Förderung von Breiten- und Spitzensport in Göttingen: Kontroverse Diskussion zwischen Politikern und Veranstaltern

Nur Denkanstöße - mehr nicht

Talkrunde mit kontroversen Meinungen: FDP-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Thielbörger, FEST-GmbH-Chef Lutz Renneberg, SPD-Fraktionschef Frank-Peter Arndt, CDU-Ratsmitglied Thomas Hänsch und BG-BusinessClub-Boss Alexander Schneehain (v.l.). Foto: Gleitze/gsd

Göttingen. Der BG-BusinessClub (BC) mit seinem Chef Alexander Schneehain und die FEST GmbH mit ihren Geschäftsführern Lutz Renneberg und Holger Jortzik, die Initiatoren des jährlichen Hallenfußball-Juniorenturniers und von zwei WM-Quartieren, hatten zum „Sport-Business-Talk“ in die Lokhalle geladen, doch nur 31 Zuhörer kamen - enttäuschend.

Teilweise sehr kontrovers wurde mit den Fraktionsvorsitzenden von SPD, CDU und FDP diskutiert über die Frage, wie die Stadt Göttingen dem Spitzensport helfen kann. Während die Grünen und die Linke abgesagt hatten, bezogen Frank-Peter Arndt (SPD), Dr. Thomas Hänsch (CDU) und Wolfgang Thielbörger (FDP) Stellung. Nicht gerade geschickt von den Organisatoren der Diskussionsrunde: Es war kein neutraler Moderator da.

34 600 Sportler in 116 Klubs

Man fördere den Breitensport, begann Arndt sein erstes Statement. Hänsch fügte an, auch der Spitzensport sei natürlich wichtig, dessen „hohen Stellenwert“ auch Thielbörger unterstrich. Im Stadtsportbund sind derzeit in über 116 Vereinen 34 600 Sportler organisiert. Schnell wurde deutlich, dass die Positionen der Politiker und von Renneberg/Schneehain sehr konträr sind.

Letztere verwiesen auf ihre Leistungen für die Sport-Szene Göttingen, z.B. dass sie in der letzten Legislaturperiode des Rates (fünf Jahre) 15 Millionen Euro eingeworben haben. Schneehain führte an, dass Göttingen nach Ansicht von Jan Pommer (Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga) die Stadt sei, die am schlechtesten von der Politik unterstützt würde. Das hörte sich ziemlich nach Schelte an, obwohl Anwalt Schneehain mehrfach davon sprach, keine Neid-Debatte führen zu wollen.

Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) rief diese Darstellung auf den Plan: „Ich muss mal Klartext reden!“ Vehement erläuterte er, dass Göttingen so gut ausgestattet sei, dass es mit jeder anderen Stadt mithalten könne. Sportstätten könnten unentgeltlich genutzt werden. Die „Eiswiese“ rechne sich finanziell fast, Oberligaaufsteiger RSV 05 spiele kostenlos im Jahnstadion.

Vergleich mit Kassel

Auch er empfand offenbar den per Schaubild projizierten Vergleich mit der Stadt Kassel, die für 10 Mios. das Auestadion für Regionalligist KSV Hessen aufgepeppt und das Auebad für 30 Mios. neu baue, als unpassend. „Diese Veranstaltung hat Vorführ-Charakter“, meinte Meyers Parteikollege Arndt.

Renneberg und Schneehain strichen des Weiteren die unterschiedliche Förderung von Kultur und Sport heraus. 105 Euro würden je Einwohner für Kultur ausgegeben, in anderen Städten nur 85. Jede Theaterkarte würde mit 65 Euro gefördert, eine BG-Karte gar nicht. Auch die FEST GmbH habe noch nie öffentliche Gelder beantragt, so Renneberg. Auch die neue Beherbergungssteuer tue weh. „Sportförderung, die private Gewinne generiert, gibt´s bei uns nicht“, konterte Arndt.

„Ein Tribunal gegen Verwaltung und Politik“, klang es aus dem Auditorium. Und: „Basketball behindert Breitensport.“ Auch starker Tobak! GoeSF-Chef Alexander Frey wertete die Diskussion als „partiell unfruchtbar“. „Spitzensport ist aber ein wichtiger Standortfaktor“, war Ex-FKG-Direktor Hänsch um Ausgleich bemüht. Und was konnte man nun mitnehmen? „Wir wünschen uns mehr Sensibilität und mehr Ausgewogenheit“, so Renneberg. Der Breitensport solle wie bisher gefördert werden, doch „für den Spitzensport ist nichts da.“ Eine Diskussionsrunde als Denkanstoß, nach der sich aber wohl nichts ändern dürfte. (haz/gsd)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.