BG Göttingen bietet Frankfurt 36 Minuten Paroli, verliert dann aber noch mit 58:77

Basketball-Playoffs: „Dusel-Dreier“ knickt Veilchen

Das ging wohl in die Hose! Göttingens überragender Topscorer Dwayne Anderson wird von Frankfurts Chris Moss (l.) auf ungewöhnliche Weise irritiert. 3 Fotos: Jelinek

Frankfurt. Es lief die 36. Spielminute. Mit einem Zweier hat Kyle Bailey auf 57:60 für die BG Göttingen verkürzt. Angriff Frankfurt. Jimmy McKinney in Ballbesitz, doch er findet keinen Anspielpartner.

Die Schuss-Uhr ertönt für die erlaubten 24 Sekunden pro Angriff, der US-Boy muss werfen – und trifft per „Dusel-Dreier“ zum 63:57. Hatte der Ball vor oder mit der Uhr die Hände verlassen? Göttingens Trainer John Patrick protestiert und tobt heftig vor dem Kampfgericht – vergebens! Die Schiedsrichter erkennen den Wurf an. Der Knackpunkt für die Veilchen im ersten Viertelfinal-Playoff bei den Skyliners. Bis dahin hatten sie dem Favoriten prächtig Paroli geboten. Doch dann wurden aus drei Punkten Rückstand (und einer Überraschungssieg-Chance) noch 19 und eine 58:77 (35:38)-Pleite.

So führen die Südhessen nach dem ersten Spiel der „Best of Five“-Serie mit 1:0. Ob man da mit einem oder 19 Zählern verliert – völlig egal. Aber vielleicht doch wichtig für die bei Basketballern oft so wichtige Psyche. Für die Göttinger gilt es, vor dem zweiten Match am kommenden Mittwoch (20 Uhr) in der Kasseler Rothenbachhalle das Positive aus der Frankfurter Ballsporthalle mitzunehmen.

Anderson in Galaform

Das ist vor allem, dass das Patrick-Team in der Lage war, gegen die personell weitaus breiter aufgestellten Skyliners eben 36 Minuten auf Augenhöhe mitzuhalten. In erster Linie natürlich dank eines in Eurocup-Galaform auftrumpfenden Dwayne Anderson. Er eröffnete das Spiel mit dem ersten seiner fünf (von zehn) verwandelten Dreier, legte im ersten Viertel noch sieben Zähler nach - deshalb lag die BG auch 19:18 vorn, womit die Frankfurter wohl nicht gerechnet hatten. Prima, wie die Veilchen den Skyliners-Star DaShaun Wood (zehn seiner 13 Punkte im zweiten Viertel) in seinem Wirkungskreis zumindest einschränken, wenn auch nicht ausschalten konnten. Aber wie das so ist: Dann kommt eben ein anderer Akteur des Gegners „aus dem Gebüsch“: Das war Jimmy McKinney! Und auch Frankfurts Rastaman Quantez Robertson tat den Südniedersachsen mit seinen drei Dreiern (wie McKinney und Wood) böse weh.

Dumm auch, dass es bei der BG ein zu großes Leistungsgefälle im Team gab. Während Anderson seine Dreier traf, klasse durch die Frankfurt-Zone zum Korb zog und selbst einen Tip-Dunk versenkte, waren einige andere Veilchen kaum zu sehen. Auch das war eben am Ende der Unterschied: Frankfurts „zweiter Anzug“ passte besser.

Ohne krönenden Abschluss

Die Göttinger blieben lange im Geschäft, führten 32:31 (16.), glichen zum 43:43 (24.) und waren durch Antoine Jordans Dreier sogar zum 55:57 (34.) herangekommen – doch das „i-Tüpfelchen“, der krönende Anschluss blieb ihnen verwehrt.

„In der ersten Halbzeit haben wir Frankfurt zu viele Offensiv-Rebounds gestattet“, analysierte Coach Patrick. „Nach der Pause hatten wir ein Comeback, haben dann aber unsere Konzentration und unsere Struktur verloren. Am Ende haben sich die Qualitäten der Frankfurter Routiniers gezeigt, auch wenn Wood nicht seinen besten Wurf-Tag hatte.“

„Das End-Ergebnis hat den Spielverlauf verfälscht“, sagte BG-Chef Marc Franz. Seiner Meinung nach habe McKinney bei diesem umstrittenen Dreier auch einen Schrittfehler gemacht. „Jedenfalls war es die Situation, in der sich das Blatt wendete.“ Sein Appell für Mittwoch: „Wir brauchen in Kassel ganz viele Fans zur Unterstützung.“ Um den „Heimvorteil“ beim eigentlichen Auswärtsspiel in der Rothenbachhalle zu nutzen. (gsd)

Von Helmut Anschütz

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