Handball-Nationaltorhüter Wolff auf Weg zum Rundum-Sportstar 

Der Begehrte: Andreas Wolff schreibt auch nach dem 22:29 gegen Melsungen fleißig Autogramme.

Kassel. Nach einem Spiel mit Andreas Wolff zu sprechen, ist eine herausfordernde Aufgabe. Erst gibt er am Seitenrand des Spielfeldes Autogramme und schreibt auf Handbälle, T-Shirts und Eintrittskarten. Dann hat er kurz Zeit, bis die Cheerleaderin ihn bittet, mit aufs Foto zu kommen.

Also geht Wolff mit der Cheerleaderin zu den anderen Cheerleaderinnen, stellt sich zu ihnen ins Tor und lässt sich fotografieren. Dann spricht der 24-Jährige ein paar Sätze, ehe die Frau vom Fernsehen kommt und ihn abzieht, weil er gleich auf Sendung sein soll. Und so geht das dann noch eine Weile.

Andreas Wolff ist längst mehr als ein Handball-Torwart. Er ist eine der größten Hoffnungen seiner Sportart, die auf einen neuen Star wartet, der schon bald auf einer Stufe stehen kann mit all den berühmten Fußball-Weltmeistern und diesem einen Vettel aus der Formel 1. Der überraschende Europameistertitel der deutschen Nationalmannschaft hat Wolff zumindest in die erste Reihe der medialen Aufmerksamkeit gespült. Wolff startete als Torwart Nummer zwei, dann glänzte er mit Paraden, bei denen er seine Beine fast bis an die Hallendecke streckte. Fortan ist er für viele ein Grund mehr, zum Handball zu gehen.

Wolf(f) schauen – das ist mittlerweile eine Attraktion auch fernab der Zoos dieser Welt. Vor der Partie seiner HSG Wetzlar in Kassel gegen die heimische MT Melsungen lässt sich das gut beobachten. Wolff macht sich warm. Der 1,98 Meter große Torhüter dehnt sich, legt den rechten Fuß an die obere Torstange, als ob er aus Gummigelenken bestünde. An den Seiten stehen die Zuschauer hinter den Banden, fertigen Videos und machen Fotos.

Diese Masse setzt sich nicht nur aus Teenies zusammen, sondern auch aus einer Reihe Männer jenseits der 40, die Wolff irgendwie faszinierend finden. Reinhard Losse, 67 Jahre alt, aus Warburg sagt: „Es ist toll, wie ein Mann von dieser Größe so gelenkig sein kann und eine solche Ruhe ausstrahlt.“ Und außerdem: „Er ist ein Typ, der sympathisch rüberkommt.“

Für Wolff ist das die Eintrittskarte in eine Welt, die nicht nur aus Handball besteht. Nach dem EM-Triumph ist Wolff fast öfter im Fernsehen gewesen als die Mainzelmännchen: Heute Sportstudio im ZDF, morgen Fußball-Stammtisch bei Sport 1, übermorgen Auslosung der Pokalhalbfinals in der ARD. Wolff ist überall, weil alle erkannt haben, dass er unterhaltsam ist und ankommt.

Er genießt alles, sagt er. Zugleich sieht er dieses Mammutprogramm auch als Chance für seinen Sport, nach der EM mehr Anhänger zu begeistern. Er will da sein, wenn der Markt ihn verlangt. Ganz nebenbei möchte er Andreas Wolff bleiben – der Mann, der im Rheinland aufgewachsen ist und nun nach Kiel wechselt. Dass er sich bisher nicht verändert hat, bestätigt Hilmar Dutine vom Wetzlarer Fanclub Grün-Weiss: „Er ist nach wie vor sehr offen, sehr selbstbewusst und sehr ehrgeizig.“

Als Wolff das Foto mit den Cheerleaderinnen macht, grinst er breit, obwohl er gerade haushoch verloren hat. „Naja“, sagt er, „man kann das Lächeln ja auch stellen.“ Ein Schlitzohr ist er auch noch.

Von Florian Hagemann

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.