1. Startseite
  2. Sport

Babypause für Kejeta statt Bestzeiten

Erstellt:

Von: Martin Scholz

Kommentare

Mal ohne Sportkleidung: Melat Kejeta mit ungewohntem Erscheinungsbild.
Die Läuferin Melat Kejeta mit ungewohntem Erscheinungsbild. © Privat/nh

Die Zielgerade liegt vor ihr. Allerdings nicht die nach 42,195 Kilometern, sondern die nach neun Monaten. Melat Yisak Kejeta, Deutschlands beste Marathonläuferin, bekommt in den nächsten Tagen eine Tochter und ist damit jetzt auch an die Öffentlichkeit gegangen. „Im Moment mache ich ein paar Veränderungen in meinem Leben durch“, schrieb die 29-Jährige zunächst auf Instagram und freute sich öffentlich darüber, „mit einer Schwangerschaft gesegnet“ zu sein.

Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht Kejeta, die zunächst in Baunatal lebte aber inzwischen seit mehr als einem Jahr in Ahnatal wohnt, über das Baby, das in den nächsten Tagen zur Welt kommen soll. „Für mich ist es eine neue Erfahrung, auf die ich mich sehr freue“, sagt die gebürtige Äthiopierin, die 2016 von ihrem inzwischen verstorbenen Trainer Winfried Aufenanger zunächst zum PSV Grün-Weiß Kassel und dann vor knapp drei Jahren zum Laufteam Kassel geholt worden war.

Unter Aufenangers Führung avancierte Kejeta in den vergangenen zwei Jahren zur besten deutschen Langstrecklerin und gehörte bisher auch zum Nationalkader. Auf der Königsdistanz, dem Marathon, hatte Kejeta zuletzt gleich zweimal aufhorchen lassen: so erzielte sie im September 2019 in Berlin mit 2:23:57 Stunden eine Weltklassezeit und erreichte zudem beim Hitze-Marathon der Olympischen Spiele im vergangenen Jahr den sechsten Platz. Sowohl ihr damaliger Trainer Winfried Aufenanger als auch die Bundestrainerin Dörre-Heinig attestierten der sehr selbstständig trainierenden Athletin ein beachtliches Entwicklungspotenzial.

Dieses liegt erstmal zugunsten des Babys auf Eis. „Ich weiß nicht, ob ich in diesem Jahr noch einen Wettkampf bestreiten werde. Ich hoffe jetzt erst einmal, dass meine Tochter gesund zur Welt kommt und ich im kommenden Jahr wieder laufen kann“, sagt Kejeta, die sonst zum Kader des Deutschen Leichtathletik-Verbandes bei den Weltmeisterschaften in Oregon im Juli gezählt hätte.

Auf eine Rückkehr in diesen Kader hofft auch die Bundestrainerin Dörre-Heinig bestätigt: „Viele Frauen sind im Laufsport nach der Geburt eines Kindes sogar noch stärker zurückgekommen. Melat ist eine absolute Top-Athletin, und ich gehe davon aus, dass wir sie künftig wieder im Kader für internationale Top-Ereignisse haben werden“, sagt die 60-Jährige.

Bis es soweit ist, dürfte es jetzt erstmal eine Weile dauern. Derweil kann sich Melat Kejeta auf einige Mitglieder des Laufteams Kassel verlassen. In Ahnatal würden auch Michael Aufenanger, der Organisationschef des Kasseler Marathons, und seine Mutter Brigitte und Ehefrau Sarah aushelfen, falls es notwendig werden sollte: „Falls Melat uns braucht, werden wir natürlich helfen“, sagt Aufenanger, der die Läuferin – wie bereits zuvor sein Vater – bei bürokratischen Problemen unterstützt. „Natürlich hoffen wir, dass es danach für Melat mit dem Spitzensport weitergeht, aber erst einmal ist es wichtig, dass das Kind gesund auf die Welt kommt.“

Melat Kejeta zählt derweil die Tage bis zur Geburt ihrer Tochter. Rund drei Monate will sie dann erstmal warten, bis die erste gemeinsame Flugreise auf dem Programm steht: „Dann werde ich meine Mutter in Äthiopien besuchen. Die Kleine soll in meiner alten Heimat getauft werden, und meine Mutter freut sich bereits sehr darauf“, sagt die bekennende Christin. (Martin Scholz)

Zur Person: Melat Kejeta (29) wurde in Äthiopien geboren und startete auch dort ihre Laufkarriere. 2013 suchte Kejeta, die zur Volksgruppe der Oromo gehört, Zuflucht in Deutschland. Zunächst startete sie für die LG Eintracht Frankfurt, wechselte aber 2016 zunächst zum PSV Grün-Weiß Kassel und später zum Laufteam Kassel unter dem im vergangenen Oktober verstorbenen Trainer Winfried Aufenanger. Vor rund drei Jahren erhielt Kejeta in Baunatal die deutsche Staatsbürgerschaft und lebt heute in Ahnatal. 2020 wurde sie Vize-Weltmeisterin im Halbmarathon und 2021 Sechste im Marathon bei den Olympischen Spielen in Japan. Ihre Bestzeiten liegen bei 2:23:57 Stunden (Marathon) und 1:05:18 (Halbmarathon).

Auch interessant

Kommentare