Als Ersatz-Kapitän ins Olympia-Jahr

Wellinger startet ins "Super-Sprungjahr": Mehr als ein Ersatz-Freund

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Andreas Wellinger in Aktion bei der Qualifikation in Wisla.

Asien-Fan Andreas Wellinger startet erstmals als Nummer eins der deutschen Skispringer in den Winter. Sein Ziel: Severin Freund vertreten - und bei Olympia in Südkorea glänzen.

Wisla/Köln - Irgendwie passt Andreas Wellinger die Hatz durch den Olympia-Winter nicht ganz in den Kram. "Ich war im Urlaub auf den Philippinen, früher in Thailand. Es gibt so viele geile Orte und Kulturen, ich möchte am liebsten 365 Tage im Jahr reisen", sagt Deutschlands bester Skispringer vor dem Weltcup-Auftakt im polnischen Wisla am Wochenende: "Aber ich bin Sportler, da sind nur zwei Wochen am Stück drin."

Vor allem aber hat Asien-Fan Wellinger auf dem Weg Richtung Olympia in Pyeongchang eine große Aufgabe: Er muss Severin Freund ersetzen, den abermals schwer verletzten und auf Dauer außer Gefecht gesetzten Leitwolf der DSV-Adler. Dass der Ruhpoldinger die Rolle als erstmalige klare Nummer eins im Team ausfüllen kann, davon ist Bundestrainer Werner Schuster überzeugt.

"Andi ist seinem Vorbild Freund sogar nach München hinterhergezogen. Er ist noch einmal professioneller geworden und hat erkannt, dass es nur als Bruder Leichtfuß nicht geht", sagt Schuster über den zweifachen Vizeweltmeister, der am Freitag in der Qualifikation mit Rang vier eine erste Duftmarke hinterließ: "Die WM-Medaillen von Lahti haben ihm geholfen - dass es nicht Gold geworden ist, gibt sogar Energie. Und man darf nicht vergessen, dass er erst 22 ist."

Olympiasieg mit 18, Wiederholung mit 22?

2014 wurde Wellinger als 18-Jähriger mit dem deutschen Team Olympiasieger. Es folgten schwierige Jahre und Nackenschläge wie der schwere Sturz Ende 2014 in Kuusamo, aus denen das Ausnahmetalent gestärkt hervorging. "Ich glaube, man kann durch negative Erlebnisse oftmals mehr lernen als durch positive", sagt Wellinger.

Vier Jahre nach Sotschi ist er der Anführer der DSV-Adler und wohl der einzige aus dem damaligen Gold-Team, der in Pyeongchang dabei sein wird: Freund fällt nach erneutem Kreuzbandriss aus, Andreas Wank und vor allem Marinus Kraus sind außer Form und gehören in Wisla erst gar nicht zum deutschen Team. Richten soll es daher Wellinger. "Andreas hat gute Chancen, den Gesamtweltcup zu gewinnen. Er hat krafttechnisch im Sommer nochmal zugelegt", sagte der frühere Skisprung-Star Sven Hannawald bei t-online.de.

Andreas Wellinger.

Wellinger plötzlich der neue Kapitän der DSV-Adler

Dass im "Super-Sprungjahr" mit dem Viererpack aus Gesamtweltcup, Tournee, Flug-WM und Olympia alle Augen auf den neuen "Käpt'n" gerichtet sind, ficht ihn nicht an. "Das öffentliche Interesse sehe ich eher als Privileg", sagt Wellinger, "die größere Rolle spielt, wie viel Druck man sich selbst macht. Mein Ziel ist aber, die komplette Saison auf hohem Niveau zu springen, von November bis Ende März."

Im Vorjahr lief es nämlich zunächst unrund. Beim letzten Tourneespringen in Bischofshofen gewann Wellinger mit Schanzenrekord die Qualifikation - und schied am folgenden Tag im ersten Durchgang aus. Statt danach in ein Jammertal zu rutschen, nahm Wellinger die Pleite als Ansporn. In den letzten 15 Saisonspringen flog er zwölfmal auf das Podium, feierte in Willingen seinen zweiten Weltcupsieg, drei Jahre nach dem Premieren-Erfolg in Wisla, wo nun die Saison beginnt.

Wellinger bei Skiflug-WM in Oberstdorf Medaillenkandidat

An diese Erfolge will er anknüpfen, die Knieprobleme aus dem Sommer sind vergessen, Wellinger gehört neben Stefan Kraft und Peter Prevc zu den großen Favoriten. Vor allem bei der Skiflug-WM in Oberstdorf (19. bis 21. Februar) kann der Top-Flieger, der im März Freunds deutschen Rekord (245,0) egalisierte, seinen Stärken ausspielen

"Wenn man in der richtigen Position ist, ist das Fliegen ein wirklich geiles Gefühl", sagt Wellinger. Und dann können auch Philippinen-Reisen nicht mit einem achtsekündigen Flug ins Tal mithalten.

sid

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