BG Göttingen: Wird der Heimspiel-Nachteil zum Vorteil?

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Faust auf Faust: Die BG Göttingen um den serbischen Dreier-Spezialisten Mihajlo Andric (links) hatte neun der letzten elf Spiele gewonnen.

Wird ein vermeintlicher Nachteil in der Coronakrise möglicherweise zu einem Vorteil für die BG Göttingen? In der bisher unvollendeten Basketball-Bundesligasaison 2019/20, von der derzeit niemand weiß, ob sie noch vollendet wird, haben/hätten die Veilchen bei sieben Auswärtspartien noch vier Heimspiele.

Nur noch vier Heimspiele gegen Bayreuth, Crailsheim, Würzburg und Bamberg – muss man in diesem Fall sagen. Denn so dürfte sich der Einnahme-Ausfall in noch einigermaßen überschaubaren Grenzen halten, falls die momentan bis Ende April ausgesetzte Spielzeit vorzeitig abgebrochen wird.

Das Basketball-Magazin BIG hat dazu eine interessante Rechnung aufgemacht. Mit „nur“ gut 150 000 Euro wäre die BG der Erstligaklub, der den geringsten geschätzten drohenden Verlust aufweisen würde (Berlin: 1,8 Millionen). „Ohne VIP-Tickets und Dauerkarten“, ergänzt BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen und bestätigt diese Zahl: „Ein Stück weit ist es so. Wir leiden unter der Coronakrise nicht ganz so.“ Doch allein der Verlust der reinen Ticketeinnahmen tue schon sehr weh. Noch mehr allerdings, so der Veilchen-Chef, entgangene oder entgehende Sponsoring-Einnahmen, die etwa 70 Prozent des 3,4-Millionen-Etats ausmachen – in erster Linie bei Heimspielen, aber auch bei Auswärtspartien (zum Beispiel über Aufwärmtrikots).

Meinertshagen: „Wir haben mit der S-Arena eine kleine Halle und eine unglückliche Verteilung der Sitzplätze.“ So ergebe sich ein Netto-Durchschnittspreis von nur etwa 12 Euro beim Ticketing, aus dem sich nur 20 Prozent des Budgets rekrutieren.

Falls es zu Rückforderungen für nicht zustande gekommene Sponsoringleistungen komme, könne es existenzbedrohend werden, so der BG-Chef. Das Meinungsbild unter den Sponsoren dazu sei aber „sehr positiv“. Noch sei die BG gesund und schuldenfrei. Wird aber eine Million fehlen?

Bitter: Nach dem sportlichen Aufschwung vor dem Virus-Aus und den Playoffs in Reichweite (erstmals nach neun Jahren) wären auch die letzten BG-Heimspiele sicher rappelvoll gewesen. Die vergangenen sechs Heimspiele waren mit 3447 Fans ausverkauft. So stieg der Zuschauerschnitt nach dem dünnen Saisonstart mit sechs Pleiten wieder auf 3219 (Hallen-Auslastung 93,4 Prozent).

. Ein anderes, weiteres Problem stellen die Abgaben der Profiklubs an die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) dar. Davon sind alle Populär-Sportwarten betroffen. „Die Zahlen sind unverhältnismäßig hoch, stehen in keinem Verhältnis zu sonstigen Sozialabgaben“, sagt Meinertshagen. 200 000 Euro musste die BG für die VBG berappen, das laste zudem auf der gegenwärtigen Situation. Der nächste Überweisungstermin ist Mitte Mai. Der BG-Boss: „Die größeren Ligen (Fußball, Handball, Basketball, Eishockey, Volleyball, d. Red.) wollen mit der VBG eine Stundungsvereinbarung treffen. Ich bin sicher, dass es da eine Lösung geben wird.“

Übrigens: Am (heutigen) Mittwoch hätte die BG das drittletzte Heimspiel gegen Crailsheim gehabt. gsd/nh

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