Göttingen ist die einzige deutsche Stadt mit einem Männer- und Frauen-Bundesligisten

Die Basketball-Hauptstadt

„Wir sind zurück!“, steht auf den Aufstiegsshirts der BG-Ladies von 2015. Die alte Jahreszahl wurde nun durchgestrichen und durch 2017 ersetzt. Vor zwei Jahren hatten die Göttingerinnen die Bundesliga um Haaresbreite verpasst. Rechts Trainer Giannis Koukos. Foto: Jelinek/gsd

Göttingen. Um 19.40 Uhr am vergangenen Samstag war der Aufstieg perfekt perfekt: Neben den Männern der BG Göttingen spielen in der nächsten Saison auch die Frauen der BG 74 Göttingen – die „Veilchen Ladies“ – in der Basketball-Bundesliga. Damit ist die Uni-Stadt jetzt die einzige in Deutschland mit einem Männer- UND Frauen-Erstligisten in dieser Sportart. Wir beleuchten Teams und Perspektiven.

BG 74 Veilchen Ladies

Getragen wird das Halb-Profi-Team von einer „Unternehmer-Gesellschaft“ (UG) mit Geschäftsführer Richard Crowder, der als Banker in Hannover arbeitet. Die UG ist aus dem Stammverein BG 74 Göttingen e.V. ausgegliedert. Bislang wurde mit (geschätzt) gut 120 000 Euro in der 2. Liga Nord gearbeitet. Für das Oberhaus soll der Etat auf 200 000 Euro aufgestockt werden. Crowder stammt aus Sheffield (England), will demnächst einen deutschen Pass beantragen, weil er vom „Brexit“ die Nase voll hat.

Das Team ist eine Mischung aus erfahrenen Spielerinnen und Talenten. Natürlich geht auch bei den BG-Ladies (wie in jedem höherklassigen deutschen Team) nichts ohne Ausländerinnen: Herausragende Centerin ist Verdine Warner (1,96 m, von St. Vincent und den Grenadinen-Inseln/Karibik), die in 27 Saisonspielen 20 „Double-Double“ (zwei zweistellige Statistikwerte) erreichte – Top-Quote in Deutschland!

Alissa Pierce ist Amerikanerin, lebt aber schon lange hier, Katarina Flasarova ist eine 2016 eingebürgerte Tschechin, Inesa Visgaudaite stammt aus Litauen. Mit Richard Crowders Tochter Jenny bilden sie eine starke „starting five“. Dazu kommen ältere und jüngere Spielerinnen, die teils noch in der Weiblichen Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (WNBL) spielen.

BG Göttingen

Träger und Lizenznehmer ist die „Pro Basketball Göttingen GmbH“ mit Geschäftsführer Frank Meinertshagen. Ein Ex-Profi aus Hannover, der in führender Verwaltungsposition bei Ex-Meister ASC Göttingen arbeitet. Die BG-Männer haben diese Saison ein Budget von circa 2,3 Millionen Euro.

Die neue GmbH übernahm, nachdem die alte („starting five GmbH“) 2012 pleite ging. Nach zwei Jahren 2. Liga gehen die BG-Männer 2017/18 bereits wieder in die vierte Saison in der Bundesliga, in der sie schon von 2008 bis ’12 spielten. 2010 gelang sogar der Gewinn der EuroChallenge.

Perspektiven

„In Göttingen ist Platz für beide BG-Teams“, gratulierte Meinertshagen seinem Amtskollegen Crowder. Die Männer errangen bisher zwölf Siege, haben den Klassenerhalt längst sicher – im Gegensatz zur Last-minute-Rettung 2016. Größtes Pfund neben den Fans (Schnitt: 3300) ist das neue 4,2 Millionen Euro teure Trainingszentrum, mit dem man gute Spieler locken kann.

Den BG-Ladies, die die Tradion von Göttingen 05 (fünfmal Meister zwischen 1968 und ’74) fortsetzen, steht eine harte Erstliga-Saison bevor. Ganz anders als diese Serie, in der nur vier von 27 Spielen verloren wurden. Sie brauchen drei Top-Verstärkungen für den Klassenerhalt – nur darum wird es gehen in Deutschlands neuer Basketball-Hauptstadt Göttingen!

Fußball spielt dort übrigens kaum eine Rolle mehr: Oberligist SVG Göttingen steht vor dem Abstieg. In die 6. Liga. (gsd)

Von Helmut Anschütz

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