Veilchen als neue „Auswärts-Macht“: Nur Berlin ist besser

Das macht den BG-Spielern einfach Spaß: Abklatschen mit den Fans nach dem Auswärtssieg in Braunschweig. Zuvor gewannen sie in Crailsheim und München. Foto: haz/gsd

Göttingen. Die Veilchen als Auswärts-Macht! Ja, das ist nach neun Spieltagen in Basketball-Bundesliga wirklich so – nur Spitzenreiter Alba Berlin hat mehr Auswärtssiege (fünf) geholt als die BG Göttingen, die nach dem 81:79-Krimi in Braunschweig zum dritten Mal mit zwei Punkten im Gepäck (wie Bayern, Bamberg, Oldenburg, Artland) die diesmal kürzeste aller BBL-Heimreisen antreten konnte.

Umso enthusiastischer war der Jubel der rund 400 mitgereisten Fans. „Ohne Göttingen wär’ hier gar nichts los“, fügten sie in die fast unaufhörlichen Gesänge ein, wodurch die Göttinger auch ganz klar auf der Tribüne gewannen – in Braunschweig allerdings auch kein Wunder.

Auf dem Parkett zeigten Kapitän David Godbold & Co. absolute Nervenstärke. Als es in der „Crunch-Time“ in den letzten fünf Minuten eng wurde, knickten die Veilchen nicht ein. Und das mit nur sieben Spielern! Topscorer Alex Ruoff im Training umgeknickt, Khalid El-Amins Hüftprobleme wieder aufgebrochen (nur 15 Minuten Einsatzzeit) und zudem noch eine disziplinarische Maßnahme gegen Harper Kamp (nur 5:41 min.), die Coach Johan Roijakkers knallhart durchzog. Der Center habe nicht auf seine Anweisungen gehört und sei auf der Bank besser aufgehoben, meinte der Trainer etwas verklausuliert. „Dafür haben die anderen Spieler die Statements gemacht“, so der Niederländer. Den Denkzettel für Kamp nahm Roijakkers bewusst in Kauf.

„Fühlt sich gut an, dieser Sieg!“

Doch selbst dadurch gingen die BG-Köpfe nicht nach unten. Vielmehr feuerten Kamp, Ruoff, der heute schon wieder trainieren soll, und El-Amin ihre Teamkollegen unaufhörlich von draußen an, standen den Fans in nichts nach. Im Prinzip wuchsen alle „sieben Aufrechten“ über sich hinaus. Käpt’n Godbold wie in der 2. Liga als „Mann ohne Nerven“ mit einem „No-look-Korb“ zum 74:73 (38.) und vier Zählern zum 80:76 39,6 Sekunden vor Schluss! Dominik Bahiense de Mello als starker Aushilfs-Point Guard! Raymar Morgan mit 20 Punkten in seinem bisher besten BG-Match! Jamal Boykin endlich wieder als Wühler und sogar Dreierschütze! Dominik Spohr und Acha Njei (mit Maske wegen angebrochener Nase) als harte Arbeiter! Und Robert Kulawick ausgerechnet an alter Wirkungsstätte mit drei Dreiern – eine dieser Geschichten, die nur der Sport schreibt!

„Großes Kompliment, ich bin stolz auf meine Jungs“, blickte Roijakkers gestern zurück. „Wenn Kamp, El-Amin und Ruoff zurück sind, habe ich den Druck und die Qual der Wahl. Aber so möchte ich das haben.“

„Vielleicht war’s nicht schön, aber effektiv“, meinte de Mello nach dem Spiel, „Toll, wie wir zurückgekommen sind (nach einem 17-Punkte-Rückstand, d. Red.) und Moral gezeigt haben. Es stimmt im Team, anders geht’s nicht. Das macht Mut für die nächsten Spiele.“ Wie nächsten Samstag (18.30 Uhr) gegen den Überraschungs-MBC mit Ex-BG-Trainingsgast Christian Standhardinger.

„Kulle“ Kulawick hat übrigens eine interessante Idee, wie die derzeitige Auswärtsstärke der BG Göttingen auch zuhause gegen den starken Mitteldeutschen BC umgesetzt werden kann: „Vielleicht sollten wir uns in den Bus setzen und drei Stunden rund um Göttingen fahren.“ Wenn’s für den zweiten Heimsieg hilft… (gsd/nh)

Von Helmut Anschütz

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