Einer der besten Fußballer und Trainer aller Zeiten wurde nur 68 Jahre alt

Trauer um Johan Cruyff: Der Ball verliert seinen besten Freund

2011: Johan Cruyff als 63-Jähriger.

Kassel. Manche nennen Pelé, andere finden Lionel Messi besser, aber viele Fans sind fest davon überzeugt, dass der beste Fußballspieler aller Zeiten den Namen Johan Cruyff trug.

„Ich habe das Gefühl, mit 2:0 in der ersten Halbzeit eines Spiels vorn zu liegen, das noch nicht zu Ende ist. Aber ich bin mir sicher, dass ich es gewinnen werde.“ Das sagte Johan Cruyff vor sechs Wochen. Er hat sich geirrt. Cruyff ist am Donnerstag an Lungenkrebs gestorben. Er wurde 68 Jahre alt. Wir würdigen einen großartigen Fußballer, Trainer und Menschen.

DER FUSSBALLSTAR

1974: WM-Zwischenrundenspiel gegen Argentinien im Gelsenkirchener Parkstadion.

Johan Cruyff war ein Alleskönner, für den es keine feste Position gab. Der Holländer aus Amsterdam tauchte auf dem ganzen Spielfeld auf. Nicht selten ließ er sich den Ball vom Torwart am eigenen Strafraum zuspielen, um einen Angriff einzuleiten. Wenig später bewegte sich Cruyff schon in der Nähe des gegnerischen Strafraums, und oft krönte er die von ihm eingeleiteten Angriffe mit einem Treffer.

Mit seinen wichtigsten Klubs Ajax Amsterdam, FC Barcelona und Feyenoord Rotterdam gewann Johan Cruyff alles, was es zu gewinnen gab, aber das wichtigste Spiel seiner legendären Laufbahn verlor er mit der Nationalmannschaft der Niederlande. Am 7. Juli 1974 wollte sich die damals weltbeste Mannschaft mit einem Sieg im WM-Finale in München gegen Deutschland selbst krönen. Aber Cruyff wurde von Deutschlands Terrier Berti Vogts nahezu ausgeschaltet. Die Niederlande unterlagen mit 1:2, und Johan Cruyff musste seinem großen Kontrahenten Franz Beckenbauer gratulieren.

Die Holländer aber waren die Weltmeister der Herzen, denn ihr Trainer Rinus Michels und Cruyff hatten den „Voetbal Totaal“ erfunden. Langeweile war ein Fremdwort, nicht eine Sekunde hatten die Gegenspieler Zeit zum Luftholen, die Holländer hatten großen Spaß am offensiven Spiel.

DER TRAINER

Es war logisch, dass Johan Cruyff sofort nach seiner Karriere als Spieler Trainer wurde. Und es war auch keine Überraschung, dass er als Coach von Ajax Amsterdam den „Voetbal Totaal“ weiterentwickelte. Allerdings verpasste Cruyff damals - 1985 bis 1988 - die holländische Meisterschaft jeweils knapp. Dafür holte sich Ajax 1987 den Europapokal der Pokalsieger. Das Endspiel gewann Amsterdam gegen Lokomotive Leipzig mit 1:0. Sein Gegner auf der Trainerbank war damals Hans-Ulrich Thomale, der spätere Coach des KSV Hessen. Noch besser lief es beim FC Barcelona. Johan Cruyff formte ein Team, das als spielerisch beste Mannschaft der Welt galt und gleichzeitig jede Menge Titel sammelte.

DAS ABSCHIEDSSPIEL

Sechs Jahre vor seinem tatsächlichen Karriereende bestritt Johan Cruyff ein legendäres Abschiedsspiel. Am 7. November 1978 gastierte der FC Bayern in Amsterdam, fühlte sich von den Gastgebern schlecht behandelt und rächte sich mit einem 8:0-Sieg. 2006 bat Karl-Heinz Rummenigge Cruyff für die „Beleidigung von 1978“ um Verzeihung.

ABSEITS DER STADIEN

Johan Cruyff hatte nicht nur Fußball im Kopf, was bei seinem ersten Vereinswechsel besonders deutlich wurde. 1973 buhlten die beiden großen spanischen Klubs um den damals weltweit besten Fußballspieler. Obwohl Real Madrid das finanziell bessere Angebot machte, entschied sich Cruyff für den FC Barcelona. Er zog die Katalanen den Madrilenen vor, weil er nicht für einen Klub spielen wollte, der mit dem spanischen Diktator Franco in Verbindung gebracht wurde. Cruyffs früher Tod ist vermutlich die Folge seines exzessiven Zigarettenkonsums. Er schaffte 80 Stück pro Tag und rauchte sogar während der Halbzeitpausen. Johan Cruyff hinterlässt seine Ehefrau Danny und drei erwachsene Kinder, darunter den ehemaligen Profi Jordi.

Die Top 10 Tore von Johan Cruijff im Video:

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