2. Basketball-Bundesliga: BG Göttingen steht derzeit solide da, macht sich aber Sorgen um die Zukunft

Zu wenig Geld: Aufstieg in Gefahr?

Klares Bekenntnis der Fans: Per Transparent verliehen sie am vergangenen Samstag beim Heimspiel gegen Essen ihrer Hoffnung Ausdruck, in das Basketball-Oberhaus zurückzukehren. Foto: Jelinek

Göttingen. In der 2. Basketball-Bundesliga spielt die BG Göttingen derzeit eine gute Saison, steht auf Platz eins. Der Spitzenreiter hatte sich vor der Saison als Ziel gesetzt, nach zwei Jahren im Bundesliga-Unterhaus in die BBL zurückzukehren. Sportlich sind die Veilchen dazu auf dem besten Weg. Wirtschaftlich ist die Situation aber schwierig: Kann die BG den Aufstieg auch finanziell schaffen?

„So wie der Stand jetzt ist, können wir keine Bundesliga spielen“, sagt Steffen Lütjen, einer der sieben Gesellschafter der „Pro Basketball Göttingen GmbH“ (PBG, Inhaber der Zweitliga-Lizenz). Die finanziellen Mittel reichen nicht aus, um bei sportlicher Qualifikation ab Oktober erstklassig zu spielen. Momentan arbeitet die BG mit einem Etat von 1,31 Millionen Euro. Für die BBL plant sie als unterste Grenze aber 1,8 Millionen ein. Es fehlt mindestens eine halbe Million.

Ist die Darstellung der Situation nun ein Hilfeschrei? „Nein“, sagt Lütjen. „Wir wollten mit unserem Schritt in die Öffentlichkeit auf die Lage hinweisen. Jetzt und nicht erst in drei Monaten.“

Derzeitige Situation ist gut

Fakt ist: Derzeit steht die BG solide da, ist schuldenfrei. Es wurde nach der Pleite der „starting five GmbH“ (Mai 2012) seriös gearbeitet. Was Lütjen und BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen Sorgen macht, ist die Zukunft. Es fehlen zwei, drei, vier Großsponsoren, die die Lücke zum angestrebten Budget schließen könnten. Denn die im „BusinessClub“ organisierten kleinen und mittleren Sponsoren sind an der Grenze ihrer finanziellen Möglichkeiten längst angelangt; sie können kaum mehr beisteuern.

Mehrfache Gespräche mit größeren Firmen der Region brachten kaum zufriedenstellende Ergebnisse. Doch die BG arbeitet weiter hart am großen Ziel. „Wir wollen in die 1. Liga, sportlich und finanziell“, unterstreicht Meinertshagen. Er, Lütjen und Mit-Geschäftsführerin Anna Jäger haben noch Eisen im Feuer. Aufgeben wolle man nicht, so Lütjen.

Ins Spiel kommt dabei das „Standort-Marketing“. Ist es über die Schiene Profi-Sport und die Außendarstellung des Basketballs möglich, (jüngere) Arbeitskräfte in eine Stadt zu locken? Beispiele dazu gibt es u.a. aus BBL-Städten wie Bamberg, Würzburg oder Tübingen. Sind die BG-Basketballer nicht unbezahlbare Werbeträger einer Stadt wie Göttingen?

Ein weiterer Aspekt ist die politische Komponente. Für Meinertshagen stellt sich daher die Frage: „Mir geht es nicht darum, das Göttinger Symphonieorchester und das Deutsche Theater gegen den Profi-Basketball auszuspielen. Nur wenn das GSO und das DT Unterstützung erhalten, warum nicht auch der Basketball, der ja auch ein Stück Göttinger Kultur darstellt?“

Göttingens Bundestagsabgeordneter Fritz Güntzler (CDU) stellte bereits den Antrag an die Stadt, der BG die Kosten für die S-Arena zu erlassen. Sie betragen pro Saison rund 200 000 Euro.

Meinertshagen und Lütjen sehen das Sportprodukt Basketball nüchtern unternehmerisch. „Ist es fortführungsfähig“, fragt Lütjen. Oder nicht? Meinertshagen: „Besser jetzt runter von der roasaroten Wolke als später.“ An der für die BBL nötigen Kapitalerhöhung der Gesellschafter von jetzt 30 000 auf 100 000 Euro werde die „Mission Wiederaufstieg“ indes nicht scheitern. Die BG wird einen Lizenzantrag für Liga 1 und 2 zum 15. April stellen. Spätestens im Mai wird dann eine Entscheidung pro oder contra Bundesliga-Basketball in Göttingen fallen. (gsd)

Von Helmut Anschütz und Walter Gleitze

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