„Lokhallen-Fluch“ hält für die BG an

Der Center macht sich krumm für die BG: Scott Eatherton (43) packt sich die „Murmel“ vor Jenas aus Göttingen stammenden Julius Wolf (links). Der US-Boy schaffte seinen fünften „Double-Double“ in dieser Saison mit 16 Punkten und 11 Rebounds. Foto: Jelinek/gsd

Göttingen. Die Veilchen und die Lokhalle – sie sind weiter keine Freunde. Am Samstag verlor die BG Göttingen das erste von zwei kurz hintereinander folgenden Heimspielen gegen Aufsteiger Science City Jena verdient mit 76:82 (40:46).

Damit hält der „Lokhallen-Fluch“ weiter an, denn bereits in der vergangenen Saison gingen alle fünf Heimspiele im Industriedenkmal verloren. Die Göttinger lieferten eine schwache Partie ab, die 3700 Zuschauer im ausverkauften ehemaligen Lokomotiven-Ausbesserungswerk hatten aber auch andere als Sündenböcke ausgemacht: Die Schiedsrichter, die die BGer in mehreren Situationen zumindest nicht gerade bevorteilten.

BG-Coach Johan Roijakkers fuhr heftige Kritik wegen des Umzugs in die Lokhalle auf: „Das war für uns wie ein schlechtes Auswärtsspiel“, meinte er frustriert und machte dies an einem kleinen Beispiel deutlich. So hätten Spieler noch vor dem Tipoff ihre Autos umparken (lassen) müssen, weil sie falsch rund um die Halle geparkt hatten. „Die Göttinger mögen eben ihre Lokhalle...“, sagte Kapitän Dominik Spohr dazu und dachte wohl: Die derzeitigen Spieler eher nicht.

Auch von der Kritik an den Referees wollte Roijakkers nichts wissen. Als Mathis Mönninghoff nach 34 Minuten beim Stand von 66:70 dreimal unter dem Jenaer Korb attackiert wurde (oder doch nicht?), sich nicht durchsetzen konnte und kein Foul gepfiffen wurde, waren die Fans schon außer sich. „Dann muss er im Sommer härter arbeiten“, so der BG-Coach lakonisch. Und mehr (Muskel)-Masse aufbauen, bedeutete dies. Als Mönninghoff beim 74:79 ein Technisches Foul wegen einer angeblichen Schwalbe („flopping“) von Hauptschiri Johannes Hack erhielt, tobte die „Lokhölle“ vollends. Die Zuschauer quittierten das so: Heftige „Schieber, Schieber“-Chöre und „ohne Schiris habt ihr keine Chance“-Gesänge.

Die Unparteiischen taten das Ihrige – die Niederlage hatte die BG aber sich selbst zuzuschreiben. Jena hatte einen starken Julius Jenkins und spielte eine knallharte Defense, gegen die sich die Göttinger überaus schwer tat. Zudem hatten die Thüringer zur Pause 60 Prozent Dreier- und Gesamttreffer-Quote. Starke Werte. Und die BG schon wieder elf Ballverluste (am Ende 17). „Wir spielen zu soft“, meinte der verletzte Andrej Mangold zur Pause.

Probleme mit der eigenen Intensität sahen auch Spohr und Mönninghoff. Zwar kamen die Veilchen wiederholt auf zwei Zähler heran (44:46 gleich nach der Pause) und durch den Dreier zum 47:49 von Scott Eatherton (fünfter Saison-„Double-Double“), aber zum Führungswechsel kam es nicht mehr.

„Immer, wenn Göttingen herankam und die Zuschauer laut wurden, hatten wir die richtige Antwort. Darum haben wir verdient gewonnen“, fasste Jenas aus Göttingen stammender Trainer Björn Harmsen zusammen, dessen 85-jährige Oma in der Lokhalle war. Vielleicht gut jetzt für die BG: Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht. Dienstag kommt Tübingen in die Lokhalle. „Ich erwarte eine Niederlage“, ätzte Roijakkers im TV.  

Von Helmut Anschütz und Walter Gleitze

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