Indien: Die Städte Old und New Dehli bilden ein attraktives Doppel – New Dehli wird 100 Jahre alt

Zwischen Tradition und Moderne

Offen und interessiert: In Indien Menschen kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen, ist auch für westliche Touristen nicht schwer.

Wer heute nach Neu Dehli kommt, kann sich kaum vorstellen, dass diese riesige Metropole vor einem Jahrhundert noch nicht existierte. Als die britischen Kolonialherren sich 1911 entschlossen, ihren Regierungssitz von der bengalischen Hafenstadt Kalkutta in die nordindische Kaiserstadt der Großmoguln zu verlegen, mussten sie sich zunächst im engen Häusergewirr Alt Dehlis wohnlich einrichten, bevor sie am Südrand von Alt Dehli in großartigen Dimensionen die neue Kapitale ihres Imperiums erbauten.

Als neuzeitliches Pendant zu den prächtigen mittelalterlichen Palästen des Roten Forts, das den Kern von Alt Dehli bildete, errichteten die Briten auf einem Hügel im Herzen der Neustadt das von monumentalen Regierungsgebäuden flankierte Schloss ihrer Vizekönige. Heute ist der Government Palace Amtssitz des indischen Präsidenten und heißt schlicht Rashtrapati Bhavan – „Haus des Vaters der Nation“.

Um das funktionale Zentrum der Staatsführung gruppierten sich die Banken- und Geschäftsviertel mit den ersten Hochhäusern einer modernen City sowie einem Geflecht von breiten Alleen mit verschwenderisch angelegten Grünanlagen. Herrschaftliche Wohnsitze für ranghohe Politiker und Diplomaten entstanden ebenso wie schneeweiße Bungalows für wohlhabende Spitzenbeamte und Geschäftsleute.

Bester Ausgangspunkt, um Neu Dehli zu erkunden, ist der ringförmig angelegte Connought Place. „Bummeln Sie aber nicht nur unter den noblen Laden-Arkaden im Inneren, sondern erleben Sie auch den äußeren Ring mit seinen modernen Hochhäusern“, empfiehlt Stadtführer Ajay Massey. Eine der strahlenförmig vom Platz verlaufenden Alleen führt zum Indian Gate. Der 42 Meter hohe Bogen wurde von den Briten als Gedenkstätte für 85 000 indische Soldaten errichtet, die unter anderem im Ersten Weltkrieg gefallen sind. „Wenn Sie genau hinschauen, ist eine Ähnlichkeit mit dem Pariser Arc de Triomphe nicht zu übersehen“, erklärt er. Auch der Rajpath, Neu Dehlis imperiale Achse, die das India Gate mit dem Präsidentenpalast verbindet, erinnert an Paris und trägt den Beinamen Champs Elysee.

Rund 14 Millionen Menschen leben heute in der Doppelstadt, erzählt Ajay, während das Taxi auf der Fahrt zum Roten Fort im Stau steht. Mit seinen imposanten Mauern, den kunstvoll angelegten Gärten und der zierlichen weißen Perlmoschee zählt es zu den Hauptattraktionen der Stadt. Danach können sich die Besucher in das Gewühl von Old Dehli stürzen.

Im Rausch der Farben

Beklemmend das Gedränge der Menschen, der enorme Lärmpegel, die Gerüche und der Rausch der Farben – die Palette reicht von leuchtend goldgelben Turbanen, blütenweißen Gewändern, glitzernden Saris bis hin zu den grellbunten Werbetafeln und den kunstvoll drapierten Auslagen der winzigen Verkaufsbuden. Richtig schick geht es dagegen rund um den Khan Market zu. Dort offerieren junge indische Designer ihre Mode, es gibt interessante Galerien und nette Cafes.

„Neu Dehli steht bei den meisten Indienreisenden leider nur als Durchgangsstation auf dem Programm“, sagt Ajay Massey. „Einige Tage sollten Besucher aber schon einplanen, schließlich locken mit Humayans imposanter Grabstätte, dem Qutab-Minarett und dem Nationalmuseum weitere bedeutende Sehenswürdigkeiten“.

Von Detlef Berg

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