Fußball-Klubs machen in der 2. Liga nicht nur ein Minus bei TV-Geld, Sponsoring und Zuschauereinnahmen

Abstieg wird so teuer wie nie

Ohne Moos nix los: Beim Abstieg aus der Fußball-Bundesliga wird den Klubs viel Geld in den Kassen fehlen. Archivfoto:  dpa

Hannover. Für die Fans ist der Abstieg ihres Clubs aus der Fußball-Bundesliga ein emotionales Problem. Für die Vereine hingegen ist der Absturz in die Zweitklassigkeit vor allem ein finanzielles Desaster.

Viele Millionen kostet der sportliche Niedergang, in Hannover und Hamburg würden für die nächste Saison mindestens 30 Millionen Euro in der Kasse fehlen. Und genau das macht eine möglichst schnelle Rückkehr in die 1. Liga so schwierig: In den zurückliegenden zehn Spielzeiten gab es 26 Erstliga-Absteiger, aber nur viermal gelang das Comeback in der folgenden Saison.

FERNSEH-GELD

Die größte Minderung ergibt sich bei einem Abstieg aus den geringeren Einnahmen aus dem TV-Topf der Deutschen Fußball-Liga. Wie groß der Unterschied ist, hängt vor allem von der vorherigen Platzierung in der 1. Liga ab: Je höher die war, desto größer ist das Minus. Bei Hertha würden in der 2. Liga rund elf Millionen Euro aus der Fernsehvermarktung fehlen, bei den in den Vorjahren deutlich erfolgreicheren Hannoveranern sind es mehr als 20 Millionen. Langfristig ist der finanzielle Schaden sogar noch größer, denn selbst bei einem schnellen Wiederaufstieg fehlen wichtige Punkte für die Fünfjahreswertung.

ZUSCHAUER-EINNAHMEN

Je größer das Stadion ist, desto härter trifft ein Absturz die Clubs. Der VfB Stuttgart mit einer Arena für 60 000 Zuschauer muss daher mit einem deutlich größeren Minus rechnen als der SC Paderborn (15 000) und kalkuliert in der 2. Liga mit 35 000 Zuschauern. In Berlin kamen im letzten Zweitliga-Jahr rund 10 000 Zuschauer weniger als noch im Oberhaus. SPONSOREN-VERTRÄGE

Fast alle Clubs haben leistungsbezogene Verträge mit ihren Sponsoren, denn der Werbewert in der 2. Liga ist für die Unternehmen deutlich geringer. Der HSV kalkuliert im Falle des Abstieges beim Sponsoring mit einem Minus von zehn Millionen Euro. Besonders problematisch wird es, wenn Verträge auslaufen und neue Geldgeber gesucht werden müssen. Vor allem bundesweit agierende Unternehmen werben nicht gern mit einem Zweitligisten.

spielerKADER

Ein großer Wertverlust entsteht bei Profis, deren Verträge nur fürs Oberhaus gelten: Sie können ablösefrei gehen. Bei Hannover 96 trifft das Problem laut Manager Dirk Dufner auf ein Drittel der Spieler zu. Beim SC Freiburg scheint das kein Problem zu sein, weil alle Kontrakte auch für die 2. Liga gelten sollen. Andererseits haben einige Clubs Profis mit laufenden Kontrakten im Kader, die für die 2. Liga viel zu teuer und - wie Stuttgarts Ex-Torjäger Vedad Ibisevic - schwer vermittelbar sind.

VERTRAGSOPTIONEN

Manche Spieler haben sehr spezielle Ausstiegsklauseln. Laut 96-Manager Dufner reduzieren sich einige festgeschriebene Ablösesummen im Falle des Abstiegs. So soll Nationaltorwart Ron-Robert Zieler den Club beim Abstieg schon für drei Millionen Euro verlassen können - was eine Halbierung der Erstliga-Summe wäre.

MERCHANDISING

Wer kauft Trikots eines Absteigers? Fanartikel verlieren durch den Abstieg drastisch an Wert, denn nur hartgesottene Anhänger erwerben auch in der 2. Liga die neueste Kollektion. Alle anderen tragen - wenn überhaupt - die alten Trikots auf. Auch das Merchandising-Minus trifft große Clubs wie den HSV oder Stuttgart deutlich stärker als kleine Vereine wie Paderborn oder Freiburg.

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