Reise in eine andere Welt

Zwischen Tradition und Moderne: Indien verzaubert mit seiner Vielfältigkeit

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Bunte Riesen: Elefanten sind den Indern dank des Elefantengottes Ganesha heilig. Da sich die Tiere leicht zähmen lassen, werden sie im ganzen Land als Lasttiere eingesetzt. Wie auf diesem Fotos in Jaipur gehören sie daher zum Straßenbild.

Er fügt zusammen, was zusammen gehört. Astrologe Prakash Sharma steht dort, wo seine Vorfahren seit Generationen stehen: Im Jantar Mantar, dem Observatorium in Jaipur. Hier wird die Zeit seit knapp 300 Jahren bis auf zwei Sekunden genau von einer riesigen Sonnenuhr abgelesen.

Und hier werden ganze Lebensläufe geschrieben.

Jaipur im Herzen Indiens. Die Stadt ist Zwischenstation auf der Route des Goldenen Dreiecks von Rajasthan. Von Indiens Hauptstadt Delhi geht es auf dieser Reise über die „rosarote Stadt“ Jaipur nach Agra am Fluss Yamuna. Knapp 820 Kilometer durch ein Land, das fast zehn Mal so groß ist wie die Bundesrepublik Deutschland. Und etwa 15 Mal so viele Menschen beherbergt.

Blickt in die Sterne: Astrologe Prakash Sharma erstellt seit 30 Jahren Horoskope.

Wer hier unterwegs ist, trifft auf ein Land voller Gegensätze. Und ein Land der Extreme. Zwischen Moderne und Tradition, Technik und einfachster Landwirtschaft, Armut und Reichtum. Und auf ein Land voller Lebensläufe. Denn so fortschrittlich Indien mit seinem IT-Knowhow ist, so traditionell ist es. In seiner Art zu leben, in seiner Kleidung, in seinem Kastensystem – und im Stellenwert von Horoskopen. Angefertigt für jeden Inder – und auf Wunsch auch jeden Touristen – bestimmen sie, wie man lebt, wen man heiratet, wo man sein Haus baut und welches Auto man fährt.

Den Lauf des Lebens bestimmen

Wahrzeichen grenzenloser Liebe: Das Taj Mahal, Grabmal von Großmogul Shah Jahan und seiner Frau Mumtaz Mahal, lockt jährlich Millionen Besucher nach Agra. Das Mausoleum gilt als das herausragendste Bauwerk der gesamten indischen Architektur.

Die Lebensläufe erstellt Astrologe Sharma anhand von Büchern und Formeln. Wie sein Vater vor ihm. Und dessen Vater vor ihm. Und wenn es laut Horoskop nicht passt, wird es auch nicht passend gemacht. So sind schon unzählige (Liebes-)Hochzeiten abgesagt – und andere überhaupt erst arrangiert worden.

Wer dieses Denken begreifen will, der muss die Geschichte Indiens begreifen. Und die ist reichhaltig. Touristen finden sie im Taj Mahal, jenem legendären Grab, das Großmogul Shah Jahan für seine große Liebe Mumtaz Mahal errichten ließ. In der Jama Masjid, Indiens größter Moschee in Old Delhi. Und in Fatehpur Sikri, der verlassenen Stadt nahe Agra, erbaut im 16. Jahrhundert von Großmogul Akbar, der sie zeitweise zur Hauptstadt seines Reiches machte.

Ohrenbetäubender Lärm

Einer der letzten seiner Art: Im Ranthambhore-Nationalpark kann man frei lebende Tiger beobachten.

Wer Indien begreifen will, muss aber auch die Gegenwart des Landes begreifen. Bei einem Besuch des Chandni Chowk, einem Basar-Viertel in Delhi mit 1,2 Millionen Geschäften, in dem man alles bekommt, was das Herz begehrt. Beim Aufenthalt am Grab Mahatma Gandhis, das jährlich Ausflugsziel für Millionen Inder und Touristen ist. Aber auch – sicherlich ein Höhepunkt der Reise – während einer Tour durch den Ranthambhore-Nationalpark, bei der man mit etwas Glück frei lebende Tiger beobachten kann – die letzten ihrer Art.

Wer Indien begreifen will, muss aber auch all seine Sonderheiten begreifen. Zu ihnen zählen sicherlich die heiligen Kühe, die auf den Straßen ihren Platz einfordern, um dann doch in Müllbergen zu hausen. Zu ihnen zählen aber auch all die Farben, Gerüche und der oft ohrenbetäubende Straßenlärm, der einen auf Spaziergängen durch die Städte begleitet. Dort trifft man überall auf offene und neugierige Menschen und erfährt manchmal ganze Lebensgeschichten. Die vielleicht schon bei der Geburt feststanden. Festgehalten in einem Horoskop.

Fotos von der Reise

Rundreise durch Indien: Das Goldenes Dreieck Rajasthans

Von Marie Klement

Reiseinfo

Reisezeit für Delhi und die angrenzenden Regionen:

Oktober bis März. Die anderen Monate sollte man wegen der hohen Temperaturen und der Regenzeit meiden.

Rundreisemöglichkeit: 15-tägige Reise „Märchenwelten Nordindien & Rajasthan“ mit Meier’s Weltreisen, ab/bis Delhi, inkl. 13 Übernachtungen in Hotels der gehobenen Mittelklasse/DZ/Frühstück und weiterer Mahlzeiten, Fahrt im klimatisierten Reisebus, Besichtigungen und Eintrittsgelder, deutschsprechende Reiseleitung, pro Person ab 2189 Euro. Buchung im Reisebüro oder im Internet auf www.meiers-weltreisen.de

Flüge: Ab/bis Deutschland nach Delhi z.B. mit Oman Air für etwa 630 Euro inkl. Steuern und Gebühren. Oman Air fliegt sechs Mal pro Woche ab Frankfurt und vier Mal pro Woche ab München nach Delhi. Buchung unter www.omanair.com

Reiseführer: Dumont Reise-Handbuch „Indien. Der Norden“, 24,95 Euro.

Worauf man achten sollte: Für die Einreise nach Indien ist ein Visum erforderlich. Details gibt es hier.

Weitere Infos zu Impfempfehlungen und Gesundheitsrisiken

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