Wie die BG die Bayern absägte: Jetzt Playoffs statt nur Klassenerhalt?

Um Ideen sind die Veilchen-Fans nie verlegen: Kurz vor Spielbeginn und kurz nach der Schlusssirene präsentierten sie ihr Transparent mit der Anspielung auf den doppelten Bayern-Sturz. Tatsächlich ließen die BGer die Münchener zum zweiten Mal kippen. Foto: Jelinek/gsd

Göttingen. Kurz vor Schluss entrollten die Fans der BG Göttingen wieder wie schon vor dem Tipoff ihr Transparent. Eine imaginäre BG-Hand mit einem Fuchsschwanz, der am Thron des FC Bayern sägt.

Und dazu ein meterlanges Transparent: „Spürst du das Kippeln?“ – in Anlehnung an den BBL-Slogan: Spürst du das Dribbeln? Eine – letztlich – gelungene Anspielung der Veilchen-Anhänger auf das Duell gegen die schier übermächtigen Münchener. Und tatsächlich sägten die Göttinger sie geradezu ab: 63:59, der zweite Saisonsieg gegen den Meister. Und nebenbei auch den Klassenerhalt rechnerisch klargemacht.

Aber der Klassenerhalt ist eigentlich gar nicht mehr das Thema, was nicht arrogant klingen soll. „Unser Ziel sind jetzt die Playoffs – eindeutig!“, meinte Robert Kulawick, der elf Punkte gegen die Bayern beisteuerte im BBL-TV selbstbewusst. „Wer zweimal den Meister schlägt, kann nicht sagen, wir spielen um den Klassenerhalt. In der Pause sagte unser Trainer: Entweder wir gehen mit minus 40 unter – oder wie reißen uns den Arsch auf!“ Rums, das saß! Gut gebrüllt, Kulle!

Erst Patzer, dann Punkte

Und auch Zauberzwerg Khalid El-Amin demonstrierte das neue Selbstbewusstsein, die Überzeugung der Göttinger. „Wir haben das ganze Spiel an uns geglaubt, wir hatten mehr Energie und die Woche hart gearbeitet“, meinte der BG-Spielmacher, der lange Phasen unscheinbar agierte, sogar einige Patzer drin hatte – aber in der „Crunch-Time“ eben zweimal mit zwei Körben zum 60:57 und 62:57 „da“ war, absolute Führungs-Qualität zeigte und „sein“ Team in der letzten Minute wie ein kleiner Feldherr dirigierte. „Wie ein Coach“, merkte Ex-ASC-Trainer Terry Schofield respektvoll an.

„Göttingen verdient eine gute Saison und auch die Playoffs. Keiner hat uns eine Chance gegeben“, blieb El-Amin aber trotz des erneuten Triumphs gegen den FC Bayern nüchtern. Wie üblich eher in sich gekehrt genoss auch Coach Roijakkers den zweiten Coup gegen München. Aber man spürte geradezu seine innere Zufriedenheit, es auch einem so erfahrenen Trainerfuchs wie Svetislav Pesic gezeigt zu haben. 14 Punkte zur Pause zurück – und dann so ein Comeback! Nur fünf Punkte für Bayern im dritten Viertel und nur 15 im letzten dank einer schier unüberwindbaren Defensive.

Appell an die Führung

Aber Roijakkers goss auch wieder Wasser in den Wein. „So etwas wie jetzt wird es hier in Göttingen nicht wieder geben, wenn wir nicht einen großen Sponsor bekommen!“ Will heißen: Ohne potente Geldgeber lassen sich Akteure wie El-Amin, Topscorer Morgan und Alex Ruoff nicht halten. Dieses Team sei für die Einmaligkeit bestimmt, drückte es Roijakkers zwischen den Zeilen aus. Eine ehrliche Meinung des Niederländers, die auch einen Appell an Geschäftsführung und Gesellschafter darstellt. Übrigens: Wie aus deren Reihen verlautete, soll Ende der Woche ein neuer Vertriebsmitarbeiter als Nachfolger für Anna Jäger präsentiert werden.

Offen ist weiter, ob es nächsten Sonntag nach Trier geht. Nach dem Insolvenzantrag der TBB sondiert Insolvenzverwalter Thomas Schmidt die Lage. Am Donnerstag berichtet er der BBL-Geschäftsführung, die dann entscheidet, ob Trier (bisher acht Punkte Abzug) nicht doch noch sogar die Lizenz entzogen wird. Dann würde die BBL die Saison mit 17 Mannschaften zu Ende spielen.

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