Auswärtsschreck mit Trick: „Verletzter“ El-Amin führt BG zum Auswärtserfolg

Spieler des Abends in Tübingen: Göttingens Spielmacher Khalid El-Amin (hier rechts beim Spiel in München) dirigierte und führte die Veilchen zum Sieg bei den Walter Tigers. Foto: dpa

Tübingen. Die BG Göttingen hat ihren Ruf als „Auswärtsschreck“ der Basketball-Bundesliga nachhaltig manifestiert. Beim schwachen Tabellenvorletzten Walter Tigers Tübingen fuhren die Veilchen schon ihren vierten Auswärtssieg ein. Nach dem 83:72 (44:32) traten sie zufrieden die Heimfahrt vom zweitweitesten Auswärtsgegner an.

Mit jetzt fünf Siegen und 10:12 Punkten stehen die Veilchen glänzend da. Verantwortlich dafür war vor allem ein Mann: Khalid El-Amin, der den Unterschied in dieser nicht unbedingt auf hohem Niveau stehenden Begegnung ausmachte. Noch eine Stunde vor dem Spiel meinte BG-Coach Johan Roijakkers, dass der 50-malige NBA-Spieler (Chicago Bulls) nur zum Aufwärmen auf dem Parkett stand. Beim Tip-off befand sich El-Amin aber sogar in der starting five. Ungläubiges Staunen bei allen Beteiligten über den gelungenen Trick!

Verschleierungs-Taktik

Roijakkers hatte in der vergangenen Woche offenbar alles richtig gemacht. An einen Einsatz von dem erfahrenen Spielmacher sei nicht zu denken, ließ er mehrfach verlauten. Die Bauchmuskelverletzung ließe Basketball auf Top-Niveau noch nicht zu. Frühestens könne der sechsfache Vater erst wieder in Hagen spielen. Johan, das Poker-face! Tübingen in vermeintlicher Sicherheit gewogen – und dann mit El-Amin zugeschlagen. So wurde dem 35-jährigen Amerikaner hinterher auch die Tübinger Ehre zuteil, zum „Man of the Match“ gewählt zu werden. Dafür gab’s einen Geschenkkorb und erklärende Worte von El-Amin: „Meine Verletzung ist immer besser geworden. Das ist mein Job, so zu spielen.“

El-Amin wurde wieder einmal zum „Gehirn“ der Veilchen. Nach 45 Sekunden handelte er sich sein erstes Foul ein, leistete sich in der ersten Halbzeit vier Ballverluste. Marginalien aber gegenüber dem Effekt, den er der BG gab: Drei Dreier bis zur Pause, am Ende sechs von sieben Freiwürfen und 21 wichtige Punkte. „Die BG hat schlauer gespielt als wir“, meinte Tigers-Coach Igor Perovic. Das lag nicht zuletzt an El-Amin, der wieder ganz der inspirierte Dirigent war, auch mal einen schnuckeligen Rückhandpass einstreute. Auf der Spielmacher-Position war die BG somit eindeutig im Vorteil.

Im Nachteil war sie – wieder nicht überraschend – auf den langen „Inside“-Positionen. Da dominierte Tübingens Russe Anatoly Kashirov mit 19 Punkten, ihn konnten die Veilchen ebenso wenig ausschalten wie Michael Cuffee, der von innen und außen traf (25). Diese beiden Tigers waren aber auch schon die einzigen Aktivposten der Schwaben, der 21 Ballverluste hatten.

Abgeklärt und nervenstark

Bemerkenswert erneut auch, welche Abgeklärtheit und Nervenstärke die Göttinger auswärts bei kritischen Situationen entwickelt haben. Nach 16-Punkte-Führung (50:34, 22.) kam Tübingen im dritten Viertel auf 51:55 (27.) heran und im vierten sogar auf 69:71 (36.). Die Halle wurde zum Hexenkessel, aber die BG blieb cool, verwandelte nach elf Dreiern nun auch ihre Freiwürfe (82 Prozent). Zehn Offensiv-Rebounds gaben ihr wichtige zweite Chancen.

„Wir waren einige Mal zu fahrig, haben uns selbst in den Fuß geschossen“, monierte Roijakkers. „Aber als wir mit Geduld gespielt haben, bekamen wir viele offene Würfe“, lächelte er. Nachdem seine Landsleute Huntelaar, van der Vaart, Verhaegh und Robben in der Fußball-Bundesliga getroffen hatten, setzte Roijakkers den „Tag der Niederländer“ erfolgreich fort. (gsd)

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