Ausgeflippte Fans, nervenstarke Profis

Abgetaucht in eine Parallelwelt: Beim Darts-Turnier in der Göttinger Lokhalle

Normal geht nicht beim Darts: Diese drei Fans verkleideten sich als Dartscheiben. Foto:  Jelinek

Göttingen. Die Lokhalle in Göttingen wurde am Wochenende zum Lokhalley Palley - so bezeichnete sie der Veranstalter bei Facebook.

Drei Tage lang waren die internationalen Darts-Stars in Niedersachsen zu Gast, die man sonst vor allem aus dem Ally Pally in London kennt, wo jedes Jahr die Weltmeisterschaft stattfindet. Den Sieg bei der European Darts Trophy sicherte sich der Weltranglistenerste Michael van Gerwen aus den Niederlanden. Am Finaltag waren wir vor Ort.

Das Sportliche

Darts - das ist viel Show, Bier und verkleidete Fans. Aber in Göttingen waren eben auch fast alle Topspieler dabei, die der Sport zu bieten hat. Einzig Phil Taylor, Gary Anderson und Raymond van Barneveld fehlten, der Österreicher Mensur Suljovic sagte kurzfristig ab. So war das Niveau hoch. Im Finale spielte van Gerwen gegen den Engländer Rob Cross. Der ist so etwas wie das aufstrebende Talent auf der Tour.

Der Sieger und der Unterlegene: Michael van Gerwen (links) aus den Niederlanden holte sich den Sieg bei der European Darts Trophy in der Göttinger Lokhalle. Im Finale bezwang er den Engländer Rob Cross (rechts) 6:4. Foto: Michael Braunschädel, PDC Europe

Der 27-Jährige ist erst seit 2016 bei der PDC (Professional Darts Corporation) am Start, schlug Keegan Brown (6:2), Michael Smith (6:3) und Kim Huybrechts (6:1) - dann musste er sich im Finale dem ein Jahr älteren van Gerwen mit 4:6 selbst geschlagen geben. Es war aber durchaus ein spannendes Match, Cross hatte auch beim Stand von 4:5 aus seiner Sicht die Chance, van Gerwen zu breaken und das entscheidende Leg dann selbst zu beginnen. Aber er zeigte Nerven - und da war der Niederländer dann da. Der sorgte mit einem 160er- und einem 150er-Finish für Höhepunkte in diesem Endspiel. Und sicherte sich schließlich rund 28 200 Euro Preisgeld.

Die Überraschung

Die gab es schon früh. Der Weltranglistenzweite Peter Wright aus Schottland scheiterte bereits in der dritten Runde am Belgier Huybrechts. Die Fans versuchten, ihn mit dem Mallorca-Hit „Keine Panik auf der Titanic“ von Jürgen Drews bei Rückstand noch einmal aufzubauen. Das zeigte kurz Wirkung. Am Ende hieß es aber trotz eines 110-Punkte-Durchschnitts 3:6 aus seiner Sicht.

Die Atmosphäre

Wer die Lokhalle betrat, dem musste das ein bisschen wie ein Tor zu einer Parallelwelt vorkommen. Der abgedunkelte Veranstaltungsort ließ das sonnige Herbstwetter draußen vergessen. Die Uhrzeit verschwamm völlig. Mit dem Start der ersten Session um ein Uhr mittags waren die Bierzelt-Tische der rund 3500 Zuschauer auch mit Bierbechern gefüllt, darauf Bilder ihrer Darts-Idole.

Das führte dazu, dass Mancher schon um vier Uhr schwankend in Richtung Toilette unterwegs war. Mal ein Mann mit einem Huhn auf dem Kopf, mal eine wandelnde Dartscheibe, auch das Oktoberfest-Outfit musste noch einmal herhalten. Denn eins ist sicher: Normal angezogen kommt keiner zum Darts.

Die Musik

Musik spielt beim Darts eine große Rolle. Und sie sorgt bei Neulingen vielleicht auch mal für einen kurzen Schockmoment. Da wird zum Beispiel zuerst „You’ll never walk alone“ gespielt - die ganze Halle grölt mit. Anschließend geht’s weiter mit dem Schlager „Die immer lacht“. Puh, durchatmen bei Musikliebhabern. Den Zuschauern ist das aber ganz egal. Sie singen alles mit.

Und jeder Spieler hat natürlich auch einen Einlaufsong: Beim Engländer Dave Chisnall war das „Hier kommt Alex“ von den Toten Hosen. Immer wenn’s nach Deutschland geht, läuft er mit einem deutschen Lied ein. Chisnall kam dann bis ins Viertelfinale. Da verlor er gegen Huybrechts 4:6.

Die Rückkehr

Die Rückkehr nach Göttingen wird es im kommenden Jahr geben. Mehr als 16.000 verkaufte Karten und ein neuer Zuschauerrekord auf deutschem Boden am Sonntagabend - 3524 - waren überzeugend.

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