„Im Ziel hätte ich fast geheult“

Baunataler Hürdensprinterin Dutkiewicz stürmt zum Meistertitel

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Komplett überwältigt: Pamela Dutkiewicz (rechts) kommt als Erste mit großem Vorsprung vor Ricarda Lobe ins Ziel. 

Sie hat es geschafft. Die aus Baunatal stammende Leichtathletin Pamela Dutkiewicz wurde bei der Deutschen Meisterschaft in Erfurt ihrer Favoritenrolle gerecht und ist in 12,82 Sekunden zum Titel über 100 Meter Hürden gestürmt.

Emotionaler geht kaum: Überwältigt von ihren Gefühlen breitete Pamela Dutkiewicz die Arme aus, blickte Richtung Himmel und kämpfte mit den Tränen. „Im Ziel hätte ich fast geheult“, sagt die aus Baunatal stammende Leichtathletin des TV Wattenscheid nach ihrem Triumph bei der Deutschen Meisterschaft in Erfurt über 100 Meter Hürden. Nach 12,82 Sekunden sei sie einfach nur erleichtert gewesen.

Kein Wunder. Um ein Haar hätte sie wegen eines viralen Infekts nicht starten können im Erfurter Steigerwaldstadion. Seit Dienstag kämpfte die 25 Jahre alte Studentin für Grundschullehramt mit Kopf- und Gliederschmerzen. Ein Meeting in Lausanne am Donnerstag musste sie absagen. „Die Ärzte haben bis zum Schluss alles gegeben“, berichtet Dutkiewicz. Am Freitag wurde ihr Blut noch einmal untersucht – die Mediziner hoben den Daumen. Und so sprintete die Olympia-Zwölfte vom Krankenbett direkt auf den deutschen Thron.

Ganz so einfach lief die Sache trotz des deutlichen Vorsprungs von fast drei Zehntelsekunden im Finale aber nicht. „Ich musste das Ganze vor allem mental wegstecken. Die Frage war: Machen meine Beine mit?“, sagt Dutkiewicz. Sprinter seien nun mal sensibel. Richtig gut gefühlt habe sie sich immer noch nicht. Der Vorlauf machte ihr Mut, „und im Endlauf habe ich versucht, meinen Kopf abzuschalten“.

Da war er dann, der erste Deutsche Meistertitel im Freien. Im Vorjahr bei der Heim-DM in Kassel war sie noch vom Pech verfolgt, als sie im Vorlauf stürzte. Aber in diesem Jahr ist die Baunatalerin nicht zu stoppen. Nicht mal von einem Infekt. Bereits im Winter stürmte sie in der Halle zum nationalen Titel. Es folgte ein dritter Platz bei der Europameisterschaft. Die Leistungen bestätigt sie nun während der Freiluft-Saison. Sie gewann bei ihrer Diamond-League-Premiere in Oslo, sie steigerte ihre Bestzeit auf 12,61 Sekunden – und damit ist sie aktuell die Top-Läuferin in Europa.

Keine Frage, bei Dutkiewicz ist der Knoten geplatzt. Dafür nennt sie mehrere Faktoren: Weniger Gewicht, ein freier Kopf, das ganze Drumherum laufe professioneller ab, „und ich hatte im Winter ein sehr gutes Trainingslager in Südafrika. So etwas hatte ich in der Form noch nie“, sagt die Sprinterin mit den schwarzen Haaren und den perfekt manikürten, langen roten Fingernägeln. Aber vor allem: „Das Gefühl ist da, ich bin in einem Flow und muss nicht viel nachdenken.“

Dieser Flow führt dazu, dass die sympathische Leichtathletin als Medaillenhoffnung für die Weltmeisterschaft in London gehandelt wird. Das sei schon Wahnsinn, sagt Dutkiewicz. Denn sie kennt andere Zeiten. Als sie mit sich und ihrem Körper nicht im Reinen war und von Selbstzweifeln geplagt wurde. Heute steht sie da als Deutsche Meisterin. Strotzt vor Selbstsicherheit. Da darf dann schon mal ein Tränchen der Freude fließen.

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