht wieder gegeben“, sagt er.

Mehr als eine Millionen Besucher zählte die nordspanische Metropole im letzten Jahr. Und jeder davon war im Guggenheim-Museum. „Aber“, sagt Ruben Rodríguez, Direktor des Miliá-Hotels, „wir haben nicht nur das Guggenheim.“ Dann zählt er auf: den 2012 eröffneten 165-Meter-Glasturm des Energieriesen Iberdrola des argentinischen Architekten Cesar Pelli, die Büro- und Wohnhaustürme von Arata Isozaki, die Corten-Stahloper Euskalduna mit 2300 Sitzplätzen, die U-Bahn von Norman Foster, das Museo de Bellas Artes sowie das von Philippe Starck zu einem urbanen Stadtteilzentrum mit Schwimmbad, Mediothek und Ausstellungssaal umgestaltete alte Zollweinlager Alhóndiga.

Eigensinnig und genussfroh

Handel und Industrie haben über die Jahrhunderte die Geschicke der Stadt bestimmt, die sich immer wieder wandelt. Als rührig und arbeitsam gelten die Einwohner, eigensinnig – und genussfroh. „Sieh dir an, was hier los ist“, sagt Mikel Echarri. Der bekannte Volksschauspieler führt nebenbei das Café Bilbao an der Plaza Nueva im Casco Viejo, der Altstadt auf der rechten Seite des Flusses. Morgens nehmen in dem mit viel Blau und Azulejos dekorierten Lokal vom Beginn des 20. Jahrhunderts die Büromenschen ihren ersten Cortado, einen kleinen Milchkaffee. Ab Mittag füllt sich der Schankraum mit Hungrigen, die sich auf Pintxos stürzen, die Spezialität von Bilbao und dem gesamten Baskenland. Dutzende und Aberdutzende von kleinen Tapas werden jeden Vormittag in den Küchen der Bars zubereitet.

Häppchen-Hopping

Pintxo-Hopping gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen der Bilbaínos. Ein bis drei Euro kosten die leckeren Häppchen. Dazu trinkt man kaltes Bier oder Rotwein aus dem Anbaugebiet der baskischen Rioja. Ein beliebter Weißer ist der trockene Txakoli.

In den Gassen rund um die Plaza Nueva herrscht nachmittags reges Treiben. Hier findet man trendige Geschäfte, die ausgefallene Mode zu erschwinglichen Preisen anbieten. Edle Boutiquen und hochpreisige Designgeschäfte präsentieren ihre glänzenden Schaufenster fünfzehn Fußminuten weiter im Stadtteil Ensanche, entlang der Haupteinkaufsstraße Gran Via.

Ob es überhaupt Einwohner gibt, die kochen? „Ich kenne nur wenige“, sagt Darran Williamson. Der 38-Jährige aus Manchester hat in Drei-Sterne-Restaurants gekocht, bevor er seine Pintxo-Bar Bitoque an der Plaza Jardines de Albia eröffnete. Mehrmals wurde er mit avantgardistischen Kreationen wie zweierlei Sardellenfilets mit Wakamealgen oder Mini-Hamburger vom Thunfischbauch für die besten Pinxtos der Stadt ausgezeichnet. Die Bilbaínos lieben eben das Besondere.

Franz Michael Rohm

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