100 Meter Hürden

Baunatalerin erringt bei Leichtathletik-WM in London Bronze 

Beißen bis zum Schluss: Pamela Dutkiewicz (Mitte) beim Schlusssprint mit der neuen Weltmeisterin Sally Pearson aus Australien (rechts) und der zweitplatzierten Dawn Harper Nelson aus den USA. Am Ende holte die Baunatalerin Bronze. Fotos:  dpa

Kassel. Die Deutschlandfahne lag noch zusammengefaltet in ihrer Hand, ihre Augen weit aufgerissen und feucht von Tränen. Kurz nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei der Leichtathletik-WM in London über 100 Meter Hürden war nicht zu übersehen, dass die Baunatalerin Pamela Dutkiewicz überwältigt war und ihren Erfolg nicht fassen konnte.

Ihr Freund Maik Emmerich kämpfte sich durch eine Wand aus Reportern, nahm die 25-Jährige in den Arm. „Oh mein Gott. Das ist so krass“, war alles, was sie herausbekam. Dann holte sie sich einen Kuss ab und ging immer noch leicht ungläubig auf die Ehrenrunde.

Auf Facebook schrieb Dutkiewicz nachts um drei Uhr: „WM-Bronze!!! Ich kann es nicht fassen! Unfassbar wie viele mitgefiebert haben und jetzt mit mir glücklich sind. Danke!“ Platz drei ist für die Baunatalerin eine Sensation. Sie selbst hatte sich das Finale als Ziel gesetzt, aber nie von einer Medaille geträumt, wie sie hinterher im TV-Interview sagte.

Zu diesem Zeitpunkt am Samstagabend, als Dutkiewicz nach 12,72 Sekunden die Ziellinie überquerte, da hatte Deutschland zwei Medaillen gewonnen – beide von Nordhessinnen. Vor der Baunatalerin hatte ja Carolin Schäfer aus Bad Wildungen schon Silber im Siebenkampf geholt.

Doch zunächst sah es gar nicht so aus, als würde Dutkiewicz diese Sensation gelingen. Der Start war nicht besonders gut, die ersten beiden Läuferinnen klar vorn. Doch dahinter bewegten sich einige Frauen auf Augenhöhe. „Ich hatte einen schlechten Start, wollte besonders vorsichtig sein“, erklärte die 25-Jährige hinterher. Im Halbfinale hatte sie zu früh gezuckt, war aber nicht losgelaufen. Der Versuch war daraufhin abgebrochen, aber nicht als Fehlstart gewertet worden.

Vor Dutkiewicz, die für den TV Wattenscheid startet, landeten an diesem Abend nur Dawn Harper Nelson aus den USA (12,63 Sekunden) und die neue Weltmeisterin Sally Pearson (12,59) aus Australien. Hinter der Baunatalerin kam die US-Amerikanerin Kendra Harrison in 12,74 Sekunden ins Ziel – die übrigens amtierende Weltrekordhalterin in dieser Disziplin ist (12,20 Sekunden).

Ihre Ehrenrunde hat sich Dutkiewicz so absolut verdient. Später im ARD-Interview erzählte sie aber, dass sie diese fast vergessen hätte. „Ich habe gar nicht daran gedacht. Ich habe dann zurückgeschaut und gesehen, wie Sally und Dawn Harper diese Ehrenrunde drehen. Und dann dachte ich: Mein Gott, du kannst dir doch diesen Moment nicht nehmen lassen. Es ist der Wahnsinn. Das war so schön.“

Ihre Sprache hatte die 25-Jährige da wiedergefunden, überwältigt war sie aber immer noch. „Ich befürchte, dass das noch ein bisschen brauchen wird, bis es angekommen ist. Das Finale war mein Ziel. Aber ich habe auch immer gesagt, dass dann alles möglich ist. Denn vor jeder von uns stehen zehn Hürden. Es ist eine technische Aufgabe und es können Fehler passieren. Aber man kann auch so viel gutmachen und sich ranbeißen“, sagte sie.

Beißen und kämpfen, das kann sie. Dutkiewiczs Schlusssprint war unwiderstehlich – und brachte ihr diese Medaille. Und jetzt? Jetzt gibt’s eine Belohnung. Zeit mit Familie und Freunden, ein gutes Essen und ein bisschen shoppen, das will sich Dutkiewicz nun gönnen. Wir sagen: Glückwunsch, du hast es dir verdient!

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