Basketball-Bundesliga Frauen: Situations-Analyse des Geschäftsführers der BG 74 Veilchen Ladies

Crowder: „Die Lage ist kritisch“

Beste Punktesammlerin der BG-Ladies: US-Girl Marissa Janning (links), hier gegen Wasserburgs Rebecca Tobin, kam bisher auf durchschnittlich knapp 13 Punkte pro Spiel. Foto: Jelinek/gsd

Göttingen. Richard Crowder war am Mittwoch müde. Als einer der beiden Geschäftsführer von Frauen-Basketball-Bundesligist BG 74 Göttingen Veilchen Ladies hatte er beruflich zwar frei, doch am frühen Morgen hatte er den griechischen Coach Giannis Koukos und mehrere Spielerinnen zum Flughafen nach Frankfurt gebracht. Sie genießen jetzt einen kurzen Weihnachtsurlaub in ihrer Heimat: Viki Karambatsa als Landsfrau von Koukos in Griechenland, Casey Smith und Marissa Janning in den USA. Tage der Erholung, die nötig sind. Denn bei den BG-Ladies „ist die Lage durchaus kritisch, keine Frage“, so Crowder.

Der Aufsteiger ist nach dem ersten Abstiegsendspiel in Heidelberg, das mit zehn Punkten verloren ging, auf den letzten Platz abgerutscht. Zeit für eine Bestandsaufnahme:

Die Situation

„Von den bisherigen Ergebnissen und den Leistungen sind wir enttäuscht“, sagt Crowder unumwunden. Aber man habe sich natürlich immer an den vorhandenen Mitteln orientiert. Und die sind eben relativ bescheiden. „Der Sprung von der zweiten zur ersten Liga ist groß. Unseren Etat werden wir am Ende der Saison erreichen. Aber er reicht nicht für große Sprünge.“

Der Trainer

Giannis Koukos coacht als Südländer mit viel Hingabe. Nach außen hin sieht es so aus, als schieße er oft übers Ziel hinaus. Unüberhörbar hat er sein Team vor allem in Auszeiten hart kritisiert – das kam im Umfeld mehrfach nicht gut an. Bringt ein moderaterer Ton nicht mehr?

Die Spielerinnen

Auch die Leistungsträgerinnen überzeugten längst nicht immer. Crowder redet Klartext: „Einige haben zwei, drei gute Spiele gemacht, zwei, drei ordentliche, aber auch vier, fünf unterdurchschnittliche. Oft war das Team nicht präsent.“ Auch von Centerin Verdine Warner, alles überragende Spielerin in der 2. Liga, konnte man deutlich mehr erwarten. Derzeit wird das „karibische Rebound-Monster“ (Fachmagazin BIG) von US-Girl Marissa Janning übertroffen. Einige Akteurinnen, das muss man klar sagen, haben kaum Erstliga-Format. Hinter einer recht passablen „starting Five“ fehlt es gewaltig. Crowder: „Wenn wir gewinnen wollen, müssen mindestens fünf Spielerinnen gut spielen.“

Die Perspektive

Ist schwierig und zweifelhaft! Der Start in den Januar (Trainingsbeginn am 2.1.) ist hart: Pokal-Viertelfinale zuhause gegen Marburg (7.1.), das wichtige Mittwoch-Heimspiel (10.1.) gegen Halle und dann das Heimspiel gegen Vizemeister Keltern (14.1.) – schon da kann sich Einiges klären. Mit einem Pokalsieg gegen Marburg und den Einzug ins „Final Four“ könnten sich die BG-Ladies Mut und Selbstvertrauen holen für die Bundesliga. Es ist aber eher ein Wunschtraum. Kleiner Hoffnungsschimmer: Die BG 74 hat noch sechs Heim-, aber nur noch vier Auswärtsspiele.

Crowder: „Man macht sich Gedanken, was nach der Saison passiert. Wir geben aber erst auf, wenn es wirklich vorbei ist.“ (gsd/nh)

Von Helmut Anschütz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.