BBL-Sportchef Jens Staudenmayer im HNA-Interview

„BG Göttingen wird die Etat-Lücke schließen“

+
Alle Hände hoch: Reggie Redding (li.) und Danilo Barthel (Mi.) von Bayern München sichern sich im zweiten Finale den Ball vor Dennis Clifford von Alba Berlin. Heute steigt Spiel vier. 

Göttingen. Wenn mit Jens Staudenmayer (50) der sportliche und kaufmännische Leiter der Basketball-Bundesliga anlässlich des 39. BG 74-Miniturniers in der Stadt ist, gibt es immer zahlreiche Gesprächs-Themen. Das Interview.

Sie sind wieder mit Ihrem Nachwuchsteam aus Mondorf beim Miniturnier in Göttingen gewesen. Die BBL wird auch die 40. Auflage 2019 unterstützen. Wie sehen Sie das Turnier?

Staudenmayer: Nein, nicht mehr mit Mondorf. Ich habe meine Trainerkarriere vorübergehend beendet. Unsere Kinder sind jetzt aus dem Miniturnier-Alter raus, und meine Frau und ich sind mit Fahrdiensten zu den Trainingseinheiten ausgelastet.

Zurzeit läuft das BBL-Finale zwischen München und Berlin, am Mittwoch steigt Spiel vier. Wie schätzen Sie die Serie ein?

Staudenmayer: Sie ist komplett offen. Nachdem die Münchner in Spiel zwei ein deutliches Statement abgegeben haben, war die Partie deutlich umkämpfter und enger. Man merkt, dass sich der Hauptrunden-Erste und -Zweite in der Finalserie gegenüberstehen – eine Konstellation, die es zuletzt in der Saison 2012/2013 gegeben hat.

Was viele Fans ärgert: Ausgerechnet die Finalserie ist nicht auf „Sport1“ im Free-TV zu sehen. Wie kommt das?

Staudenmayer: Das ist so nicht richtig. Sport1 hat von der Telekom, die, wie Sie ja wissen, die Rechte hält, die Sublizenzierung für die Spiele drei und vier erworben. In den vergangenen Jahren war die Systematik im Übrigen die gleiche: Sport1 hatte zwei Zugriffe auf die Finalserie.

In der vergangenen Saison hat es viele umstrittene Schiedsrichter-Entscheidungen gegeben. Wie sehen Sie die Situation der Referees? Werden Sie seitens der Liga in Watte gepackt?

Staudenmayer: Nein, seit dieser Saison ist öffentliche Kritik zulässig, und diese hat moderat stattgefunden. Wenn man bedenkt, dass wir den jüngsten Schiedsrichter-Kader in der Historie haben und das Durchschnittsalter gerade einmal 34 Jahre beträgt, dann können wir mit den Leistungen durchaus zufrieden sein, zumal es keinen großen Aufreger wie in der vergangenen Spielzeit gegeben hat.

Vor ein paar Tagen gab BBL-Absteiger Gotha bekannt, sich komplett zurückzuziehen? Wie sehen Sie das?

Staudenmayer: Das war mit Sicherheit eine Sonder-Konstellation aufgrund der Kündigung des Hauptgeldgebers sowie Differenzen, die der Hauptgeldgeber mit einer der Firmen-Eigentümer hatte. In jedem Fall ist diese Nachricht betrüblich, weil das Projekt gut angelegt war. Der Gang nach Erfurt, die vielen Aktivitäten im Nachwuchsbereich und auch der Mut, auf junge deutsche Spieler zu setzen – das alles hatte Perspektive gehabt.

Das Eintrittsgeld für die BBL wurde zur übernächsten Saison auf drei Millionen Euro Etat aufgestockt. Eine gute, nötige Entscheidung und wenn ja warum?

Staudenmayer: Unter der Prämisse, dass sich Klubs und Liga weiteres Wachstum zum Ziel gesetzt haben, war diese Entscheidung nachvollziehbar und richtig. Zudem hat sich gezeigt, dass ein Großteil der Klubs bereits dieses Kriterium erfüllt, und diejenigen, die noch eine Lücke zu schließen haben, werden nun alles daran setzen, diese zu schließen. Das ist sicherlich eine Herausforderung, aber zugleich auch eine Chance, mehr Gelder zu akquirieren und den Standort zukunftsfest zu machen.

Auch die BG Göttingen stockte auf...

Staudenmayer: BG-Chef Frank Meinertshagen war sogar Mitglied der Arbeitsgruppe und hat diesen Prozess konstruktiv begleitet, weil er weiß: Wenn der Klub wachsen will, dann benötigt er weiteres Geld. Mit dem neuen Trainingszentrum hat der Verein bereits eine wichtige Investition getätigt und verfügt somit über ein Alleinstellungsmerkmal, was auch potenziellen Spielern nicht verborgen bleibt. Die noch bestehende Etat-Lücke wird die BG Göttingen schließen können.

Auch das Stammkapital der GmbH’s wurde auf eine Viertelmillion erhöht. Warum?

Staudenmayer: Nicht das Stammkapital, sondern das (positive) Eigenkapital wurde auf diesen Betrag erhöht mit dem Ziel, dass die Vereine über eine gesunde Substanz verfügen. Zwar erfüllen noch nicht alle Klubs diese Vorgabe, aber Sanktionen im Falle der Nicht-Erfüllung treten erst ab der Saison 2019/2020 in Kraft.

Thema Nationalmannschaft: Ende Juni steht in der Weltmeisterschafts-Qualifikation das dritte Fenster bevor. Wie sieht die BBL die Lage?

Staudenmayer: Die DBB-Auswahl hat sich bisher sehr gut verkauft, sie kann auch in Serbien gewinnen. Das zeigt, dass die Lücke geschlossen ist und wir optimistisch in die Zukunft blicken können. Erfolge der Nationalmannschaft helfen der Sportart insgesamt, und auch wir als Liga profitieren davon.

Der Termin-Streit zwischen BBL und Euroleague ist immer noch nicht beigelegt. Wie ist die aktuelle Lage?

Staudenmayer: Die BBL liegt nicht im Clinch mit der Euroleague. Vielmehr stehen sich Euroleague und FIBA weiterhin nicht kompromissbereit gegenüber. Und dieser Zwist hat Auswirkungen auf die nationalen Ligen. Die Euroleague terminiert nach wie vor ihre Spieltage und diktiert dadurch die Bedingungen.

Ihre Eltern leben in Rosdorf bei Göttingen. Abschließend noch ein Wort zur Situation bei der BG Göttingen.

Staudenmayer: Dass mehrere Spieler bleiben, ist gut für die kontinuierliche Arbeit. Die Verbesserung der Trainingsbedingungen hat dazu beigetragen, dass sich auch die sportliche Qualität verbessert hat. Spieler wie beispielsweise Dominic Lockhart können aufgrund der Rahmenbedingungen hier den nächsten Entwicklungsschritt machen. (haz/wg-gsd)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.