Italien: In den Ossola-Tälern im äußersten Norden des Piemonts finden Naturliebhaber und Wanderer ihr stilles Paradies

Zwischen Lago Maggiore und Monte Rosa

F Malerischer Bergsee im Naturpark Alpe Veglia e Devero. Touristen trifft man in der unberührten Natur des Parks Alpe Veglia Devero eher selten. Fotos: Wettlaufer-Pohl

Mario Garrone lebt in Oira, einem Ortsteil von Crevoladossola, rund 130 Kilometer nordwestlich von Mailand. Der Winzer und Wirt des Gasthofes Cà d’ Maté gehört zu den Wenigen, die sich der über siebenhundertjährigen Weinbau-Tradition dort verpflichtet fühlen. Denn viele Menschen haben diese abgeschiedene piemontesische Bergwelt zwischen dem Simplon-Pass und dem Laggo Maggiore verlassen. Sie sind in die Schweiz gegangen und nach Mailand, manche nach Domodossola, die 20 000-Einwohner-Stadt im Zentrum der Ossola-Täler.

„Erst allmählich erkennen Jüngere den Wert ihrer Täler wieder“, erzählt Garrone. Die typischen grauen Steinhäuser mit ihren ebenso mit Steinplatten gedeckten Dächern, Zeugnis alter Baukunst in den Tälern, lockten sogar Studenten aus Oregon (USA) an, die in Oira einige Gebäude sanierten. Stolz ist Garrone auf die Käserei, die er Touristen gerne zeigt. Ihren Betrieb musste sie 1985 nach fast 90 Jahren einstellen, es gab im Ort keine Kühe mehr. Mario Garrone selbst produziert den Vino Prunent, eine Rarität unter den Ossolanischen Rotweinen, von dem er nur 2500 Flaschen im Jahr herstellt.

Unberührte Natur

Gestärkt von Garrones kulinarischen Köstlichkeiten – Wein, Schinken, Käse und Würste – fahren wir nach Norden in das Antigorio-Tal. In der Nähe von Baceno locken die faszinierenden Uriezzo-Schluchten, die man zum Teil begehen kann. Von Baceno führt eine schmale Straße durch das Devero-Tal zur Alpe Devero, einem wunderschönen Hochplateau und Ausgangspunkt für Wanderungen durch den Naturpark Veglia Devero. Auf 1700 Metern Höhe liegt die „Casa Fontana“ einer der wenigen Gasthöfe in dieser Gegend mit Rosy und Bruno Geiger als liebenswerte Gastgebern.

Die Natur, hier umgeben von einer um die dreitausend Meter hohen Bergkette, ist fast unberührt: Weite Bergwiesen, einige wenige Almen, malerische Bergseen und geduckte Steinhäuschen, die von früherer Viehwirtschaft zeugen. Kleine Holzhäuser aus schwarzem Lärchenholz stammen von den Walsern, die im 13. Jahrhundert aus dem Wallis kamen, um das karge Land urbar zu machen. Ihre Bauweise hat die Jahrhunderte überdauert.

In Macugnaga im Anzasca-Tal, über dem sich das 4634 Meter hohe Monte Rossa Massiv erhebt, gibt es ein Museum der Walser-Kultur.

Ein legendärer Bergkäse

Doch zurück in den Naturpark, wo nur hin und wieder das Pfeifen der Murmeltiere die ungewohnte Stille unterbricht. Zur Rast bietet sich die Alpe Cramiolo an, denn nur dort gibt es den legendären Bettelmatt-Käse; ein leicht säuerlicher Bergkäse, der in einer Hütte neben der urigen Gaststube auf langen Holzbrettern reift.

Das Valle Devero ist nur eines von sieben Ossola-Tälern, von denen jedes seinen eigenen Charakter bewahrt hat. Überall stößt man auf verlassene Dörfer, die einen Eindruck vom archaischen Leben in den Tälern vermitteln. Manche werden aber auch wieder erweckt: Im Val Antrona etwa hat sich oberhalb von Viganella eine buddhistische Gemeinschaft niedergelassen.

Und in Anzuno südlich von Domodossola treffen wir auf Angelo Franchini. Der 67-Jährige werkelt an seinem halb verfallenen Elternhaus. Francini, der wie viele Kinder als Baby in die Schweiz gebracht wurde, weil die Nazis auf der Suche nach Partisanen in den Ossola-Tälern wüteten, war der Wert seiner Heimat immer bewusst.

Reisetipps: Die Ossola-Täler

Anreise: In die Ossola-Täler gelangt man über den Flughafen Mailand/Malpensa, über die Gotthard-Autobahn bis Bellinzona und weiter nach Locarno, Brissago, Cannobio und Verbania. Von Mailand nach Domodossola gelangt man auch mit der Bahn, ebenso von Locarno durch das Centovalli und das Vigezzotal auf einer Panoramastrecke mit der Vigezzinabahn nach Domodossola.
Sehenswert auf der Strecke ist das Städtchen Santa Maria Maggiore mit seinen jahrundertealten Fresken und einem Schornsteinfegermuseum. Anfang September treffen sich dort regelmäßig 1200 Schornsteinfeger aus ganz Europa.

Informationen im Internet: www.derlagomaggiore.de,
Italienisches Fremdenverkehrsamt ENIT, www.enit.it
Tipp: Wer lieber geführt wandern möchte, kann sich z.B. an Pia Molteni wenden (piamolteni@tiscali.it) oder www.ossolahiking.com.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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