Vor Ort bei zwei Bundesligaspielen: Sicherheit ist Thema, aber Fans feiern ihre Klubs

Alles gut in Wolfsburg

Die Polizei zeigt Präsenz: Auch in Frankfurt wurde vor dem Stadion verstärkt kontrolliert. Foto:  dpa

Kassel. Nach den Anschlägen von Paris und dem abgesagten Länderspiel in Hannover war es der erste Schritt zur Normalität. Auch wenn die Bundesliga-Fans vor den Stadien intensivere Kontrollen, Auto-Durchsuchungen und lange Wartezeiten beim Einlass und einen verspäteten Anstoß wie in Hamburg, Stuttgart oder Ingolstadt über sich ergehen lassen mussten, stand am 13. Spieltag wieder der Sport im Mittelpunkt. Eindrücke aus Wolfsburg und Frankfurt:

WOLFSBURG – BREMEN

Soeben hat der Reisebus aus Kassel auf dem Parkplatz vor der Wolfsburger Arena gestoppt, da klopft es an die Scheibe des Fahrers. Ein Polizist verschafft sich kurz ein Bild über die Reisegruppe – es sind die beiden Finalmannschaften des HNA/EAM-Cups für F-Jugendfußballer sowie Trainer, Eltern und Freunde.

Auf dem Weg ins Stadion wächst das mulmige Gefühl. Die Polizei ist präsent – überall. Aber kann sie wirklich überall sein? Beim Einlass wird akribisch kontrolliert. Gefühlt doppelt so viele Sicherheitsmitarbeiter als sonst nehmen alles unter die Lupe. Jacke auf, Tasche zeigen, Körperkontrolle – es dauert, bis man endlich an seinem Platz angekommen ist.

Die Schweigeminute vor dem Spiel lässt dann viele Erinnerungen wieder hochkommen. Erst recht, als der Kollege aus Frankfurt eine SMS mit den Worten „Alles gut in Wolfsburg?“ schickt. Ein kurzer Blick durch die Arena endet unter dem Sitzplatz einer Ordnerin, wo eine weiße Leinentasche liegt. „Da ist nur etwas zu Trinken drin“, entgegnet die Frau fast schon entschuldigend. Es ist wirklich alles gut in Wolfsburg.

Vor allem die VfL-Fans trauen ihren Augen kaum und bejubeln ein 6:0 gegen Bremen. Etwas anderes steht an diesem Samstag nicht im Vordergrund. Als die Fans das Stadion verlassen, gibt es das übliche Gedränge. Und dann geht plötzlich nichts mehr, als sich ein Menschenpulk weder vor- noch zurückbewegt. Ganz kurz stellt sich das mulmige Gefühl noch einmal ein – aber nur ganz kurz. Auf der Rückfahrt kehrt eine gewisse Erleichterung ein, diskutiert wird nur noch über Fußball.

FRANKFURT – LEVERKUSEN

Auf dem Weg mit dem Regionalexpress nach Frankfurt ist den Fußballfans kaum Unsicherheit anzumerken. Auch wenn die Sicherheitslage immer wieder Thema ist. Alles scheint umso normaler, je näher der Zug dem Rhein-Main-Gebiet kommt. Die Eintracht-Anhänger debattieren über Gott und die Welt sowie das anstehende Spiel gegen Leverkusen und stimmen Fangesänge an. Im Frankfurter Hauptbahnhof sowie am Stadion stehen nur wenig mehr uniformierte Polizisten als üblich. Laut Angaben der Verantwortlichen sind „viele Beamte unterwegs, die anders gekleidet und anders bewaffnet sind als gewohnt“.

Das Spiel verläuft ohne Zwischenfälle. Obwohl die Eintracht verliert, ist die Stimmung der Fans leidlich gut. Es scheint, als überwiege die Genugtuung darüber, dass die Normalität ein Stück weit zurückkehrte. „Wir hatten die ganze Woche lang Bedenken. Aber heute haben wir nur noch an das Spiel gedacht“, sagt eine Frankfurter Anhängerin und ihr Begleiter ergänzt: „Wenn man Angst hätte, dürfte man kaum noch irgendwohin gehen.“

Von Torsten Kohlhaase und Wolfgang Bauscher

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