Schöne Spiele: BG Göttingen holt den Euro Challenge-Pokal

Das Wunder der BG Göttingen in der „Lokhölle“

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So sehen Sieger aus: Trainer John Patrick (links) freut sich mit seiner Mannschaft, der BG Göttingen, über den Sieg im Finale der EuroChallenge gegen das russische Team Krasnye Krylia Samara. 

Keine Spiele – nirgendwo. Was kann da schöner sein, als zurückzublicken? Auf schöne Spiele im Fußball, aber auch im Handball, Eishockey oder Basketball. Unsere Autoren werden das in den kommenden Wochen weiter tun, einige auch in persönlichen Erinnerungen.

Göttingen – Sonntag, 2. Mai 2010, um 17.53 Uhr. Kollege Helmut Anschütz und ich lagen uns genau zu diesem Zeitpunkt in den Armen, schämten uns unserer Freudentränen nicht. Denn in diesem Moment hatten wir das bis heute einmalige Göttinger Basketball-Wunder erlebt. Die BG Göttingen hatte den Euro Challenge-Pokal in der mit 3700 begeisterten Zuschauern bis zum Bersten gefüllten Lokhalle mit einem 83:75-Sieg gegen das russische Team von Krasnye Krylia Samara bei diesem Final Four--Cup geholt. Sensationell!

Die Zuschauer in Violett getaucht feierten damals zusammen ausgelassen dieses für mich als Sportjournalist bis heute einmalige Ereignis. Die ehrwürdige FAZ titelte: „Die Himmelsstürmer aus der Lokhölle!“ Trainer John Patrick, jetzt Coach beim Göttinger Ligakonkurrenten Riesen Ludwigsburg, hatte großen Anteil an diesem tollen Erfolg. Er hatte ein Team zusammengestellt, das europäischen Ansprüchen durchaus gerecht wurde und als erst dritter deutscher Basketballklub nach Alba Berlin (Korac-Cup 1995) und den Mitteldeutschen BC (Euro-Cup 2004) eine europäische Trophäe in die vereinseigene Vitrine stellen konnte.

Wer erinnert sich nicht noch gern an Kapitän John Little (bei ihm war der Nachname Programm) oder Center Chris McNaughton, der sein bestes Spiel im violettfarbenen Trikot machte und das russische Team mit 22 Punkten entnervte. Oder an Taylor Rochestie, über den Sportreporter Frank „Buschi“ Buschmann einst im Spiel der BG in Berlin gegen Alba mal sagte, nachdem Rochestie seinen letzten Dreier zum sensationellen 86:82 aus rund neun Metern versenkt hatte: „Holla, die Waldfee! Wenn Sie bei Ihrer Party kein Eis mehr haben – holen Sie Rochestie.“ Und über Little meinte Buschmann: „Für’n Basketballer ist John Little nicht größer als’n Spiegelei.“

Sensationeller aber als der Sieg im Finale mutete das Halbfinale gegen das französische Team Roanne Basket an. Denn da lagen die Veilchen zeitweise mit 20 Punkten hinten (17:37 nach 13 Minuten). Niemand setzte auch nur noch einen Pfifferling auf die Göttinger, die aber wie Phönix aus der Asche zurückkamen mit der Unterstützung des völlig verrückten Lokhöllenpublikums und zogen mit einem 77:67-Sieg ins Finale ein. 27 Punkte von Rochestie, der in diesem Final Four zum MVP (most valuable Player) gewählt wurde.

Wenn ich auch noch heute an den 2. Mai 2010 zurückdenke, schießen mir noch immer Freudentränen in die Augen. Einen solchen Tag erlebt man als Sportjournalist eben auch nur ganz selten.  gsd

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