Dirigent für Team und Fans: El-Amin führt BG zum Sieg gegen Ulm

„Kugelblitz“ mit Veilchen-Power! Das Duell der Spielmacher entschied Göttingens Khalid El-Amin (am Ball) gegen Ulms Per Günther klar für sich. Foto: Jelinek

Göttingen. 38 Sekunden vor Schluss wandte sich Khalid El-Amin an die Nordtribüne in der Lokhalle. Legte seine Hände an die Ohren, was bedeuten sollte:

„Ich kann euch nicht hören!“ Gleichzeitig ruderte er mit den Armen, um die sowie schon euphorisierten Fans noch mehr in Wallung zu bringen. Der „Floor General“ nicht nur als Dirigent auf dem Parkett, sondern auch noch als Einpeitscher der Zuschauer-Massen.

Der Geräuschpegel schwoll nach El-Amins eindeutigen Gesten noch weiter Ohren betäubend an. Frenetische Beifallsbekundungen auch für ihn, den Göttinger „Zauberzwerg“. Der nur 1,78 m große Spielmacher war einmal mehr der Wegbereiter des enthusiastischen 92:80 (48:45)-Sieges der Veilchen gegen die stark besetzten Ulmer.

Morgan mit Double-Double

Dass El-Amin im Fokus von BBL-TV stand, war klar. „Das war ein großartiges Spiel“, hob der 50-fache NBA-Spieler (Chicago Bulls) an. „Es war schwer, nicht aufgeregt zu sein, es war eine gute Show. Wir wollten die Fans glücklich machen. Und auch, dass uns die anderen Bundesliga-Mannschaften respektieren“, sagte der US-Routinier, der auf NBA-Niveau spielte. Klar, es war gegen Ulm wieder eine „El-Amin-Show“: 28 eigene Punkte, geniale „no-look-Anspiele“, Tempo-Macher, Tempo-Verschlepper – solchen Basketball-IQ hat eben nicht jeder.

Neben der „One-Man-Show“ El-Amins stachen aber auch noch andere BGer heraus. Raymar Morgan setzte seine Spiele auf höchstem Level fort. Mit 18 Zählern und zwölf Rebounds schaffte der zum „All-Star-Spiel“ (10. Januar in Ulm) eingeladene BGer schon sein drittes „Double-Double“. Und auch Alex Ruoff, dessen Name falsch (ROUFF) auf dem Trikot stand, überzeugte wie schon länger nicht mehr mit 21 Punkten – obwohl ihm Anne Panther und ihre Schiri-Kollegen schon im zweiten Viertel das dritte Foul angehängt hatten.

Per saldo war es wieder einmal einer dieser seltenen Festtage im sonst eher tristen Göttinger Sportgeschehen. Dieses außergewöhnliche Ambiente in der Lokhalle, wo man noch das Maschinen-Öl der Bahn-Malocher zu riechen glaubt, dieser unvergleichliche Charme der angerosteten Stahlträger, dieses einmalige Flair: „Es war wie in früheren Bundesliga-Zeiten“, schwärmte Kai Ahlborn, stellvertretender Veranstaltungschef der Lokhalle. Und nicht nur Ober-Fan Hartmut Niemann hatte einen Kloß im Hals und feuchte Augen bei all den Erinnerungen, die durch den Kopf schossen.

Mehr Herz und Leidenschaft

„Die Leistung der Fans war beeindruckend“, meinte (man achte auf die Wortwahl!) Ulms Coach Thorsten Leibenath respektvoll, dessen Mannschaft nach sechs Siegen erstmals wieder verlor. „Eine tolle Atmosphäre. Hier macht es Spaß zu spielen, aber keinen Spaß zu verlieren.“ Mehr Anerkennung vom Gegner geht nicht! Der BG attestierte Leibenath „mehr Herz und Leidenschaft“, was sein Team gezeigt habe, sei „eine Frechheit“.

Selbst der nüchterne BG-Coach Johan Roijakkers geriet ins Schwärmen: „Das ist wirklich eine Lokhölle. Die Stimmung hilft uns über tote Momente.“ Für wie viele Punkte haben die BG-Fans gesorgt, wurde der Niederländer gefragt. „Für 92“, entgegnete er cool. Gut, ganz so viele waren’s sicher nicht. Aber für fünf bis zehn sind die Fans allemal gut.

Das Schlusswort von Trainer Johans Mutter Will Roijakkers, die wieder mit Ehemann Theo zu Besuch war: „Wenn wir da sind, gewinnt die BG immer!“ Schade, dass die Trainer-Eltern am Sonntag wieder nach Nord-Belgien nach Hause fuhren und heute gegen Bamberg nicht dabei sind… (gsd)

Von Helmut Anschütz und Walter Gleitze

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