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Fatih Arda Ipcioglu: Auch gebrochene Beine brachten ihn nicht vom Skispringen ab

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Von: Maximilian Bülau

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Fatih Arda Ipcioglu.
Er schreibt Geschichte: Der türkische Skispringer Fatih Arda Ipcioglu ist ein Pionier in seinem Heimatland. © Imago/Geisser

„Wir Türken kommen!“ Fatih Arda Ipcioglu rief diesen Satz am 29. Dezember 2021 euphorisch in ein ARD-Mikrofon. Gerade hatte sich der 24 Jahre alte Türke den 29. Platz beim ersten Springen der 70. Vierschanzentournee in Oberstdorf gesichert – und damit auch zwei Weltcup-Punkte.

Es waren die ersten für einen türkischen Springer überhaupt. Bei der Ausgabe 2017/18 hatte Ipcioglu bereits als erster Türke am größten Skisprung-Event des Jahres teilgenommen, war damals aber zweimal in der Qualifikation gescheitert.

Ipcioglu ist ein Pionier. Und für ihn ist es gerade ohnehin eine geschichtsträchtige Zeit. Beim Saisonauftakt im russischen Nischni Tagil hatte er sich als erster türkischer Skispringer für einen Weltcup qualifiziert. Selbstverständlich war er 2016 auch der erste Türke, der Punkte im Continental Cup sammelte. In diesem Wettbewerb trat er im vergangenen Jahr in Willingen an – innerhalb von 24 Stunden landete er damals allerdings nur auf den Plätzen 53, 47, 48 und 45. Immerhin sprang er am 5. Februar des vergangenen Jahres im Upland aber seine Bestweite von 130 Metern. Ob er in diesem Jahr nun beim Weltcup-Springen dabei sein wird, ist derzeit noch offen. Die Starterliste wurde aufgrund der vielen – coronabedingten – Wechsel noch nicht veröffentlicht.

Wo Ipcioglu aber definitiv starten wird, sollte er von einer Corona-Infektion verschont bleiben, sind die Olympischen Spiele in Peking im Februar. Bereits vor vier Jahren im südkoreanischen Pyeongchang war er dabei und sogar Fahnenträger der Türkei. Nun wird er zusammen mit seinem Landsmann Muhammet Irfan Cintimar wieder versuchen, Geschichte zu schreiben. Er sagt selbst: „Wir fahren zwar nicht hin, um Medaillen zu holen. Aber für uns sind das trotzdem wichtige Spiele.“ Von seinem Weg lässt er sich ohnehin nicht abbringen.

Der 24-Jährige stammt aus Erzurum in Ostanatolien. Dort fand 2011 die Winter-Universiade statt. Deswegen steht dort seit 2010 eine moderne Schanze. Erzurum ist auch der türkische Wintersport-Stützpunkt. Mit elf Jahren begann Ipcioglu mit dem Skispringen – gegen den Widerstand seiner Eltern. Seine Mutter appellierte an ihn: „Geh da nicht hin“, erzählte der Sohn einmal. Als er sich die Beine beim Springen brach, wiederholte sie ihre Bitte. Ohne Erfolg.

Ipcioglu erzählte in einem Interview: „Es ist kein normaler Sport. Ich mag extreme Sportarten, mag es, etwas anderes zu machen als alle anderen. Vorher bin ich alpin gefahren.“ Und der Türke hat eine ganz besondere Hoffnung: eine Fünfschanzentournee mit seinem Heimatort Erzurum als fünftem Standort. Das wäre dann seine größte Geschichte. (Maximilian Bülau)

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